(c) David Baltzer(c) David Baltzer

Schauspielhaus, 5., 10. und 18.1., 19.30h, 13.1., 16h

Die verschiedenen abscheulichen Formen der Habgier zeigt Ben Johnson, ein Zeitgenosse Shakespeares, in seiner Komödie „Volpone“. Den Handlungsplot hat er einer antiken Tierfabel entlehnt, in der sich der schlaue Fuchs tot stellt, um Aasfresser anzulocken, die ihm dann zur leichten Beute werden. Und so tragen auch seine Figuren die entsprechenden Tiernamen Fuchs, Geier, Rabe, Fliege und Wolf. „Geld ist Gott“ ist das frevelhafte Credo der Hauptfigur, des steinreichen, alten Volpone, der den Sterbenden mimt, nur um einem sehr dekadenten Zeitvertreib nachzugehen: Mit äußerster Belustigung verfolgt der Mann ohne Nachkommen, wie seine so Freunde schleimen und erbschleichen, was das Zeug hält. Doch dann verzettelt er sich mit seinen Intrigen. Als wunderbare Vorlage für Kapitalismuskritik wird die lustvoll-scharfzüngige Satire auch heute noch gerne gespielt. Soeren Voima hat eigens für das Schauspielhaus eine moderne Version verfasst, die nun uraufgeführt wurde. Da labert Volpone als Discounter-König über die Profitabilität des Totpflegens, und da ist es ein Glücksfall, dass Regisseur Christian Weise für die Rolle des Volpone ein Schauspieler wie Martin Reinke zur Verfügung steht. Mit seinem hinreißenden, ausdrucks- und kraftvollen Spiel manövriert er das Stück über manche Längen, unterstützt von exzellenten Kollegen: Thomas Wittman ist als seniler Anwalt Peter Geier genauso wunderbar komisch wie Albert Witzel, der mit so typisch lässig in die Hüften gestemmten Armen dem Gewerkschafter Wilfried Rabe auf so schön vulgäre Weise die Stimme des Volkes verleiht. Traugott Buhre, der hier als „Export-Weltmeister“ Bernhard Wolfowitz mit viel Charisma auf den Ex-Chef der Weltbank anspielt und seine berechnende Sicht der Dinge mit einer fetten Prise Treuherzigkeit sowie der kindlichen Freude darüber mixt, an dem Konkurrenten auf Krücken vorbeizuziehen. Einen mitreißend komischen Mix aus durchgeknalltem Psychopathen, verletztem Kind und aufsässigem Jugendlichen zeigt Jan-Peter Kampfwirth als Jonas Wolfowitz. Bissige Konsequenz beweist Regisseur Christian Weise, wenn er die Heuchelei und Speichelleckerei der senilen Figuren in der Kurklinik in ihrer ganzen Ekelhaftigkeit auf die Bühne holt. Im Krankenhaus sabbern und kotzen Greise, die Katheter und Gehwägelchen vor sich herschieben. In ihrer geballten Widerwärtigkeit ist die Inszenierung vor Komik strotzend und nimmt den Zuschauer auch wegen einer verstörenden Gewaltszene mit den widersprüchlichsten Gefühlen gefangen. -se