Ausgabe Juli 2017

Neue Freiheit im Großstadtdschungel

Foto: Kölner Verkehrs-Betriebe AG

Räder, Roller & Autos – Jetzt wird geliehen, geteilt und auf Elektro gesetzt

Schnell, günstig und vor allem flexibel. Wer in der Großstadt spontan von A nach B wollte, musste lange Zeit Kompromisse eingehen. Jetzt revolutioniert ein Trend – langsam aber sicher – auch das Kölner Verständnis von Mobilität. Ob am Hauptbahnhof – beim Bäcker um die Ecke oder am Eingang zum Park: Vielerorts schmücken Leihräder und Carsharing-Wagen das Innenstadtbild. Wer spontan eine Transportmöglichkeit sucht, kann hier einfach einsteigen oder aufsatteln. Keine verspäteten Bahnen, keine teuren Taxis. Einfach losfahren.

Die Kölner RheinEnergie macht sich für die Ausweitung der E-Mobilität stark, baut ihr Netz an Ladesäulen mit dem Namen „TankE“ aus und stellt somit die Grundlage für E-Autos und E-Busse in Köln. Kürzlich präsentierte sie sogar auf dem Parkplatz der RheinEnergie- Verwaltung ihre erste Schnelllade-Säule für PKW. In 20 Minuten werden die Batterien eines Elektrofahrzeugs mit ausreichend Energie für eine Fahrstrecke von 100 Kilometern geladen. Die RheinEnergie ist ein wesentlicher Partner im E-Bus-Projekt der KVB. Die Konzernschwester der KVB hat den Aufbau und den Betrieb der Ladeinfrastruktur zur Versorgung der E-Busse mit elektrischer Energie übernommen. Seit Dezember letzten Jahres ist die Linie 133, mit nicht weniger als acht Gelenkbussen, Deutschlands erste komplette Innenstadt-eBuslinie.

Gut für Geldbeutel und Natur
Neben dem praktischen Aspekt ist es vor allem der Umweltgedanke, der zur alternativen Fortbewegung motiviert. Mobil sein? Ja, aber bitte umweltfreundlich. Die Lösung: Leihfahrräder, E-Bikes, E-Roller und Elektro-Autos. Das Angebot wächst und wächst. Ob mieten oder kaufen, selbst in die Pedale treten oder mit Elektro- Antrieb durchstarten – die Möglichkeiten sind vielfältiger denn je. Im Sommer sind es dabei vor allem die Leihräder, die Studenten, Pendler und Radfreunde begeistern. So machen sie das Leben ein bisschen unkomplizierter, vermitteln gleichzeitig ein Gefühl von Freiheit. Ob eine Radtour mit der aus Italien angereisten Freundin, ein spontaner Grillausflug in den Park oder der Wunsch, den Heimweg abzukürzen, um mehr Zeit für die Familie zu haben – die Möglichkeit, sich von jetzt auf gleich aufs Rad schwingen zu können, ist ein Konzept, das in Köln auf großen Anklang stößt.

Spontan aufsatteln und losradeln
Die zwei großen Anbieter – die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und Call a bike der Deutschen Bahn (DB) – punkten dabei vor allem durch die große Anzahl an Rädern. Im Innenstadtbereich verändern sie bereits jetzt unser Bild von Fortbewegung. Kundenkonto aktivieren, rasch die Radnummer ins Handy tippen, Code eingeben und schon öffnet sich das Schloss. Besonders bei kurzen Distanzen und spontanen Touren werden die Angebote von KVB und DB so für Kölner attraktiv. Über die jeweilige App ist das nächste freie Rad innerhalb weniger Sekunden ausfindig gemacht und kann nach der Fahrt einfach an einer größeren Straßenkreuzung innerhalb des ausgewiesenen Gebietes wieder verschlossen werden. Während die „Call a bike“-Räder dabei durch die Pausen-Funktion überzeugen, macht der von nextbike betriebene KVB-Leihradservice durch die Möglichkeit, vier Räder gleichzeitig ausleihen zu können, auf sich aufmerksam.

Tandems, Lastenräder, Handbikes & Co.
Wer auf der Suche nach dem besonderen Leihfahrrad-Erlebnis ist, kann sich auf Anbieter wie Colonia Aktiv, verlassen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem romantischen Tandem-Ausflug? Oder mit einem Lastenrad inklusive Kindersitzen für einen entspannten Familienausflug? Immer mehr Anbieter gehen mit ihren Konzepten direkt auf die Bedürfnisse der Menschen zu und schaffen individuelle Lösungen. So bietet die Radstation Köln neben einer breiten Auswahl an Fahrrädern auch Handbikes als Ankupplung an manuelle Rollstühle. Über Handkurbeln gelingt damit auch bei Radtouren die Inklusion von Menschen mit Handicap.

E-Bikes auf dem Vormarsch
Ein Ausflug ins Grüne, eine Fahrt entlang des Rheins – Köln hat einiges zu bieten. Da können die Strecken schon einmal länger und damit auch anstrengend werden. Wer sich der sportlichen Herausforderung nicht gewachsen fühlt oder sich bei Steigungen Unterstützung wünscht, sollte sich einmal bei den Kölner E-Bike-Verleihen umsehen. Liebe Bike, Muskelkater Sport Köln und das Zweirad Center Prumbaum sind nur einige Anbieter auf diesem Gebiet. Muskelkater Sport Köln ist ein Familienunternehmen und seit über 20 Jahren im „Belgischen Viertel“ eine feste Anlaufstation für Alt und Jung. Das Konzept ist simpel und hat sich bis heute bewährt: Aktuelle Markensportartikel in Kombination mit Sonderposten, fachkundiger Beratung und einem serviceorientierten Team. Im Laufe der Jahre wurden zwei weitere Filialen in Köln-Sülz eröffnet, wovon eine auf der Berrenrather Straße den Kunden bis heute als reiner Fahrradladen alles rund ums Rad bietet – von Kinderrädern bis hin zu Marken-E-Bikes und professionellem Service mit Werkstatt. Warum das Traumrad also nicht kaufen, statt bloß mieten? Wer bei den genannten Verleihen nicht fündig wird, kann sich an Anlaufstellen wenden, die sich auf den reinen Verkauf von E-Bikes konzentrieren – so zum Beispiel eco-mobility und der Radmarkt Schumacher, bei dem das ins Auge gefasste E-Bike direkt auf einer Strecke inklusive Steigung zur Probe gefahren werden kann.

Mit dem Roller durch die City
Ende April eröffnete mit dem Kumpan Store Köln am Melatengürtel die erste Kölner Filiale des aufstrebenden Remagener Start-ups E-Bility. Es ist der erste Produzent von Elektrorollern mit einem einheitlichen Gesamtkonzept von der Entwicklung, über das Design bis zur Produktion. Mittlerweile umfasst das Produktportfolio drei Fahrzeugmodelle im Retro-Design der 60er, die mit einem Mofa-Führerschein gefahren werden können. Wer sich lieber nicht festlegen will, findet bei scoo.me die Möglichkeit, einen Roller nach dem Sharing- Prinzip zu mieten. Das Start-up-Unternehmen aus München bietet derzeit seinen Service in der bayrischen Landeshauptstadt und in Köln an. Gebucht wird über eine App. Die erste halbe Stunde gibt es zum Festpreis ab 2,40€, danach wird pro Minute abgerechnet.

Carsharing: Konzept mit Zukunft
Doch was wird aus dem guten, alten Auto? Immer mehr davon lasten die Kölner Verkehrswege voll aus. Eine Antwort darauf könnte auch das Carsharing sein. Anders als bei der herkömmlichen Autovermietung können Fahrzeuge hier kurzzeitig – zum Teil sogar minutenweise – angemietet werden. Mit cambio CarSharing, DriveNow von BMW, Flinkster der Deutschen Bahn oder car2go sind in Köln die großen Anbieter vertreten und bieten insgesamt eine große Anzahl an Fahrzeugen. Via App lassen sich die Autos finden und reservieren. Je nach Anbieter stehen die Fahrzeuge an speziellen Stationen und müssen auch dort wieder abgestellt werden. Andere sind überall im Stadtgebiet zu finden. Bei DriveNow und cambio CarSharing können auch E-Autos gebucht werden. Die vier großen Anbieter kooperieren darüber hinaus mit der KVB. Inhaber von KVB/VRS-Abonnements und Job-Tickets erhalten Vergünstigungen bei der Nutzung der Angebote. In Verbindung mit ihrem Fahrrad-Angebot verfügt die KVB damit über ein umfangreiches und flexibles Angebot für ihre Kunden. Dies macht Köln zu einer der führenden Städte Deutschlands beim carSharing.

Das eigene Elektroauto
Wer trotz dieser großen Fülle an verschiedenen Angeboten nicht auf das eigene Auto verzichten möchte und Wert auf einen Elektromotor legt, findet natürlich auch zahlreiche Alternativen in den Autohäusern der Stadt. BMW zum Beispiel verfügt seit 2013 mit dem i3 über einen Kleinwagen und mit dem i8 über eine Limousine im E-Auto-Segment. Bei Procar Automobile, an drei Standorten in Köln, kann man sich die umweltfreundlichen Autos ansehen, Probe fahren und natürlich auch kaufen. Ebenfalls seit 2013 bietet Ford – seit Jahrzehnten mit der Domstadt verbunden – mit dem Focus Electric sein eigenes E-Auto. Neben Ford hat das Autohaus Strunk auf der Neusser Straße auch KIA im Angebot. Der Südkoreanische Hersteller hat mit dem Soul EV sein erstes Elektroauto im ganz neu Programm. Im Autohaus Fleischauer lassen sich VW-Modelle begutachten. Mit dem e-up! und dem e-Golf gibt es gleich zwei Modelle mit Elektro-Antrieb.