Liebe, Sex und Therapie, 10.-12., 17.-19. und 24.-26.1., 20.30h, Theater am Sachsenring
Wer sie wirklich erfahren möchte, die Wahrheit über die grundlegenden Dinge, die das Zusammenleben zwischen Mann und Frau bestimmen, der sollte sich ins Theater am Sachsenring begeben. Dort inszeniert Joe Knipp derzeit das Stück „Liebe, Sex und Therapie" von dem britischen Autor Tony Dunham, welches den Zuschauern das komische Desaster vorführt, das sich alltäglich in und rund um Deutschlands Betten abspielt. Ein rührendes Bild ist das Paar, das da in seinem hilflosen Unglück auf dem Bett sitzt, und dabei zum Schreien komisch. „Nun, was ist, Chris?", fragt Uli die leidend dreinblickende Christine pflichtschuldigst, obwohl er es hörbar gar nicht so genau wissen will. Und schon geht es los, das wundersame Aneinandervorbeireden, welches die um Verständnis ringenden Beteiligten aus der Fassung und den Zuschauer zum Lachen bringt. Und wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich ein Dritter, in diesem Fall die durchgeknallte Therapeutin Vera, die Ulli und Christine zwar auch nicht aus der Krise helfen kann, dafür das Beziehungsdurcheinander aber wunderbar mit ihren eigenen Psychosen aufmischt und mit aberwitzigen Theorien kommentiert. Denn die Frau, die mit ihren straff aus dem Gesicht gekämmten Haaren und mit dem schlammbraunen Rollkragenpulli erkennbar wenig mit Erotik am Hut hat, kennt den Feind einer jeden Beziehung: Es ist der Mann. Mit zielsicherer Realsatire kann das
Stück dem bereits viel besprochenen und belachten Thema eine frische Ladung Komik abgewinnen. Überraschende Wendungen sorgen für Spannung.Wenn die Darsteller nah beieinander sitzend, zum Publikum gewandt, erfolglos miteinander
kommunizieren, wird der dramatische Gegensatz zwischen rein körperlicher Nähe und unüberwindbaren Meinungsverschiedenheiten spürbar. David Koch spielt auf
wunderbar komische Weise einen immer genervten männlichen Kindskopf, voller Scheu vor allem, was mit Verantwortung zu tun hat. Svenja Klein brilliert als hormongesteuertes, weinerliches Super-Weibchen, und Katharina Jarzebowski
bereichert die gelungene Inszenierung des humorvollen wie berührenden Stoffes mit ihrer wunderbaren Version der feministischen Therapeuten-Xanthippe mit satirischer Seltsamkeit. -se



