25 Jahre Stunksitzung
Das Büdchen als Sammelstelle und Informationsquelle für Skandale und Skandälchen. Die Artikel dokumentieren Zeitgeschichte und liefern Hintergrundinformationen und Kommentare zum Bühnengeschehen, (c) Werner Blum.Ausstellung des Monats
Stunk im Stadtmuseum
27.2.-25.4., Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3
Statt Tusch und Klatschmarsch brachte eine Studententruppe 1984 erstmals eine freche und anarchische Mischung aus Kabarett und kölschen Sketchen auf die Bühne. „Karneval instandbesetzt" hieß das Motto damals. Die „Stunksitzung" ist seit nunmehr einem Vierteljahrhundert das Flaggschiff des alternativen Karnevals und hat ihre Fans bei all jenen, die den schwiemeligen Altherrenwitzen im Sitzungskarneval der Traditionskorps nichts abgewinnen können. Das Kölnische Stadtmuseum dokumentiert sinnigerweise erst jetzt, mithin nach der aktuellen Karnevalsession, „25 Jahre Stunksitzung" (bis 11. April).
In den Anfangstagen war Jürgen Becker als punkiger „Irokesen-Heinz" der Sitzungspräsident. Heute moderiert Biggi Wanninger das Programm. Sie hat außerdem jedes Mal noch einen Solo-Auftritt mit einer wunderbaren Parodie auf Trude Herr als Engel im Himmel, in diesem Jahr zusammen mit einem Michael-Jackson-Darsteller. Den Weg der Sitzungsgeschichte pflastern auch kleinere Skandälchen: Dass sie die Kreuz-Inschrift „INRI" gegen „Tünnes" austauschten, trug den Stunkern vor Jahren eine Strafanzeige ein. Einen heiklen Gag über den Papst und Kardinal Meisner („Ratze und Meise") zensierte der WDR und schnitt ihn aus seiner Aufzeichnung heraus. Es werden allerdings nicht nur Witze über den Klerus und die verklüngelten Lokalpolitiker dargeboten, sondern auch das eigene Stammpublikum, zumeist Lehrer und Sozialarbeiter, kriegt bei den Persiflagen gelegentlich sein Fett weg. -J.R.
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