(c)Roman Roitmann
15.-19.2., 20h, Studiobühne
Ein schwarzer Gazevorhang verdeckt das Geschehen im Bühnenbereich der Studiobühne. Gedämpftes Licht in verschiedenen Farben erhellt den dunklen Raum, in dem zwei Frauen leidenschaftlich diskutieren. Es sind Figuren aus der griechischen Mythologie: die Amazonenkönigin Penthesilea und ihre Gefährtin Prothoe. Die leidenschaftliche Diskussion, mit der die Inszenierung des klassischen Stoffes in der Studiobühne beginnt, entstammt dem fünften Auftritt des Dramas „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist. Kurz und bündig haben Dietmar Kobboldt und Roman Roitman das eigenwillige Drama auf die Bühne gebracht. Dass es nicht über die gewöhnlichen fünf Akte, sondern nur über 24 Auftritte verfügte, wurde zu Kleists Lebzeiten genauso kritisiert wie die Blutrünstigkeit der Geschichte, die der große Dichter aus den griechischen Tragödien übernahm: Bei den sagenumwobenen Kämpfen um Troja erblickt Penthesilea das erste Mal den griechischen Feldherrn Achilles und verliebt sich in ihn. Die Gesetze des Frauenstaates der Amazonen bieten ihr allerdings keine Möglichkeit, sich einen Geliebten auszusuchen. Männer werden nur benutzt, um Nachwuchs zu zeugen, männliche Babys getötet oder weggegeben. Als Geliebter kommt nur der in Frage, der vorher im Kampf unterworfen wurde. Und so zieht die Königin gegen denjenigen in den Krieg, den sie liebt. Nachdem sie im Zweikampf unterliegt und ohnmächtig wird, macht Achilles auf Anraten ihrer Gefährtin Prothoe Penthesilea Glauben, von ihr besiegt worden zu sein. Als diese später jedoch den wahren Sachverhalt erfährt, treibt sie der Mix aus so widersprüchlichen Gefühlen wie Enttäuschung, Liebe und der unbedingte Wille, den Gesetzen ihres Staates zu gehorchen, in eine Art Raserei, in der sie Achilles gemeinsam mit ihren Hunden zerreißt. Den düsteren Stoff haben die Regie und die Mitglieder des Ensembles c.t. 201 gekonnt in ein stimmungsvolles Gewand gekleidet. Musikalische Untermalung und unterschiedliche Beleuchtungen sind die Mittel, die die Tragödie mit atmosphärischen Zwischentönen aufhellen. Charaktervolle Darsteller verhelfen nicht nur der großartigen Sprache zu Lebendigkeit. Heidrun Grote (Penthesilea) und Markus Satler (Achilles) zeigen genauso gekonnt die komischen Momente im Liebeswerben von Mann und Frau wie den Machtkampf, der entsteht, weil große Gefühle so verletzlich machen. Rebecca Madita Hundt ist eine großartige treusorgende, mitleidige Prothoe, die den Zuschauer, mit geschlossenen Augen klagend, ihren Schmerz spüren lässt. -se



