Ausgabe April 2015

Kultur rund um den Verbrennungsofen

Der Treff am Ofen gehört seit 2009 zu den kulturellen Institutionen im Kölner Norden. Pressesprecher Thilo Dumuscheit steht Sebastian Winand Rede und Antwort.

Treff am Ofen mit Gerd Köster, Frank Hocker und Helmut Krumminga 
Foto: www.massmedia-tv.de
Treff am Ofen mit Gerd Köster, Frank Hocker und Helmut Krumminga
Foto: www.massmedia-tv.de

Was hat die AVG dazu bewegt, den Treff am Ofen ins Leben zu rufen?

Zunächst ist es ja ein bisschen befremdlich, dass eine Gesellschaft, deren Aufgabe die Müllverwertung ist, sich auch um Kunst kümmert, aber das ist so ein bisschen unser Steckenpferd. Als wir hier 1998, also vor inzwischen 17 Jahren, nach Niehl gezogen sind, haben wir gesagt: „Wir haben Räumlichkeiten, und die wollen wir auch anderen zur Verfügung stellen.“ Von Anfang an hatten wir hier ein bis zwei, manchmal drei Kunstausstellungen im Jahr. Irgendwann reifte dann die Idee, es vielleicht auch mal mit Musik auszuprobieren. Und so haben wir ein Pilotprojekt gestartet – das war 2009 – und haben gesagt: „Wir schauen einfach mal, ob das ankommt“. Die Resonanz war sehr positiv ,und seitdem machen wir den Treff am Ofen.

 

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Künstler für Treff am Ofen aus?

Erst mal Qualität. Wir wollen Qualität zeigen, und das hat sich letztendlich auch als Erfolgsgarant herausgestellt. Ansonsten möchten wir immer einen schönen Mix aus Kölner Künstlern – um natürlich auch die Kölner Kunst zu fördern – und Künstlern von außerhalb oder aus dem Ausland haben.

 

Gab es ein lustiges oder einschneidendes Erlebnis mit einem der Künstler?

Schön ist immer der Auftritt mit Gerd Köster und Frank Hocker. Die haben seit einigen Jahren den Helmut Krumminga dabei und treten als Trio auf. Wir hatten zwei Jahre hintereinander mal Stühle hier, die gequietscht haben. Das waren so Barhocker, die sich bewegen ließen. Das ist ja eigentlich peinlich, aber die haben das dann in ihr Programm mit eingebunden und haben dieses Quietschen in die Musik integriert. Das war natürlich ein nettes Erlebnis. Es zeigt, dass die Leute hier einfach Spaß haben.

 

Und welcher ist Ihr persönlicher Favorit der noch auftretenden Künstler?

Ich freue mich besonders auf Lars Reichow am 7. Mai. Da war ich schon länger dran, weil er ein Kabarettist ist, der hier im Kölner Raum noch nicht so bekannt ist, aber der durchaus schon ein Renommee hat. Er arbeitet viel im hessischen bzw. Frankfurter Raum und hat im SWR eine eigene Sendung. Das ist in diesem Jahr mein Favorit, mal ganz abgesehen davon, dass Gerd Köster und Frank Hocker natürlich immer herzlich willkommen sind.

 

Wie wird das Angebot der Führung durch die Restmüllverbrennungsanlage aufgenommen?

Sehr gut. Wir hatten mal eine Phase, da waren es vielleicht nur so zehn Leute, die vorher gekommen sind, aber seitdem wir auf den Eintrittskarten auch den Hinweis geben, dass man vorher diese Führung machen kann, ist die Resonanz inzwischen sehr gut. So 20 bis 40 Gäste kommen mittlerweile immer früher und wollen sich einfach auch mal ansehen, was hier für den Kölner Bürger geleistet wird.

 

Was erfährt man bei der Führung?

Die Highlights sind eigentlich, dass der Müll nicht nur verbrannt wird, sondern dass wir aus dem Müll auch noch Energie gewinnen. Und zwar nicht zu knapp. Das reicht aus, um 250.000 Menschen mit Strom zu versorgen. Was ich im Nachhinein immer wieder feststelle, ist, dass die Leute begeistert sind von der Sauberkeit der Anlage. Die denken: „Müll ist dreckig und ‚igitt‘.“ Man wird eines Besseren belehrt, und die Leute kommen mit einer anderen Sichtweise aus der Anlage heraus.

 

Treff am Ofen: 7.5., Lars Reichow, 10.9. Jürgen Becker, 5.11. Gerd Köster & Frank Hocker, jew. 20h (18h Führung durch die Restmüllverbrennungsanlage), Gelände der AVG Köln