Atze Schröder gastiert mit „Schmerzfrei" in der LANXESS arena. Christian Voß sprach mit dem Ruhrpott-Unikat.

Du sagst, dass „Schmerzfrei" noch härter sei als deine anderen Programme „Mutterschutz" und „Revolution". Inwiefern ist es denn härter?

Ich spreche mehr Wahrheiten aus und eben auch so, dass es richtig weh tut. Da muss Schmerzfreiheit definitiv auch in meinem Publikum vorhanden sein. Es ist - glaube ich - mein witzigstes Programm. Das sage ich zwar immer, aber diesmal stimmt es. (lacht)

Was können die Zuschauer also erwarten?

Es ist wieder ein wilder Ritt durch alle Themen, die uns betreffen: Griechenland, Helmut Schmidt, Italien, alte Väter - inklusive die, die noch mal Kinder kriegen. Die dürfen natürlich nicht außen vor bleiben. Wobei ich den Rheinländer da natürlich ganz weit vorne sehe. Wenn ich überlege: Jean Pütz, Calli Calmund. So welchen Leuten kann man dann natürlich auch keinen Wunsch abschlagen. Da nimmt die Frau von der AWO den Pflegeauftrag im Rheinland wohl sehr genau.

Im Pressetext zum neuen Programm steht zu lesen: Wer wirklich Antworten auf die letzten Geheimnisse der Welt sucht, der soll deine Tour „Schmerzfrei" besuchen. Was sind das denn für Geheimnisse?

Es gibt natürlich viele Ereignisse, bei denen man sich fragt, wie es wirklich war. Verschwörungstheorien: Wen hat Diana vor dem Aufprall wirklich geknutscht? Oder: Wer hat König Carl Gustav von Schweden die königliche Sprotte in den Muscheltopf getunkt? Aber es geht natürlich auch um aktuelle Themen: Berlusconi - so ein Mann tritt ja nicht zurück, er schwillt ab. Da gibt es sicherlich viele Geheimnisse, da müssen wir mal hinter die Fassade gucken, um zu erkennen, was da wirklich los ist.

Liegt dir Sprücheklopfen im Blut oder ist das Entstehen deiner Programme doch eher harte Arbeit?

Beides. Es steckt auch viel Arbeit dahinter, gerade wenn man irgendwelche Sprüche kreiert. Liegt mir das Sprücheklopfen im Blut? Ich würde sagen: Die gute Laune liegt mir im Blut.

Und was inspiriert dich zum „Sprücheklopfen"?

Der Alltag, irgendwo was Witziges zu sehen. Ich hab zum Beispiel in Nürnberg einen Coffee Shop in der Fußgängerzone gesehen: „Coffee to Go". Da stand ein Schild drunter: „Jetzt auch zum Mitnehmen". Und das sind so Sachen, da muss ich mir mal schnell eine Notiz machen. Oder als Osama Bin Laden erschossen wurde, hat meine Mutter gesagt: „Hauptsache, er hat die Hochzeit von William und Kate noch miterlebt." Da denke ich immer, das passt gut zum „Schmerzfrei"-Programm. Oder der Moment, als Bushido den Bambi für Integration bekommen hat, so ein Moment, ich glaube, da müssen wir alle mal schlucken. Der eigentliche Preisträger, Gadhafi, wurde ja erschossen. Du merkst schon, es wird etwas härter diesmal.

Ist Comedian der Beruf, den du dir immer erträumt hast?

Ich wusste gar nicht, dass es den gab. Ich wollte immer Abenteurer werden. Hab ich ja auch geschafft - aber es ist schon ein ziemlich geiler Job, muss ich sagen.

Aber auf Tour sein, jeden Abend Vollgas geben, das ist auch anstrengend. Wie hältst du dich fit?

Aktuell bin ich von Januar bis Anfang Mai auf Tour. Im Sommer mach ich dann Pause. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. In der neuen „Karl-Heinz" hab ich zum Beispiel gelesen, dass ich dicker geworden bin und dass speziell ich die T-Shirts ja auch eng tragen muss.

Was hält Atze Schröder vom Kölner Karneval?

Ich glaube, ich habe den Moment verpasst, als es wirklich gut war. Mittlerweile hat das einen ziemlichen Ballermann-Charme, und da halte ich mich raus. Als Komiker sind ja die „Tollen Tage" besonders schlimm. Wenn alle so schräg draufsind, sollte man besser das Weite suchen.

Aber gerade an Karneval laufen viele Doppelgänger von dir rum ...

Ja, das habe ich auch schon gehört. Das macht mich stolz und mir auch so ein bisschen Angst zugleich. Ich sag nur: „Es kann nur einen geben!" - Ist wie beim „Highlander".

In Berlin gibt es aber immerhin quasi Namensvetter von dir: Die Atzen. Gefällt dir ihre Musik?

Ja ja, die habe ich letztens mal bei der Chart Show kennengelernt. Echt nette Kerle. Die Musik finde ich grauenhaft, aber die Typen sind gut.

Anfang März spielst du in Köln. Hast du für die Kölner etwas Besonderes eingeplant?

Da ich ja sieben Jahre in Köln gewohnt habe, kommt automatisch so ne kölsche Farbe mit rein. In Köln passiert ja immer was. Die einzige Stadt, in der die Vermieter damit werben, dass die Wohnung nicht in der Nähe der U-Bahn liegt. Insofern ist ja immer auf den Kölner Verlass. Der nächste Skandal schlummert schon, und da sind nicht nur Journalisten, sondern auch Komiker stolz und froh.

Wie hältst du es eigentlich mit Groupies? Kann sich die Kölner Damenwelt Hoffnung machen?

Ja, immer, immer! Dafür bin ich bekannt und beliebt, und Köln hat einen hohen Kuschelfaktor. Das will ich unbedingt ausnutzen.

Wo sieht sich Atze Schröder in zehn Jahren?

Auf der Bühne. Wie Udo Jürgens: halb elf, immer noch im Bademantel. Ja, die ganze Nummer. Ich habe in Hamburg Lemmy von Motörhead kennengelernt, und der ist nun mein großes Vorbild. Der ist schon Mitte 60, und so möchte ich es auch machen. Spielen, bis der Arzt kommt.

Neben deiner Tätigkeit als Comedian bist du sozial sehr engagiert. Du setzt dich z.B. in Ghana ein. Wie bist du darauf gestoßen?

Ich hab bei „Promi-Millionär" eine halbe Million Euro gewonnen. Mit diesem Geld mussten wir etwas machen. Ein Bekannter hat mich auf Bettina Landgrafe von „Madamfo Ghana" gebracht. Die macht seit zehn Jahren Hilfsprojekte in Ghana. Ich bin mal hingeflogen, hab mir vor Ort alles angesehen, und jetzt bin ich Botschafter dieser Hilfsorganisation.

Was waren deine beeindruckendsten Erlebnisse in Ghana?

Ein Besuch in einem Lepra-Dorf. Da hat mich Bettina vorher gewarnt und gesagt, dass ich da nicht mit hinmüsse, weil das ziemlich hart sei. Ich habe lange überlegt und bin doch mitgefahren. Und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit, war ich dann so tief beeindruckt, dass ich nicht wieder wegfahren konnte, ohne in Zukunft etwas für dieses Dorf zu tun.

Was kann man als Nichtprominenter tun, um in Ghana zu helfen?

Zum Beispiel spenden. Auf meiner Homepage gibt es einen Link zu der Hilfsorganisation. Ich war schon ein paar Mal in Ghana und kann versichern, dass jeder Cent auch ankommt.

Atze Schröder: Schmerzfrei, 3.3., 20h, LANXESS arena, Karten unter www.koelnticket.de
Unter Verlosungen gibt es 5 x 2 Tickets zu gewinnen.