2007 September

Erlend Loe: Doppler

Kiepenheuer & Witsch, 150 S., 7.95 €

Roman Doppler hat einen enorm großen Penis und auch sonst alles, was gemeinhin als erstrebenswert gilt: ein großes Haus, einen guten Job, genug Geld, Frau, zwei Kinder. Doch ein Fahrrad-Unfall macht ihn zum Aussteiger: Als er im Wald über eine Wurzel stürzt und mit Gehirnerschütterung und Schürfwunden im Heidekraut liegt, hat er endlich genug Zeit und Ruhe zum Nachdenken und erkennt in einem Moment der Klarheit, dass er alles Gewohnte verlassen und auf unbestimmte Zeit in die Wälder gehen muss. Denn hier ist es still, hier sind alle zivilisationsbedingten Alltagsprobleme wie weggeblasen, hier gibt keine anderen Menschen und keine Teletubbies, die das Gehirn verseuchen. Doppler schlägt also sein Zelt auf, geht auf die Jagd und freundet sich dabei ungeplant mir einem jungen Elch an. Und das Waldleben hält noch weitere Überraschungen bereit …
„The woods are lovely, dark and deep", zitiert Loe am Anfang des Buches den Dichter Robert Frost, doch obwohl diese romantische Grundstimmung passt, wird das Waldleben in „Doppler" nicht ernsthaft glorifiziert. Auch wenn man nicht umhin kommt, das ein oder andere Mal an Henry David Thoreaus Aussteiger-Klassiker „Walden" zu denken: Loes Buch ist kein ernstes Manifest oder Tagebuch, sondern eine äußerst unterhaltsame, ebenso locker wie brillant geschriebene Geschichte, in der es so verrückt zugeht wie in einem französischen 70er-Jahre-Spielfilm. Die skurrilen Ideen bleiben jedoch immer unterhalb des Komplett-Nonsens-Levels eines Helge Schneider – was hier passiert, ist in der Realität schon noch denkbar (jedenfalls in Frankreich und, wie es scheint, auch in Norwegen). Die Worte „Poetry is what gets lost in translation" stammen ebenfalls von Robert Frost, aber glücklicherweise treffen sie nicht auf „Doppler" zu: Das Buch ist schlichtweg fabelhaft übersetzt worden. -ski