Ausgabe Februar 2016

Live in Südfrankreich

Anfang Januar erschien das neue Höhner-Studioalbum „Alles op Anfang“. Es wurde in Südfrankreich aufgenommen und ist im Gegensatz zu den letzten Alben komplett auf kölsch.

Foto: Thomas Rabsch
Foto: Thomas Rabsch

Handgemachte Musik, Pop-Hymnen im Stadionformat, ehrliche Texte, die oft aus alltäglichen Erlebnissen entspringen und der wunderbare kölsche Humor machen die Höhner zu etwas ganz Besonderem. Mit „Alles op Anfang“ haben sie das mit kreativem Schwung, Liebe und jeder Menge Musikalität wieder unter Beweis gestellt. Es ist ihr Feinsinn für Nuancen im Emotionalen, der ihren jahrzehntelangen Erfolg ausmacht. Die Grenzen zwischen reinen Hymnen und Pop sind noch fließender geworden. „Alles op Anfang“ wurde nahezu komplett live eingespielt: Es zählte, wie in der guten alten Zeit, der echte Könner am Instrument.

Zurück zu den Wurzeln

Gleich die erste Singleauskopplung „Kumm loss mer danze“ ist ein wuchtiger Popsong mit gekonnt gesetzten, luftig einschwebenden E-Gitarren. Der Groove ist tanzbar und drückt nach vorn. Das Lied ist Stadion-Pop in „Rheinkultur“, und das mit hu- Live in Südfrankreich Anfang Januar erschien das neue Höhner-Studioalbum „Alles op Anfang“. Es wurde in Südfrankreich aufgenommen und ist im Gegensatz zu den letzten Alben komplett auf kölsch. manistischem Hintersinn. Der Titelsong des Albums „Alles op Anfang“ ist das Leitmotiv des neuen Tonträgers. Folk und Pop verbinden sich mit einem klaren Statement zum neuen Bandgefühl. Alles zurück auf Start haben sich die Höhner nach dem Ausstieg der letzten beiden Ur-Höhner Janus Fröhlich und Peter Werner und dem Einstieg von Micki Schläger und Wolf Simon gedacht und gleich wie in den Anfängen ein rein kölsches Album aufgenommen. Sie schauen in dem Song auf Vergangenes zurück, um aus der alten Kraft ein neues Drehbuch für die Zukunft zu schreiben. In dieses „Back to the roots“-Konzept passt auch das Stück „Dat klingk noh Kölle“.

Foto: Thomas Rabsch

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Ernste Themen

Auch der Song „Julia“ lebt von seiner emotionalen Stärke. Das Lied erzählt die wahre Geschichte der an Leukämie erkrankten Julia, die sich in dem Dorf in der Nähe von Köln, in dem Frontmann Henning Krautmacher wohnt, genau so abgespielt hat. Tausende von Menschen haben sich typisieren lassen, um Julia zu helfen. Am Ende wurde zwar der richtige Spender gefunden, aber Julia verlor trotz aller Bemühungen den Kampf gegen die Krankheit. Es war Henning ein Anliegen, Julia mit diesem Lied ein musikalisches Denkmal für ihren tragischen Kampf gegen die Krankheit zu setzen. Außerdem wollte er anderen Menschen Mut machen, die mit lebensbedrohlichen Leiden zu kämpfen haben. Inhaltlich ähnlich stark ist der Song „Stille Helde‘“. Darin geht es um die Helfer im Hintergrund, die in aller Stille Beistand leisten, ohne nach Geld oder Ruhm zu fragen. Das ruhige Lied klingt in seiner amerikanischen Stilistik nach Bands wie den Eagles oder Crosby, Stills, Nash and Young. Sehr persönlich ist zudem „Heimweh“, der die aufkeimende Sehnsucht nach der Heimat auf Tour schildert – bei über 300 Konzerten im Jahr ist das auch kein Wunder.

Spaß muss sein

Wer jetzt denkt, dass die Höhner keinen Spaß mehr haben und nur noch ernste Themen anpacken, liegt natürlich falsch. Es gibt auf „Alles op Anfang“ auch jede Menge humorvolle und schräge Songs. Was ist zum Beispiel los, wenn der Typ auf den FC steht und die Frau auf die Roten aus Bayern? Letzteres ist in Köln natürlich ein absolutes No-Go. Der Song „Rund ist der Ball“ geht der Sache auf den Grund und taucht in die Niederungen der echten Fußballliebe ein. Witzig und aus dem Alltag gegriffen ist auch „Normal nit“. „Normal nit, da is nix zu mache“ ist ein Spruch, den jeder schon mal gehört hat, wenn die Heizung oder der Fernseher den Geist aufgegeben hat und ein vor Wochen terminierter Handwerker sich den Schaden gelangweilt anguckt. Klar, dass ihm für ein paar Euro mehr doch noch eine Lösung für das Problem einfällt.

Höhner: Kumm loss mer danze

“Kumm loss mer danze” ist die erste Single-Auskopplung der Höhner aus dem neuen Album “Alles op Anfang”.

Das letzte Album „Mach laut“ ist gerade mal ein Jahr alt, warum so schnell ein neues Album?

Henning Krautmacher: Wenn wir schon eine neue Band aufstellen, dann wollen wir auch zeigen, was so eine neue Formation gebären kann. Und gebären kann man nur Kinder, und unsere Kinder sind Songs. Und wir wollten auch wissen, was mit so einer Band passiert, wenn man zwei maßgebliche Positionen neu besetzt. Eine Position neu besetzen, das ist ja schon ein paar Mal passiert, aber gleich zwei, das war neu. Und wenn wir schon sagen „Alles op Anfang“, dann müssen wir auch einen Anfang in Form eines neuen Albums machen.

Foto: Thomas Rabsch

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Ihr habt das Album fast komplett live eingespielt – wie kann man sich das vorstellen?

Wolf Simon: Wir haben uns allen damit eine Art Kindheitstraum erfüllt. Denn heutzutage ist es ja so, dass man mit ganz anderen Mitteln arbeiten kann und gar nicht mehr bei den Aufnahmen zusammenspielt. Aber wir wollten das – daher auch die Entscheidung für das Studio in Südfrankreich mit dem großen Aufnahmeraum, was dadurch die entsprechenden Möglichkeiten geboten hat. Dadurch ist einfach eine ganz besondere Atmosphäre entstanden, denn die Aufnahmen haben nicht den Charakter, dass sie am Reißbrett entstanden sind, sondern wir haben einfach gespielt und versucht, dieses Feeling einzufangen – und das hört man dem Album auch an, es ist einfach handmade.

War diese Live-Geschichte auch eine ganz besondere Herausforderung für euch als Musiker?

Wolf: Ich würde sagen, das ist so die grundlegende Prüfung, ob die Bandchemie stimmt. Insofern war diese Zeit in Frankreich für uns auch eine Bewährungsprobe, ob wir wirklich zusammen harmonieren. Und vorher weißt du nie – da kannst du noch so erfahren sein –, ob z.B. zwischen dem Bassisten und dem Drummer oder zwischen dem und dem irgendetwas nicht stimmt, weil man andere Ansichten hat, wie dies und jenes klingen soll. Und das war für uns alle wahnsinnig beeindruckend, dass das auf Anhieb so gepasst hat. Am ersten Tag im Studio war eigentlich nur der Soundcheck eingeplant, damit wir alles einstellen können, um am zweiten Tag mit den Aufnahmen zu beginnen. Aber am ersten Tag, fünf Uhr nachmittags, hatten wir schon den ersten Titel im Sack – der war fertig. Und das hat uns einfach gezeigt: Okay, hier funktioniert was, und diese sechs Leute sind zusammen viel mehr als diese sechs Leute.

Foto: Thomas Rabsch

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Micky, du bist neben deiner Tätigkeit als Keyboarder ein erfahrener Komponist und Texter – konntest du dich in dieser Funktion auch ins neue Album miteinbringen?

Micky Schläger: Es war, bevor wir neu dazugestoßen sind, schon einiges fertig, aber wir haben im Studio natürlich sehr intensiv gearbeitet. Aber insofern sind Wolf und ich da auch zum Teil ins kalte Wasser gesprungen. Wir haben ein Bandcamp mitgemacht, was auch total klasse war und wo wir auch Ideen anbringen konnten.

Foto: Thomas Rabsch

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Die meisten Dinge haben sich dann im Studio entwickelt, obwohl von der Grundkomposition schon ein paar Sachen da waren.

Henning: Man muss aber dazu sagen, dass in dem Bandcamp, von dem Micky spricht, alleine 15 Titel entstanden, und das ist ja nicht so schlecht (lacht).

Foto: Thomas Rabsch

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Es sollen bei den Album-Aufnahmen zu „Alles op Anfang“ in Südfrankreich auch die Ur-Höhner Janus und Peter mit dabei gewesen sein. Trifft das zu?

Wolf: Ja richtig, die Songs haben quasi die Kraft der acht Herzen. Denn wir haben uns den Luxus gegönnt, Janus und Peter nach Südfrankreich zu holen. Sie haben sich die Songs angehört und waren genauso begeistert wie wir davon. Und deshalb kann man sagen, dass jetzt alle acht hinter den Liedern des neuen Albums stehen. -ds

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Höhner im Studio

Höhner im Studio