2008 September

Stefan Merrill Block: Wie ich mich einmal in alles verliebte

DuMont Verlag, 320 S., 19,40€

Roman Die noch junge literarische Karriere des 1982 geborenen Stefan Merrill Block liest sich wie ein Märchen: Der unbekannte Autor schickt den Entwurf seines Debütromans auf gut Glück per E-Mail an die renommierte Künstleragentur „William Morris” – und erhält kurz darauf einen Vertrag bei „Random House”, der weltweit größten englischsprachigen Verlagsgruppe.
Das Buch, um das es geht und das nun in Deutsch vorliegt, hat ebenfalls etwas mit einem Märchen zu tun: „Wie ich mich einmal in alles verliebte” (Original: „The Story of Forgetting”) erzählt unter anderem die Geschichte eines paradiesischen Traumlandes namens „Isidora”, in dem sich das Vergessen und die dadurch entstehende kindliche Unschuld als Schlüssel zum Glück entpuppen. Im Zentrum des Romans stehen zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und dennoch ein gemeinsames genetisches Damoklesschwert über sich schweben haben: Der 15-jährige Seth und der altersschwache, bucklige Abel. Seths Mutter leidet unter der gleichen Krankheit wie Abels Bruder, nämlich einer (fiktiven) Alzheimer-Form namens „EOA-23″. Während Seth sich auf den Weg macht, um auf der Suche nach einem Heilmittel die genetische Geschichte seiner Mutter herauszufinden, lebt Abel wie ein Eremit auf einer alten Farm. Auch hier spielt das Vergessen eine Rolle: Vergangen ist die Stille der weiten Felder, denn die Farm wird von geklont wirkenden „Traumhäusern” umzingelt – der alte Mann ist ein unerwünschtes Relikt, einsam und vergessen.
Stefan Merrill Block hat als Biologie-Student Preise gewonnen und kennt sich bestens mit Vererbung aus. Spielerisch und gewitzt streut er Fakten zu „seiner” Alzheimer-Form ein. Dieses Roman-Element korreliert mit Blocks Biografie: In seiner Familie treibt eine früh einsetzende Alzheimer-Form ihr Unwesen. Block bereitet sich nach eigener Aussage innerlich darauf vor, dass sowohl seine Mutter als auch er selbst in den Zustand des „Vergessens” geraten können. Das hindert ihn jedoch nicht daran, einen ebenso frischen wie gebildeten, originellen wie gewitzten Roman zu schreiben. Der subjektiv einzige kleine Wermutstropfen an Blocks Debüt ist – ohne zu viel zu verraten – ein etwas abrupter Schluss. -ski