(c) Horst Baumann
30. und 31.5., 20h, Studiobühne
Wie in einem Bierzelt sitzen die Zuschauer in der Studiobühne an langen Tischen mit rot karierten Decken. Denn das Theaterkollektiv „Lichtgestalten“ serviert dem Publikum Zünftiges. So bringt ein Darsteller die Zuschauer mit seinen Macho-Witzen auf unterstem Stammtischniveau zum Lachen, die er mit einem absolut hinreißenden Mix aus Trauer und Teilnahmslosigkeit erzählt. Der distanzierte Umgang mit dem anderen Geschlecht ist nur eine der vielen Facetten, mit welchen Peter Licht und sein Ensemble das Thema „Weiblichkeit“ beleuchten. Auf der Leinwand über der Bühne verschwimmen die Grenzen zwischen männlich und weiblich. Hier sinniert ein Typ mit langem Haar und adrettem Make-up über seine weiblichen Geschlechtsorgane. Ernst wird es, wenn die vier Darsteller, zwei Männer und zwei Frauen, auf der Bühne über die geringere Bezahlung von Frauen für den gleichen Job verhandeln. Der Dialog stockt und verhallt ergebnislos, denn die stereotypen Argumente, wie „aber Frauen arbeiten doch auch nur, bis sie Kinder kriegen“, wiederholen sich, ob nun Mann oder Frau mit diskutiert. Mit „Penisneid“ und „Tittenneid“ werden Schlagwörter zitiert, die unter die Gürtellinie zielen, mitten hinein in die Brandherde der ewig lodernden Konflikte zwischen den Geschlechtern. Ein Spiel mit den üblichen Klischees entlarvt Vorurteile. Der Versuch, ungleiche Geschlechter in jeder Beziehung absolut gleich zu behandeln, weckt ambivalente Gefühle. Manchmal verspürt der Zuschauer auch Empörung: Wenn vier Darsteller zutiefst treuherzig ein Liedchen vortragen, das heute noch zum Liedgut mancher Männervereine gehört. Mit seiner hübschen Melodie klingt es so artig, tatsächlich stilisiert es aber eine Vergewaltigung zur Heldentat hoch. So ist das revueartige Theaterstück mit einem leicht nachdenklichen Unterton eine einfallsreiche und facettenreiche Bestandsaufnahme der aktuellen Lage im Geschlechterkampf. -se



