Ausgabe März 2015

Originalgetreu – nur mit Känguru

Am 9. April macht die weltweit erfolgreichste Pink-Floyd-Tribute-Band mit ihrer „Welcome to the Machine“-Tour Halt in der LANXESS arena.

australianpinkfloydneu

Shine on you crazy diamond

Im Jahr 1975 erschien mit „Wish You Were Here“ das wohl letzte wirklich bahnbrechende Album der britischen Ausnahmeband Pink Floyd. Es enthält nur fünf Titel, die alle ineinander übergehen – wenn man einmal davon absieht, dass unsereiner damals noch zum Plattenspieler gehen und das Vinyl umdrehen musste. Den 40. Jahrestag der Veröffentlichung nimmt The Australian Pink Floyd Show zum Anlass, ihre achte große Hallentour in Folge zu einer Hommage an das ehemalige Mastermind von Pink Floyd, Syd Barrett, zu machen. Wir erinnern uns: Just in der Phase, in der die Karriere von Pink Floyd volle Fahrt aufnahm, entwickelte sich Syd Barretts seelische Störung, unterstützt von einem völlig unkontrollierten Drogenmissbrauch, zu einer ausgewachsenen Psychose. Schließlich stand der Mann bei Konzerten nur noch stumm und reglos auf der Bühne und starrte ins Publikum. Die Band feuerte ihn schweren Herzens und ersetzte ihn durch Davil Gilmour – aber die Erinnerung an Syd Barrett sollte nie aufhören, der ganzen Band als schlechtes Gewissen durch die Jahre zu folgen. Und so beginnt „Wish You Were Here“ direkt mit der Hymne „Shine on You Crazy Diamond“, deren Fortsetzung als fünfter Track das Album auch abschließt. In einer Textzeile heißt es: „Nobody knows where you are, how near or how far.” Eine pikante Anekdote in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Syd Barrett während der Aufnahmen zu diesem Album plötzlich im Studio auftauchte und von den Bandmitgliedern zunächst nicht erkannt wurde, weil er sich äußerlich extrem verändert hatte. Das bekannteste Stück des Albums ist aber wohl der Titelsong, der nicht, wie oftmals irrtümlich vermutet wird, ein Liebeslied ist, sondern der ebenfalls dem wahnsinnigen Genie Syd Barretts gewidmet ist.

It’s alright – we told you what to dream

Der zweite Song des Albums trägt den Titel „Welcome to the Machine“, er ist ein Lied über die Mechanismen der menschlichen Gesellschaft: Passe dich an, tu, was man von dir verlangt, und alles ist gut. Für die bösen Buben, die sich eine Gitarre gekauft haben, um ihre Mütter zu bestrafen, gibt es dann die Musikbranche, aber auch die hat ihre Regeln. Halte dich daran, dann wirst du Steaks essen und einen Jaguar fahren. Aber halte dich an die Regeln der Maschine. Träume, was zu träumen man dir erlaubt „What did you dream? It’s alright we told you what to dream“. Nur war es genau das nicht, was Pink Floyd im Sinne hatten, und erst recht nicht Syd Barrett. Vielleicht ist er gerade daran zerbrochen: an der Aussichtslosigkeit seines Ausbruchversuches – an der Vereinnahmung seines Aufbegehrens durch die Musikindustrie. Die Musikindustrie hat sich noch jede Gegenbewegung einverleibt, sobald sie erfolgreich war, hat sie sie zu einem Teil von sich gemacht. Das ist die ­„Machine“. Und Pink Floyd nach Syd Barrett wurden ein Teil davon. The Australian Pink Floyd Show – inzwischen jähr­licher Stammgast in der LANXESS ­arena – hat das Andenken von Syd Barrett schon immer hochgehalten, nicht nur mit der Materialauswahl, die sich stark an den Veröffentlichungen aus den 60er Jahren orientiert. Jede Show hier in Köln endete bisher mit einer kleinen Andacht, wenn die runde Leinwand über der Bühnenmitte ein Porträtfoto des jungen Syd Barrett zeigte: langes dunkles Haar und Augen voller kajalbetonter Traurigkeit. Und dann merkte man jedesmal, wie eine selbstvergessene Sentimentalität das Publikum ergriff: Ach ja, auch wir waren einmal jung und wollten uns von nichts und niemandem vereinnahmen lassen. Aber was will man machen? Das Leben muss weitergehen.

So welcome to the machine

Die Kopierband The Australian Pink Floyd Show besteht seit über 25 Jahren in wechselnden Besetzungen, das Credo des musikalischen Konzeptes lautete von Anfang an: „So nah an Pink Floyd wie nur möglich, aber dennoch mit einer persönlichen Note versehen.“ So wird das ursprüngliche Pink-Floyd-Schwein der „Animals“-Tour durch ein überdimensioniertes rosa Aufblas-Känguru ersetzt, das gegen Ende der Show auf die Bühne hüpft, aus dem Prisma des „Dark Side“-Covers wird der Grundriss Australiens, und die gesprochenen Passagen bei „The Dark Side of the Moon“ werden mit deutlich australischem Akzent vorgetragen. Die aktuelle Show „Welcome to the Machine“ stellt zwar das Album „Wish You Were Here“ in den Mittelpunkt, aber es werden natürlich auch wieder die beliebtesten Crowdpleaser aus allen Pink-­Floyd-Phasen – von den psychedelischen Kapriolen der 60er Jahre über die wunderschönen und komplexen Kompositionen der 70er bis zu den Stadion-­Soundorgien der 80er Jahre – zu hören sein. Ob Tracks des Ende letzten Jahres überraschend erschienenen Pink-Floyd-­­Albums „The Endless River“ präsentiert werden, ist mehr als fraglich und wohl auch nicht nötig: Die darauf enthaltenen Stücke sind schön, aber nicht prägend. Videos, unter anderem Ausschnitte aus dem Film „The Wall“, werden auf der großen Leinwand laufen, eine riesige Lehrermarionette wird zu „Another Brick in the Wall“ im Hintergrund tanzen, und eine gigantische Lasershow wird das nahezu perfekte Klangerlebnis unterstützen. So läuft sie eben, die Maschine, immer weiter und weiter, solange man sich an die Regeln hält. Und deswegen ist es gut, dass die Show auch nichts weiter sein möchte als das, was sie ist: The Australian Pink Floyd Show.Bernd Vielhaber

The Australian Pink Floyd Show, 9.4., 20h, LANXESS arena, Karten unter www.koelnticket.de

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