Ausgabe Februar 2014

Ganz nah am Original

The Australian Pink Floyd Show mit „Set the Controls“ auf Europatournee

aufmacher_The_Australian_Pink_Floyd_Show_Foto_Promo

Das Original

Es gibt Sterne am Rockfirmament, die auf ewig mit unverminderter Strahlkraft leuchten werden. Pink Floyd gehören ganz sicher dazu. Die Geschichte der Band startete im Jahr 1965 einigermaßen rumpelig, als der heute sagenumwobene Syd Barrett einer von Roger Waters, Nick Mason und Rick Wright gegründeten Band namens Abdabs als Sänger und Gitarrist beitrat. Daraufhin verließen gleich drei weitere Mitglieder die Abdabs, Roger Waters sattelte von Gitarre auf Bass um, und Syd Barrett verpasste der usurpierten Truppe den Namen The Pink Floyd Sound, den er zusammensetzte aus den Vornamen seiner beiden Bluesheroen Pink Anderson und Floyd Council. Was für eine Eroberung im Sturm und was für eine Klarstellung von Dominanz und Unterordnung! Nachdem auch der Gitarrist Bob Klose im Streit mit Barrett ausgeschieden war, prägte der unumstrittene Frontmann bis zum März 1968 den Sound der Band, deren Name zwischenzeitlich auf Pink Floyd heruntergedampft wurde. Syd Barrett war es, der das Ensemble auf die psychedelische Spur brachte und fast alle Songs des ersten Longplayers „The Piper at the Gates of Dawn“ und die ersten drei Singles schrieb. Als der Erfolg der Band Fahrt aufnahm, kam er nicht damit klar, vor allem aber wurde er begraben unter der Last einer unkontrolliert eingenommenen Menge von Drogen und einer dadurch beförderten schweren Psychose. Schließlich stand er bei Konzerten nur noch stumm und reglos auf der Bühne und starrte ins Publikum. Dies war der Zeitpunkt, an dem der mit anderen Projekten recht erfolglos gebliebene David Gilmour ins Spiel kam: zunächst als Sideman für Garrett, schließlich, als man sich doch von dem genialen Wrack trennte, als Vollmitglied der Band. Nachdem man sich im Folgenden mit Veröffentlichungen wie „Ummagumma“, „Atom Heart Mother“ und „Meddle“ einen einzigartigen Sound und eine wachsende internationale Reputation erarbeitet hatte, folgten mit „The Dark Side of the Moon (1973) und „Wish You Were Here“ (1975) die absoluten Pink-Floyd-­Klassiker, die den Weltruhm der Band für alle Ewigkeit zementieren sollten. Schließlich übernahm Waters von 1976 bis 1985 das Steuer: Er schrieb fast sämtliche Texte, und auch seine kompositorischen Ideen erfuhren eine immer größere Umsetzung auf Alben wie „Animals“ und natürlich vor allem bei „The Wall“, das als letztes amtliches Werk der Gruppe gilt. Danach kam es zunächst zum Bruch mit Rick Wright, Gilmour und Mason zofften sich mit Waters, ein unerfreuliches Psycho-Hickhack nahm seinen Lauf. Was nach „The Wall“ unter dem Label Pink Floyd veröffentlicht wurde, wurde zwar von den eingefleischten Fans, nicht jedoch von den Musikkritikern begrüßt. Schließlich stieg auch Waters aus, es folgten gegenseitige Beschuldigungen, Rechtsstreitigkeiten und gelegentliche Hoffnungsschimmer auf eine Reunion. Aber nach dem Tod von Rick Wright im Jahr 2008 ist damit wohl nicht zu rechnen. Zwar sind von den noch lebenden Floyds inzwischen sehr versöhnliche Töne zu hören, aber sicher keine Pläne zur Wiederbelebung des ausgestorbenen Dinosauriers – und wahrscheinlich ist das auch besser so. Legenden leuchten am stärksten in der Vergangenheit. Syd Barrett starb übrigens im Juli 2006 im Alter von 60 Jahren.

Das Tribut

Vor 25 Jahren war auf einem Aushang in einem Plattenladen in Adelaide, Australien, folgende Verlautbarung zu lesen: „Sänger und Keyboarder für Band gesucht. Professionelle Einstellung Voraussetzung. Wir spielen nur Pink Floyd“. Die ambitionierte fünfköpfige Truppe, die daraufhin zusammenfand, tingelte mit ihrem Programm zunächst durch kleine australische Clubs und überzeugte die wachsende Fangemeinde immer mehr durch die leidenschaftliche Akribie, mit der sie den unverwechselbaren Klangkosmos ihrer großen Vorbilder zu detailgetreuem Leben erweckte. Heute füllt The Australian Pink Floyd Show die großen Konzerthallen weltweit, die Besetzung ist, inklusive Chor, auf zwölf Mitglieder gewachsen, und die visuellen Effekte der Shows – eine fette Light- und Lasershow, Videoeinspielungen und mehr – stehen den Bombast-Auftritten des Originals in den 80er Jahren in nichts nach. Das Repertoire der Band erstreckt sich auf alle Pink-­Floyd-Phasen, von den psychedelischen Kapriolen der 60er Jahre über die komplexen Kompositionen der 70er bis zu den Stadion-Soundorgien der 80er Jahre. Fester Bestandteil der eigenen Band-Legende ist der Auftritt der Musiker auf David Gilmours Party zum 50. Geburtstag im Jahr 1996, der in einer Jamsession mit David Gilmour und Rick Wright gipfelte. Mit diesem Adelsschlag versehen, können sie es sich leisten, eigene Akzente zu setzen. So ersetzen sie das ursprüngliche Pink-­Floyd-Schwein der „Animals“-Tour durch ein überdimensioniertes rosa Känguru, das gegen Ende der Show auf der Bühne hüpft, und die gesprochenen Passagen bei „The Dark Side of the Moon“ werden mit deutlich australischem Akzent vorge­tragen.

The Show must go on

Heute präsentiert sich The Australian Pink Floyd Show als professionelle Firma, deren Überleben unabhängig ist von den seelischen Befindlichkeiten einzelner Diven, und das sorgt für ein anhaltendes Niveau. Das ist eine gute Nachricht für die große Fangemeinde von Pink Floyd, deren Musik so zeitlos großartig ist, dass sie immer neue Generationen begeisterter Zuhörer anzieht. Sänger und Gitarrist David Domminney Fowler, der erst im Jahr 2011 die Stelle von Damian Darlington in der Band übernahm, sagte vor zwei Jahren im Interview mit der KÖLNER Illustrierten: „Was mich erstaunt, ist, dass so viele junge Leute unter 30 Jahren zu unseren Konzerten kommen.“ Allerdings sind es dann doch immer wieder eher die älteren Semester, die ihre Luftgitarren auspacken und voller Verzückung mitspielen. Die aktuelle Show „Set the Controls“ stellt die Pink-Floyd-­Alben „The Dark Side of the Moon“, „Wish You Were Here“ und „The Division Bell“ in den Mittelpunkt, aber es werden auch wieder die beliebtesten Kracher von „The Wall“ und andere Crowdpleaser zu hören sein. Das Besondere an der neuen Konzeption ist die Tatsache, dass das Publikum ein Mitspracherecht bezüglich eines Teils der Songauswahl erhält. Auf www.aussiefloyd.com/de besteht die Möglichkeit, für die Stücke zu stimmen, die man an dem Abend, an dem man sich die Show ansieht, gern hören und sehen möchte. So steht allen Fans der Aussies sicher eine Show mit hohem Gänsehautfaktor bevor. Bernd Vielhaber

The Australian Pink Floyd Show, 20.3., 20h, LANXESS arena, Karten: www.koelnticket.de
Wir verlosen 5 x 2 Tickets.