Ausgabe Januar 2011

Neues für übermorgen

Das Messeformat [D3] design talents zeigt ausgefallene Entwürfe von Nachwuchs-Designern und gibt einen Ausblick auf das, was künftig in den Regalen stehen könnte.

Home-Traveller
Foto: koelnmesse

Was wäre der Möbelmarkt ohne neue Entwürfe? Was wäre Möbeldesign ohne kreative Vordenker, was wäre die imm cologne ohne das kleine, feine Messeformat [D3] design talents, das sich in den letzten Jahren zum Impulsgeber der Möbelmesse gemausert hat? Es muss Werte geben, aber auch Visionen. Während also anderenorts auf der imm cologne die Rückkehr der Massivholzmöbel und die Besinnung auf klassische Formen gefeiert werden, mischen die jungen Aussteller auf der [D3] bereits Beton für die Möbel der Zukunft und wagen auch manches andere Experiment. Speziell für Nachwuchsdesigner und Hochschulen ist [D3] das passende Forum, um sich und ihre Ideen der Fachwelt und den Medien zu präsentieren. In die drei Bereiche contest, professionals und schools gliedert sich das spannende Messe-Event.

Weltweiter Wettbewerb

Im Zentrum der neugierigen Blicke von Trendscouts und Designliebhabern steht auch dieses Jahr wieder der Wettbewerb [D3] contest, wo regelmäßig originelle Einfälle junger Kreativer zu bestaunen sind. Niemand Geringeres als der Rat für Formgebung, der bereits vor über 50 Jahren auf Beschluss des Deutschen Bundestages ins Leben gerufen wurde, um dem wachsenden Informationsbedarf der Wirtschaft zum Thema Design zu entsprechen, kuratiert die Ausstellung. Für den [D3] contest dürfen sich Studenten und Absolventen, deren Abschluss nicht länger als drei Jahre zurückliegt, mit ihren Prototypen bewerben. Aus über 850 Einsendungen von Designern aus aller Welt hat die Jury 35 Entwürfe ausgesucht, die auf der [D3] zu sehen sind und um die ersten drei Plätze konkurrieren. Das Rennen machen oft Kreationen, die genauso einfallsreich wie formschön sind, aber auch ein gewisses Augenzwinkern nicht vermissen lassen. Ein gelungenes Beispiel für die ansprechende Mischung aus Schönheit, Einfallsreichtum und Humor ist beispielsweise der „Home Traveller” von Anne Lorenz. Auf den ersten Blick ist er eine schicke Tasche, in die richtig viel hineinpasst. Weil aber die XXL-Tasche mit Inhalt natürlich sehr schwer ist, trägt ihre Besitzerin sie lieber nur innerhalb der eigenen vier Wände und lässt sie ansonsten auf ihren vier Füßchen stehen. So ist der „Home-Traveller” eigentlich eine Kommode für Taschenfreaks.
Sich hinlegen und gleich in einer anderen Welt versinken können die zukünftigen Besitzer von „Moody”, einem Sofa, das auf originelle Weise an einen Brötchenkorb erinnert, aber eher für Couch-Potatoes gemacht ist. Wer sich darauf legt, kann nicht herausfallen, jedenfalls dann nicht, wenn er die Liegefläche auf- und den Riesenbezug hochklappt.
Unliebsame Gesellschaft gerät außer Sicht und kann getrost vergessen werden. Die Gewinner des Wettbewerbes werden dieses Jahr erstmalig ihre Entwürfe direkt im Pure Village (Halle 3.2) der imm cologne ausstellen. So ist die [D3] noch enger in die Möbelmesse eingebunden.

Prototypen von Profis

Neben dem studentischen Nachwuchs und Hochschul-Absolventen haben auch unabhängige Designer und Designstudios mit ihren innovativen Entwürfen auf der [D3] eine Daseinsberechtigung. Unter dem Titel professionals stellen sie ihre Arbeiten aus und locken – dieses Jahr ebenfalls in Halle 3.2. an die imm cologne angegliedert – zahlreiche Hersteller an, die sich heute schon Gedanken über die Zukunft machen. Hier ist etwa Unseen Products (www.unseenproducts.com) zu finden, eine Gruppierung, die sich dem Fair-Trade-Design verschrieben hat und die Zielsetzung verfolgt, nachhaltige Handelsbeziehungen zwischen kleinen Produzenten in Entwicklungsländern und dem europäischen Einzelhandel aufzubauen. Unseen Products sorgt dafür, dass unbemerkte oder schwer zu findende Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen auf den hiesigen Markt gelangen.
Um einen Design-Transfer in die umgekehrte Richtung geht es der British European Design Group (BEDG, www.bedg.org), die sich zum Ziel gesetzt hat, britisches Design auf den Märkten überall auf der Welt zu promoten. Zwischen humorvollen Neuauflagen traditioneller Einrichtungsgegenstände, wie Kronleuchtern aus Plexiglas und futuristischen Kreationen wie kugelförmigen Kunststoffsesseln oder Lampenschirmen, die als Mix aus Raumschiff und Insekt daherkommen, bewegt sich der britische Erfindungsreichtum, den die BEDG ausstellt.

Moody

Moody
Foto: koelnmesse

Werke der Wissenschaft

Weniger um das Ergebnis als um den kreativen Prozess selbst geht es in dem Bereich [D3] schools. Knapp 30 Hochschulen überall aus Deutschland, aber auch aus Korea, Belgien und Bosnien-Herzegowina geben Einblicke in ihre Lehrinhalte und die Arbeit ihrer Studenten in den Bereichen Produktdesign, Architektur und Innenarchitektur. So stellt die Akademie für Handwerksdesign dieses Jahr den Prozess des Entwurfs als eine Reise dar. Sie folgt einigen Hauptstraßen, nimmt ein paar Nebenwege, findet verborgene Pfade, gerät auf Um- und Abwege zu immer neuen Ausgangspunkten und natürlich zum Ziel, dem fertigen Prototyp. Erstmalig dabei ist auch die Köln International School of Design (KISD), deren Studenten an ihrem Stand die vielfältigen Aspekte des interdisziplinären, projektorientierten Studiums an der KISD veranschaulichen. Im Bereich [D3] schools sind es oft spannende, komplexe Installationen, die Grenzen zwischen Design, Architektur und Kunst überschreiten. Auch der Bereich wird zur imm cologne 2011 umziehen. Dieses Jahr präsentieren sich die Hochschulen im Congress Saal des Congress Centrums (Halle 11.3), wo sie besonders viel Platz für ihre Ausstellungen haben.
Susanne Esch

[D3 ] design talents, 18.-23.1., Di-Sa 9-18h, So 9-17h, Publikumstage: 21.-23.1., Infos unter http://d3talents.de.koelnmesse.info