Ausgabe Dezember 2012

Marcel Odenbach: Familienfeier

Galerie Gisela Capitain, St.-Apern-Str. 26, bis 21. Dezember

Marcel Odenbach, „Sitzfleisch", Collage, Aquarelle, Bleistift und Fotokopie auf Papier
Foto: Vesko Gösel, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln
Marcel Odenbach, „Sitzfleisch", Collage, Aquarelle, Bleistift und Fotokopie auf Papier
Foto: Vesko Gösel, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln

Marcel Odenbach zählt zu jenen Kölner Künstlern, die seit den frühen 1980er Jahren als Pioniere der Videokunst gelten. In seiner jüngsten Videoarbeit „Außer Rand und Band” stellt er das Behandlungszimmer des Psychoanalytikers Sigmund Freud Aufnahmen gegenüber, die aus dem Archiv der „Kommune Friedrichshof” des Wiener Aktionskünstlers Otto Muehl stammen. „Die Couch von Sigmund Freud ist zum Symbol für die seelische Behandlung des ‚modernen Menschen’ geworden”, erklärt Künstler Odenbach dazu. Denn keine andere Theorie hat im 20. Jahrhundert so nachhaltig auf die moderne Erziehung, auf die liberale Rechtsprechung und die sexuelle Emanzipation eingewirkt wie die Freud’sche Psychoanalyse: In dem Video bringen freimütig herumtollende Kinder das Behandlungszimmer gehörig durcheinander. Dramaturgisch folgt Odenbach dem Prinzip der Montage, indem er – gerade bei der Behandlung zeitgeschichtlicher Themen – offizielles Bildmaterial und private, subjektive Erzählungen miteinander kombiniert. Kleinformatige Collagen ergänzen die Ausstellung: Sie sind Dokumente von Odenbachs künstlerischer Erforschung seelischer Abgründe und sozialer Randgruppen, von Rassismus, Diskriminierung und der Ausbeutung der Dritten Welt. -J.R.