Ausgabe Mai 2014

„Wir brutzeln gerade in der Songküche.“

Für Bastian Campmann, Flo Peil, René Schwiers, Nils Plum und Sebi Wagner läuft es beruflich derzeit gut. Mit Kasalla sorgen sie für ausverkaufte Konzerte. Tatjana Fink wollte von Sänger Basti wissen, wie es sich als erfolgreiche Kölner Band so lebt.

Foto: www.torbenkoester.de
Foto: www.torbenkoester.de

Kasalla heißt so viel wie Ärger, Krawall. Warum habt ihr euch ausgerechnet „Krawall“ genannt?
Flo und ich haben nach einem passenden Namen für unser „Baby“ gesucht und das Wort hat uns sofort „angesprungen“. Es ist rheinisch, aber nicht zu klassisch kölsch. Als wir es ausgesprochen hatten, wussten wir: Das ist es.

Findest du, dass ihr eurem Namen bisher alle Ehre gemacht habt?
Das Wort „Kasalla“ ist ja nicht wirklich böswillig, sondern eher salopp gemeint. Und sicher sind wir eher eine der lauteren Bands der Stadt – gerade wenn wir uns in den Sälen bewegen. Da werden auch schon mal Ohren zugehalten. Insofern: ja!

Das Kasalla-Motto heißt „Alles kann, Kölsch muss“. Wo habt ihr die kölsche Sprache gelernt?
Viel über zu Hause – bei mir gerade durch meinen Vater (Anm. d. Red.: Nobby Campmann, ehemaliger Gitarrist der Räuber), der selber bis zu seinem Tod kölsche Musik gemacht hat. Aber auch wenn wir vieles verstanden haben und einige Brocken sprechen konnten – im Alltag war Kölsch fast nicht vorhanden. Daher mussten wir die Sprache mit der Band intensiv neu lernen.

Warum ist euch mundartlich zu singen wichtig?
Einer der Initialzündungsmomente für die Band war ein Pressebericht: „Millowtisch-Theater: Hochdeutsch statt Kölsch!“ Wir finden, dass die Sprache ein wichtiger Bestandteil der Stadt und ihrer Identität ist. Wenn sie verloren ginge, würde ein Teil der Geschichte verschwinden …

Als ihr angefangen habt, auf Kölsch zu singen, war euch da klar, dass ihr damit am Karneval nicht vorbeikommt?
Für uns war von Anfang an klar, dass wir kölsche Musik machen wollen, die AUCH im Karneval funktionieren kann. Für uns ist der Fastelovend ein großer Teil Kölns – und wir sehen keine Notwendigkeit für ein „Entweder – Oder“. Karneval feiern schließt nicht aus, auch auf Veranstaltungen wie „Arsch Huh“ politische Statements abzugeben oder im Sommer „klassische“ Rockshows zu spielen.

Hat sich eure Meinung zum traditionellen Karneval gewandelt, seit ihr ein Teil davon seid?
Natürlich geht man mit einer gewissen vorurteilsbehafteten Einstellung in den Sitzungskarneval. Aber der klassische Karneval wandelt sich – muss er ja, wenn er überleben will! Es ist lange nicht mehr so „steif“ wie noch vor einigen Jahren. Und sogar Humor findet sich in den Sälen! Aber es gibt auch die eine oder andere Sitzung, die den Klischees entspricht – und auf denen wir mit Worten wie: „Das ist der neue Karneval – nicht schön, aber laut“ verabschiedet werden. Aber es allen recht machen wollen wir auch nicht.

Was macht einen guten kölschen Song aus?
Kölner lieben die Emotion, das Nahe, Persönliche. Und im Kölschen kann man vieles auf eine Art ausdrücken, die hochdeutsch sofort maximal schlageresk klänge …

Eure Musik enthält verschiedenste Einflüsse. Welche Bands würdest du als Vorbilder nennen wollen?
Was das Bandkonzept angeht, sicher die Bläck Fööss – in Sachen Experimentierfreudigkeit. Die Fööss haben in den Anfängen über alle Stilgrenzen hinweg Musik ausprobiert – immer op Kölsch. Ansonsten hat natürlich jeder in der Band andere musikalische Prägungen – die mit Kölsch null zu tun haben. Bei mir sind es Oasis, Foo Fighters, Nirvana.

Kann man heute noch kölsche Musik machen und damit bekannt werden, ohne einen Karnevalshit zu landen?
BAP hatten als bekennende Karnevals-Nichtmöger Riesenerfolg mit Mundart. Aber das waren natürlich andere Zeiten. Im Moment denke ich, dass Mundart und Dialekt ein Revival erleben – siehe den Riesen­erfolg von La BrassBanda, die in tiefstem Bayrisch singen und Stadien füllen.

„Pirate“ war euer erster Karnevalshit und ging in der Session 2011/2012 ab wie Schmitz‘ Katze. Habt ihr mittlerweile eine Erklärung dafür?
Wir waren sicher zur richtigen Zeit am richtigen Ort, der Moment war wichtig. Aber warum dieser Song zu dem wurde, was er ist – das zu erklären schaffen wir nicht.

In Musikerkreisen fürchtet man nach einem erfolgreichen Debütalbum meist den Nachfolger. Doch „Immer en Bewäjung“ hatte noch bessere Kritiken als „Et jitt Kasalla“. Habt ihr nun Angst vor Album Nr. 3?
Nein! Wir haben den Anspruch, wieder ein Album an den Start zu bringen, von dem wir voll überzeugt sind. Natürlich gibt es Druck – aber der kommt meistens von uns selber.

Aktuell stehen viele Konzerte an. Ihr wagt euch u.a. nach Berlin, München und Hamburg. Verteilt ihr da vorher Flyer mit der hochdeutschen Übersetzung der Texte?
Gute Idee! Aber so was ist eigentlich nicht geplant. Wir wissen, dass viele Exil-Rheinländer zu den Konzerten kommen werden, und sind selber überrascht, wie gut der Vorverkauf läuft. Berlin werden wir vielleicht sogar ausverkaufen! Aber alle „Einheimischen“, die uns nicht oder nicht zu 100 % verstehen, werden wir versuchen musikalisch abzuholen. Ich denke, viele Leute, die zu Konzerten ihrer englischen Lieblingsband gehen, verstehen auch nicht alles – oder garnichts.

Werdet ihr denn außerhalb von Köln auf der Straße erkannt?
In einem gewissen Umkreis passiert das schon mal. In der Eifel zum Beispiel. Aber 60 Kilomter von Köln entfernt kennt unsere Gesichter wahrscheinlich niemand.

Gab es mit Fans schon mal ein lustiges Erlebnis?
Unsere Fans lassen sich immer wieder tolle Sachen einfallen – von Geburtstagskuchen bis zu speziellen Choreografien. Aber das Verrückteste waren sicher zwei Mädels, die in der ganzen Stadt Bettlaken mit Textzeilen unserer Songs an Brücken gehängt haben.

Welches eurer Konzerte hat dich nachhaltig beeindruckt und warum?
DER wichtigste Band-Moment bislang war sicher unser Auftritt bei „Arsch Huh“ an der Deutzer Werft vor 80.000 Menschen. Persönlich fand ich bislang das erste Konzert in der Live Music Hall am emotionalsten – aber in diesem Jahr könnte das getoppt werden, wenn wir zum ersten Mal ein eigenes Open-Air im Tanzbrunnen spielen dürfen. Aufregend!

Genau, es geht „Aff noh drusse“. Neben dem Tanzbrunnen spielt ihr auch bei Colonia olé. Auf was dürfen sich die Fans bei euren Auftritten freuen?
Neues Zeug! Wir brutzeln grade in der Songküche ein ganzes Menü neuer Ideen – und die werden im Sommer serviert.

Kasalla, 24.8., 17h, Open-Air am Tanzbrunnen, 9.5., Brückenforum Bonn, Karten auf www.koelnticket.de