Ausgabe November 2012

Oh Boy

D 2012, R: Jan Ole Gerster, D: Tom Schilling, Friederike Kempter, Marc Hosemann, Justus von Dohnányi, Start: 1.11., Odeon, OFF-Broadway

Foto: Constantin Film AG
Foto: Constantin Film AG

Tragikomödie Niko weiß ganz genau, was er nicht will, nämlich weiterhin den Wunsch seines Vater zu erfüllen und Jura zu studieren. Einen Ersatzplan hat der junge Berliner aber nicht parat. So lässt er sich seit einiger Zeit durchs Leben treiben. Das geht eine Zeit lang gut, doch plötzlich kommt dieser Tag, an dem Niko Farbe bekennen muss. Die Freundin trennt sich von ihm, der Vater stellt die monetäre Unterstützung ein, und beim Idiotentest gibt’s nur Häme vom Psychologen und nicht den Führerschein zurück. Der albtraumhafte Anfang des Tages setzt sich in weiteren großen und kleinen Katastrophen fort, bei denen sich der entnervte Endzwanziger ständig fragt, wer denn nun verrückt ist. Er oder die anderen? Der Spaß beim Zuschauen dieses grandios gelungenen 24-Stunden-Parforceritts durch Berlin besteht nicht zuletzt darin, dass beides stimmt. In Begegnungen mit Dealern, Schlägern, cholerischen Kontrolleuren und traumatisierten Ex-Mitschülerinnen zeigt sich die Metropole von ihrer durchgedrehten Seite. Allerdings belässt es der Film nicht bei einer grotesken Nummernrevue, sondern lässt im geballten Wahnwitz der Situationen die Verwerfungen und Narben des lethargischen Außenseiters widerspiegeln. Nikos Traumreise durch Berlin ist dabei nicht nur durchweg großartig gespielt, sondern trifft auch zwischen absurder Komik, feinfühliger Milieustudie und stimmungsvoller Großstadtpoesie immer den richtigen Ton. Dieser stimmungsvolle Debütfilm in wohlkomponierten Schwarz-Weiß-Bildern ist die deutsche Kinoentdeckung des Jahres. -nr

Trailer anschauen