2007 September

Sibylle Berg: Die Fahrt

Kiepenheuer & Witsch
256 S., 19,50 Euro

Roman Wer sich mit Sibylle Berg auf eine Fahrt begibt, dem sollte klar sein, dass die Autorin eine Meisterin darin ist, das Leben und den Alltag schonungslos darzustellen und an nahezu nichts ein gutes Haar zu lassen. So bleibt selbst die Sonne nicht verschont: „Dieses erniedrigende Gefühl, einen sonnigen Tag nicht zu Hause verbringen zu dürfen, weil eventuell draußen etwas passieren könnte. Sich mit Tausenden an den wenigen Grünplätzen versammeln zu müssen, die die Abwesenheit von Natur nur viel deutlicher machen." Diese Gedanken macht sich eine der vielen Personen, deren Leben Sibylle Berg in ihrem neuen Roman beschreibt. Frank aus Berlin. Er ist von seinem Dasein gelangweilt, geht einer Bürotätigkeit nach, ist über 40 und hat den Glauben daran aufgegeben, sich noch einmal zu verlieben. Doch dann tritt Ruth in sein Leben, er verliebt sich in die fremde Frau, als sie durch Zufall gemeinsam einen aus dem Nest gefallenen Vogel versorgen. Doch noch bevor das Tier stirbt, verschwindet Ruth schon wieder aus Franks Leben. Weiter geht die Fahrt: zum Beispiel mit Maria, die Senioren hasst, Helena, einer Frau, die sich ständig auf Reisen in ferne Länder begibt, sich ab und an mal einen Mann als Souvenir mitbringt und ihr Leben mit Kellnern finanziert, oder Michael, der sich aus Frust darüber, dass er ein Bein verloren hat, tagtäglich mit Marihuana zudröhnt. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind auf der Suche, wollen einfach nur glücklich sein. Dass das nicht so einfach ist, weiß Sibylle Berg an den unterschiedlichsten Personen und Schicksalen zu verdeutlichen – egal, ob sich Ruth nun in Tel Aviv befindet, Frank auf Island, Miki in New York, Pia in London oder Helena in Füssen. Denn: „Überall wollten sie, was Menschen überall wollen: viel essen, sich verlieben, ins Kino gehen, Musik hören und alt werden. So einfach. Und so schwierig, weil doch immer etwas dazwischen kommt. Eine Bombe, ein Krieg, blöde Nachbarn, oder Männer, die weglaufen, ehe etwas begonnen hat." -tf