Ausgabe März 2017

Kultur an der Verbrennungsanlage

Der Treff am Ofen geht in sein neuntes Jahr

Foto: Veranstalter
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Das eher knappe Kulturangebot des Kölner Nordens war ein Grund  dafür, „Treff am Ofen“ (TAO) ins Leben zu rufen. Der Startschuss  zur Veranstaltungsreihe fiel 2009, seither lockt die AVG alljährlich  mit vier hochkarätigen Veranstaltungen in die Restmüllverbrennungsanlage.  Um mehr über eine der modernsten Müllverbrennungsanlagen  der Welt zu erfahren, können die Gäste vorab an einer  Führung teilnehmen. „Wir versuchen eigentlich immer einen bunten  Querschnitt vor den Ofen zu locken. Aufgrund der recht kleinen  Bühne bietet sich Kleinkunst in jedem Fall an und in den letzten  Jahren hat sich dieser Querschnitt aus Kabarett, Comedy und auf  der anderen Seite Musik bewährt“, sagt Tilo Dumuscheit, Pressesprecher  der AVG.

Foto: Veranstalter

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In diesem Jahr sind die Kabarettisten Matthias Deutschmann (9.3.)  und Barbara Ruscher (4.5.) sowie die Ulla Meinecke Band (7.9.) und  die alljährlichen Frank Köster & Gerd Höcker (2.11.) mit dabei und  führen so die Tradition der gemischten Programme fort. Wer dabei  sein möchte, muss allerdings schnell sein: „Die meisten Veranstaltungen  sind schnell ausgebucht. Zum einen liegt das natürlich an  dem Programm, zum anderen hat sich im Lauf der Jahre durchaus  ein Stammpublikum herauskristallisiert. Einige kommen immer  wieder zu uns, weil sie das Programm einfach gut finden und weil  es eine der ganz wenigen Bühnen hier im Kölner Norden ist“, so  Dumuscheit.

Treff am Ofen, 9.3., 4.5., 7.9., 2.11., jew. 20h (Führung: 18h),  Restmüllverbrennungsanlage Niehl, www.avgkoeln.de 

 

Herr Dumuscheit, zum wievielten Mal veranstalten Sie jetzt den Treff am Ofen?

Tilo Dumuscheit: Wir haben 2009 mit dem Treff angefangen. Wir gehen also jetzt ins neunte Jahr rein. Als wir damals anfingen, war das ein Versuchsballon. Wir wollten die kunstinteressierten Leute hier zu uns einladen. Was liegt da näher, als sie hier mit Kunst zu empfangen? Wir haben den Treff am Ofen dann ein Jahr gemacht und im Laufe des Jahres hat sich das dann so gut entwickelt, dass wir diese besondere Veranstaltung auch in den nächsten Jahren weitergeführt haben.

Mit Matthias Deutschmann und Barbara Ruscher haben sie Kabarett im Programm, mit der Ulla Meinecke Band und den Routiniers Gerd Köster und Frank Hocker Musik. Gibt es besondere Kriterien nach denen Sie die Künstler aussuchen?

TD: Wir versuchen eigentlich immer einen bunten Querschnitt vor den Ofen zu bringen. Aufgrund der kleinen Bühne bietet sich Kleinkunst in jedem Fall an, und in den letzten Jahren hat sich dieser Querschnitt aus Kabarett, Comedy und Musik bewährt. Von daher schauen wir, was ist auf dem Markt? Wir versuchen auch immer wieder andere Künstler für den TREFF AM OFEN zu gewinnen. So ist Ulla Meinecke zwar schon sehr lange im Geschäft, sie war aber noch nicht bei uns. Die einzige Ausnahme sind Gerd Köster und Frank Hocker: die Beiden bilden unseren kölschen Anker. Um sie herum drapieren wir immer wieder „neue“ Künstler, teilweise auch aus Köln, so wie in diesem Jahr Barbara Ruscher.

Mittlerweile haben sich Gerd Köster und Frank Hocker als Abschlusstreff am Ofen etabliert.

TD: Das ist er immer für die Beiden bzw. für die Drei. Der ehemalige BAP-Gitarrist Helmut Krumminga ist ja mittlerweile auch schon viele Jahre dabei. Für die Drei ist es immer eines der letzten Konzerte, bevor es für sie in die Weihnachtssession geht. Das Trio macht ja auch immer sehr wunderbare Weihnachtsprogramme. Anfang November spielen sie bei uns ihr aktuelles Repertoire. Das ist für die dann auch immer ganz schön (lacht), bevor es in den „Weihnachtsstress“ reingeht.

Sie sprachen eben von einer kleinen Bühne, wie viele Zuschauer können sie denn zum Treff am Ofen empfangen?

TD: Wir sind zwar nicht die „kleinste Bühne der Welt“. Dies reklamiert der WDR für sich. Aber wir kommen bald danach. Wir können maximal 130 Leute zu uns einladen. Die meisten Veranstaltungen sind daher auch schnell ausgebucht. Zum einen liegt das natürlich an dem Programm, zum anderen hat sich im Laufe der Jahre aber durchaus auch ein Stammpublikum herauskristallisiert. Einige kommen immer wieder zu uns, weil sie das Programm einfach gut finden oder weil es eine der ganz wenigen Bühnen hier im Kölner Norden ist, auf der anspruchsvolle Kunst geboten wird. Neben dem Treff am Ofen gibt es im Kölner Norden nicht so viel. Wir haben die Kantine, wobei die natürlich größer ist und ganz andere Künstler zeigt. Es gibt Kabarett und Kleinkunst im Bürgerzentrum in Chorweiler, die ein oder andere Kirche engagiert sich ebenfalls mit einem Kulturprogramm, aber dann ist auch schon Schluss.

Um noch mal grundsätzlich zum Treff am Ofen zurückzukommen, sie bieten dem Publikum zusätzlich zu den Auftritten noch auch eine Führung durch die Restmüllverbrennungsanlage an. Die war von Anfang an Teil der Veranstaltung, richtig?

TD: Ja. Wir wollen die Gelegenheit nutzen den Besuchern das zu zeigen, was sich hier normalerweise abspielt. Und zwar die Verarbeitung und insbesondere die Verbrennung von Müll. So gewinnen die Zuschauer einen Einblick in unser Metier. Wir sind ein Dienstleister für die Kölner. Für die Stadt, für die Kölner Bürger und für die Kölner Unternehmen sorgen wir, dass Abfall umwelt- und klimafreundlich verarbeitet wird. Viele Menschen kennen so eine Müllverbrennungsanlage nicht. Natürlich wissen sie, dass Müll verbrannt wird, aber die wenigsten wissen, was dort genau passiert. Teilweise gehen wir mit 50-60 Interessierten, also der Hälfte der Besucher, durch die Anlage, einfach weil die Möglichkeit dazu da ist. Besonders interessant ist die Reaktion der Leute, die dann oftmals sagen, „so habe ich mir das nicht vorgestellt.“ Uns liegt es natürlich am Herzen, den Leuten so etwas einmal zu zeigen, um auch etwaige Vorurteile abzubauen. Die Müllverbrennungsanlage steht jetzt zwar nicht mehr unbedingt im Rampenlicht, aber früher war sie sehr stark angegriffen worden. Inzwischen ist die Müllverbrennung jedoch ein allgemein akzeptiertes Verfahren, um Abfall entsprechend zu verarbeiten. Wir produzieren Energie und sorgen sogar für den Klimaschutz. Dies sind Argumente, die für die Müllverbrennungsanlage sprechen, und das versuchen wir den Leuten hier näher zu bringen. Die Mixtur aus Kultur und Information scheint anzukommen. Anfangs war es allerdings ein bisschen mühsam. Wir hatten zum Teil nur vier oder fünf Leute die Interesse zeigten, aber inzwischen scheint sich das Angebot herumgesprochen zu haben, denn das Interesse ist in jedem Fall da.

Noch einmal zurück zum diesjährigen Programm. Was waren für Sie die Gründe Matthias Deutschmann, Barbara Ruscher und Ulla Meinecke für den diesjährigen Treff am Ofen aufzubieten?

TD: Matthias Deutschmann ist ein Kabarettist, der schon sehr lange auf den deutschen Bühnen tourt. Ich habe ihn vor vielen Jahren mal hier in Köln gesehen und bin auch seit einiger Zeit hinter ihm her. Er ist jemand, der hintergründigere Themen aufgreift und auch sehr politisch ist. Das zeigt auch sein Titel. Und das passt hier auch ganz gut her. Der Treff am Ofen ist keine Bühne, die nur Comedy bietet.

Wir freuen uns natürlich immer, wenn wir jemanden aus Köln bei uns haben, der inzwischen auch schon einige Jahre auf den Bühnen ist. Barbara Ruscher ist so Eine. Sie hat auch schon eine ganze Reihe von Preisen gewonnen. Und sie hat eine ganz eigene Herangehensweise an ihre Kunst. Ihr letztes Programm zielt so ein bisschen in Richtung Esskultur, speziell auf das vegane Essen.

Bei Ulla Meinecke muss ich sagen, dass sie in diesem Jahr mein musikalischer Favorit ist. Sie hat schon mit Udo Lindenberg zusammengespielt, konnte sich dann aber emanzipieren. Das Tolle an Ulla Meinecke sind zum einen die Texte. Erstmal klingen sie zum Teil ganz banal, sind aber bei näherem Hinhören sehr tiefgründig. Und zum anderen verfolgt sie musikalisch einen sehr eigenwilligen Stil. Das hebt sie aus dem Gros der Singer/Songwriter heraus.

Köster und Hocker sind bei uns inzwischen schon Tradition, wie es hier in Köln ja immer so schön heißt. Die Beiden sind seit Anfang an dabei. Es passt einfach von der Größe der Location und von der Nähe zum Publikum her Sie freuen sich jedes Jahr wieder darauf zurückzukommen. Natürlich spielen sie auch in größeren Hallen, aber für sie scheint dieser direkte Kontakt und das direkte Spüren der Reaktion des Publikums wichtig. Es macht immer unheimlich viel Spaß, wenn einer der Zuschauer einen Zwischenruf macht. Gerd Köster schafft es jedes Mal auf beeindruckende Weise, sofort darauf zu reagieren und das überträgt sich dann natürlich auch auf das restliche Publikum. Die Zuschauer danken ihnen diese tolle Atmosphäre damit, dass die Hälfte der Karten bei Köster und Hocke auch für November schon wieder weg ist.

Haben sie es schon einmal erlebt, dass ein Künstler von sich aus gesagt hat „kann ich noch mal wiederkommen?“. Also außer Gerd Köster und Frank Hocker? (lachen beide)

TD: Max Uthoff und Max Mutzke haben beide nach ihren Auftritten erwähnt, dass sie gerne in die ganz eigene Atmosphäre des Treffs am Ofen zurückkommen würden, wenn sich die Gelegenheit bietet. Viele der Künstler, die zum ersten Mal bei uns sind, schauen zunächst einmal irritiert, wenn sie ein Verwaltungsgebäude als Spielstätte sehen. Aber wenn dann das Licht ausgeht, der Raum voll und die Stimmung da ist, dann ist das schon eine ganz besondere Atmosphäre.

Es wird sich immer im März, Mai, September und im November am Ofen getroffen und in jedem Jahr spielen vier Künstler. Wie setzt sich das zusammen?

TD: Je nachdem, wie die Ferien oder Karneval liegen, kann sich das auch schon mal um einen Monat nach vorne oder hinten bewegen, aber generell haben sich diese Monate als ideal herauskristallisiert. In der Ferienzeit sind die Leute einfach nicht da.  Auch wollen wir nicht in die Weihnachtszeit hineinrutschen. Zu dieser Zeit sind eben viele Künstler wieder mit ihrem eigenen Programm unterwegs. Gerade die Kölner Künstler haben zum Teil ihre wirklich sehr erfolgreichen und sehr schönen Weihnachtsprogramme.

Herr Dumuscheit, liegt Ihnen noch etwas besonders am Herzen von dem was wir jetzt vielleicht noch nicht besprochen haben?

TD: Kultur ist unser Steckenpferd. Uns ist es daher wichtig zu sagen, dass wir hier ja nicht nur den Treff am Ofen machen, sondern auch seit mittlerweile 15 Jahren zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr in unseren Räumen zeigen. Im Mai und Juni werden wir wieder eine Ausstellung mit der Gruppe Chorweiler Art präsentieren. Wir versuchen hier unseren Teil dazu beizutragen, die Kunst zu fördern. Und dazu gehören selbstverständlich auch bildende Künstler. Da schauen wir in erster Linie darauf, dass es Kölner Künstler und Kölner Künstlergruppen sind, die hier bei uns ausstellen. Die Kölner Kunstszene ist so vielfältig, und diese Vielfalt wollen wir hier einfach zeigen. Wir konzentrieren uns in erster Linie auf Gruppenausstellungen. Dort zeigt sich am ehesten die sehr große Bandbreite von dem, was Köln als Kulturstadt eigentlich bietet. Und das ist eine ganze Menge.

Das Interview führte Sebastian Winand.

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