2007 September

Ivo Stourton: Die Nachtgänger

Droemer/Knaur
400 S., 19,90 Euro

Roman „Night Climbers" werden die Studenten genannt, die bei Nacht die Gebäude des Campus von Cambridge erklimmen und in und um die Universitätsstadt wohl bekannt sind. Sie sind angeblich keine betrunkenen Kindsköpfe, die sich zum Scherz auf die altehrwürdigen Mauern schwingen, sondern vielmehr eine Geheimgesellschaft, die das Fassadenklettern als Initiationsritus und Erkennungszeichen verwendet. In diesem Milieu aus reichen Söhnen und höheren Töchtern an der Universität spielt der Debütroman von Ivo Stourton, gerade mal 25 Jahre alt und selbst Absolvent so renommierter Bildungsanstalten wie Eton – oder eben Cambridge. Stourton erzählt die Geschichte von James. Im College schon lange Außenseiter, begegnet er durch Zufall den „Night Climbers" Michael, Jessica, Lisa und Francis. Geblendet von der scheinbar grenzenlosen Freiheit der „Nachtgänger", und vor allem von der Schönheit Jessicas, gerät James immer mehr in den Sog der sorglosen Gruppe und tut alles, um nur dazuzugehören. Finanziert von Francis’ reichem Vater, einem echten Lord, genießen die „Nachtgänger" ein Leben ohne Schranken, fernab von Hörsälen und Verpflichtungen. Als der reiche Daddy seinem Sohn jedoch den Geldhahn abdreht und die sorgenfreie Zeit beendet scheint, muss auf anderem Wege Geld her und bald zeigt sich, wie weit die „Night Climbers" zu gehen bereit sind, um ja nicht ihr Leben ändern oder erwachsen werden zu müssen. Ivo Stourton ist mit den „Nachtgängern" ein fabelhafter Roman gelungen, der mühelos den Spannungsbogen zwischen fatalem Liebesdreieck, Coming-of-Age-Story und Thriller hält und sich noch dazu mit einer schönen, klaren Sprache schmückt. -mr