Willa und ihr verstorbener Vater (Foto: Stage Picture)
5. und 6.11., 20h, Theater im Bauturm
Ein roter amerikanischer Kühlschrank und die Skyline von New York als Leuchtreklame bilden das poppige Bühnenbild, das bei der deutschen Erstaufführung des Stückes „Nur Gutes über die Toten“ von dem amerikanischen Autor Israel Horovitz im Theater im Bauturm über das traurige Thema hinwegtröstet. Der Devisenhändler John Kiley ist unter den Trümmern am Ground Zero begraben. Seine Tochter Willa und seine Frau Penelope gehen recht unterschiedlich mit ihrer Trauer um. Während Penelope ihr Leiden nach Außen trägt, ist Willa auf unerklärliche Weise aggressiv. Rückblicke geben Aufschluss über den Grund für den unterschiedlichen Seelenzustand der beiden. Da kann das Publikum beobachten, wie John Kiley wenige Tage vor dem 11. September seine Tochter und Frau getrennt darüber in Kenntnis setzt, dass er Letztere verlassen wird. Beiden schwört er, dass die jeweils andere noch nichts von seinem Vorhaben wisse. Nun treibt Willa das Wissen um den wahren Zustand der Ehe ihrer Eltern zur Raserei. Ist alles nur Heuchelei? Erleichtert die nachträgliche Beschönigung der Bezeihung die Trauer? So lauten die Fragen, mit denen Willa kämpft, während die Mutter versucht, die Tochter mit übermäßiger Trauer vor der Wahrheit zu schützen. Und diese laute: Es war eine Art von Hassliebe, die Penelope mit dem ebenfalls auf der Bühne anwesenden verstorbenen John verband. Mit ihren gemischten Gefühlen traktiert sie ihn nun. John antwortet Penelope ruhig, spricht selbstverständlich über die Licht- und Schattenseiten ihre Ehe, denn er hat den nötigen Abstand gewonnen. Der Tote ruht also in Frieden, und der Grundsatz „Nur Gutes über die Toten“ schützt somit eines: Das Seelenleben der Hinterbliebenen, die in dem Wechselbad ihrer Gefühle zurückbleiben. Das zeigt Juliane Gruner überzeugend, wenn sie als Penelope vom Angsthäschen zur hysterischen Xanthippe und von der aggressiven Domina zur Heulsuse mutiert. Den geballten Emotionen stellt Claus Dieter Clausnitzer sehr glaubwürdig den ungerührten toten John gegenüber. Birgit Unterweger zeigt sehr authentisch die Tochter Willa, die mit dem Gefühlsmix aus Wut über den Betrug und Liebe kämpft. Und so vermittelt die gelungene Inszenierung von Günther Beelitz auf einfühlsame Weise viel von dem Sinn und Zweck des Grundsatzes „Nur Gutes über die Toten“. -se



