Kaspar Häuser Meer
(c) photocaseAufführung des Monats
Die andere Perspektive
8.-10. u. 24.-26.3., jew. 20H, Theater im Bauturm
Ein trauriges Szenario, wie es - leider - immer wieder vorkommt: In einem sozialen Brennpunktviertel stirbt ein Kind an den Folgen von Vernachlässigung und Misshandlung durch die Eltern. Für die Öffentlichkeit sind die Schuldigen jedes Mal schnell gefunden: „die vom Jugendamt". Diese mussten schließlich wissen, was in der Familie vor sich ging. Mit ein biss-chen Engagement und Pflichtgefühl hätte man die Katastrophe doch leicht verhindern können - oder? Diesem „Oder" widmet sich „Kaspar Häuser Meer". Es zeigt den Alltag dreier Sozialarbeiterinnen in einem Jugendamt. Da ist zunächst Barbara, eine ältliche graue Maus, die zwischen Aktendeckeln und Gerichtsterminen scheinbar ihr eigenes Leben verpasst hat. Annika, frisch von der Fachhochschule, läuft als Alleinerziehende ständig Gefahr, zwischen all den Kinderschicksalen ihre eigene kleine Tochter zu vernachlässigen. Silvia, die Dritte im Bunde, bewältigt ihren Alltag nur noch mit Hilfe von Alkohol.
Doch so unterschiedlich die drei auch sind - ihre Arbeitssituation eint sie. Die Zahl der Fälle wächst täglich, nun kommt auch noch das Pensum ihres erkrankten Kollegen dazu. Natürlich wissen sie, dass fast immer Eile geboten oder sogar akute Gefahr im Verzug ist. Aber woher die Zeit nehmen, wenn man nicht einmal im eigenen Haus auf Verständnis hoffen darf? Ungeachtet der wachsenden Aktenberge pochen die Vorgesetzten nämlich weiterhin auf pünktliche Abgabe der Statistiken und blockieren jedes freie Zeitfenster mit Dienstbesprechungen. So reibt man sich Tag für Tag von Neuem auf, ohne etwas ändern zu können.
Wo immer diese Auftragsarbeit von Felicia Zeller bisher gespielt wurde, lobten gerade Sozialarbeiter die große Realitätsnähe. Sicherlich werden die einzelnen Schicksale dadurch nicht weniger schlimm, aber es zeigt immerhin, dass die Schuldfrage nicht immer so leicht zu klären ist, wie es vielleicht scheint. -da

Jens28.02.2010 um 18:53 Uhr
Muss man wirklich sehn! Das Stück von Felicia Zeller gibt es ja übrigens auch als Buch (zusammen mit dem super lustigen "Bier für Frauen"):
http://www.amazon.de/Frauen-Kaspar-H%C3%A4user-Gespr%C3%A4che-Astronauten/dp/3940357146/ref=pd_cp_b_1