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Interviews

Country Roads

Indie-Wunderkind Ben Kweller macht Ernst: Statt weiter mit seinen Kumpels Conor Oberst oder Adam Green um die Häuser zu ziehen, zog der Texaner von New York zurück in seine Heimat – im Gepäck seine Frau und seinen kleinen Sohn. Und jetzt macht der 27-Jährige auch noch Countrymusik. Melanie Raabe hat ihn gefragt, warum.

Du hast gerade Konzerte in München, Hamburg und Berlin gespielt. Mochte das deutsche Publikum deine Country-Songs?

Ja, die mochten sie total! Vorher war ich mir nicht sicher, ob das gut funktionieren würde, es ist ja uramerikanische Musik. Aber meine Fans mögen es, denn auch diese Musik bin immer noch ich und das Ganze klingt auch immer noch nach mir.

Erinnerst du dich noch an den ersten Song, den du je geschrieben hast?

Ich habe angefangen, Songs zu schreiben, als ich so um die neun war. Ich war am Klavier und muss so fünf Lieder in einer Woche geschrieben haben, die kamen mir einfach so in den Sinn. Einer hieß „I Didn’t Need Another Girl“ und der andere „One Teardrop“. (fängt an zu singen) „I saw one teardrop falling from your eye … falling from your eye.“ Halt wirklich schöne Balladen. Ich hörte damals ausschließlich die Beatles, also übernahm ich das, worüber sie sangen, und fasste es in meine eigenen Worte.

Wie ich hörte, bist du kürzlich nach Texas zurückgezogen. Wie lange ist das jetzt her?

Gerade mal sechs Monate. Meine Frau und ich haben vor zwei Jahren ein Baby bekommen – einen wunderhübschen kleinen Jungen. Wir haben fast neun Jahre lang in New York gelebt, ich liebe New York, aber wir hatten dort keine Familie, das war schwierig, und wir konnten uns einfach nicht vorstellen, da eine Familie zu gründen. Wir brauchten mehr Natur. Also sind wir nach Austin in Texas gezogen. Das ist echt die beste Stadt in Texas, sehr liberal, sehr cool und wirklich schön. Der Colorado River fließt durch die Stadt, es ist großartig und warm – einfach fantastisch.

Reist du eigentlich noch gerne durch die Weltgeschichte, jetzt, wo du eine Familie hast?

Oh, wenn wir so richtig mit Tourbus unterwegs sind und das für eine längere Zeit, dann reisen wir zusammen!

Hört dein Sohn schon gerne Musik?

Er liebt Musik! Er spielt Drums. Er hat so ein kleines Miniatur-Drumset und er ist richtig gut. Er hat ein tolles Rhythmusgefühl, fantastisch!

Das Jahr ist ja noch jung. Was sind deine Hoffnungen und Wünsche für 2009 – für dich persönlich und für die Welt?

Oh, ich hoffe, dass Barack Obamas Einzug ins Weiße Haus glattläuft, und ich hoffe, dass er den Wandel bringt, den mein Land braucht. Dass er die ganzen Schäden reparieren kann, die die Bush-Regierung verursacht hat.

Spürst du persönlich eigentlich etwas von der Wirtschaftskrise, die ja auch die USA stark betrifft?

Sie betrifft meine Karriere, denn ich stelle fest, dass die Ticketverkaufszahlen niedriger sind. Pro Stadt werden ungefähr hundert Tickets weniger verkauft. Das merkt jeder, auch die großen Acts. Das ist hart, denn in den letzten Jahren haben wir gewusst, dass die Plattenindustrie den Bach runterging. Also sagte jeder: „Aber wenigstens haben wir noch das Tourgeschäft. Das Touren ist der Weg, wie ein Künstler noch Geld verdienen kann.“ Aber jetzt, angesichts des Finanzkollapses, gehen die Leute nicht mehr jeden Abend auf ein Konzert.

Was sind denn deine Pläne für die Zukunft?

Ich habe bereits die Songs für das nächste Album zusammen, damit werde ich erst mal weitermachen. Ich plane immer weit voraus. Man kann das Musikgeschäft nicht kontrollieren, man kann die Welt nicht kontrollieren, aber sich selbst kann man kontrollieren und die eigene Kunst. Das liebe ich so an der Kunst: Es gibt keine Regeln, niemand sagt dir, wie du etwas zu tun hast – es sei denn, du lässt es dir sagen. Ich glaube nicht, dass ich jemals mit dem aufhören werde, was ich gerade tue.

Ben Kweller: Changing Horses,
Rough Trade
VÖ: 6.2.

Live: 12.5., Bürgerhaus Stollwerck        



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