2007 September

Oliver Uschmann: Wandelgermanen

Scherz
381 S., 12,90 Euro

Hartmut-und-ich-Roman Weil ihr Haus in Bochum einsturzgefährdet ist und abgerissen werden muss, ziehen Hartmut und ich, samt Frauen, Kater und Schildkröte, aufs Land, und so landet die WG in der knietiefen Provinz bei neuheidnischen Germanen, die barfuß die Natur er-„wandeln" und Wehrsport betreiben. Das Haus, das Hartmut bei eBay für 8.000 Euro ersteigert hat, ist so baufällig, dass es zu leben scheint, die Stadtverwaltung ist eine Karikatur von Kafkas „Schloss", und der Baumarkt ist eine Produktionsstätte des Wahnsinns. Wer die ersten beiden Hartmut-und-ich-Bücher nicht gelesen hat, muss dies nachholen, denn „Wandelgermanen" ist eine Fortsetzung, die als eigenständiges Buch nicht funktioniert.
Die bisherigen Folgen der Serie waren von bürgerlich-anarchischem Witz: Philosophie-Student Hartmut zog die für ihn charakteristischen Schlüsse aus seinen Beobachtungen des Alltags und setzte die daraus erwachsenen Pläne, wie skurril sie auch sein mochten, augenblicklich in die Tat um. Leicht verdauliche Satire, locker geschrieben – keine große Literatur, aber unterhaltsam auf Mittelklasseniveau. Entsprechend wohlwollend wurde das Ganze in dieser Zeitschrift besprochen. Der eine oder andere Kollege bemühte jedoch den inflationären Begriff „Kult", und dies scheint Herrn Uschmann zu Kopf gestiegen zu sein. Im dritten Hui-Buch ist Hartmut eigentlich nur noch ein Schatten seiner selbst. Kraft und Witz sind ihm ebenso abhanden gekommen wie dem Autor, der, beginnend beim Plot, jede Wendung seiner Geschichte an den Haaren herbeizieht. Mit bemüht lockerem Duktus wird der Leser durch hanebüchene Situationen zum völlig durchgedrehten Showdown geschleift. Ein Buch, das die Welt nicht braucht. -bv