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Interviews

Auf Solopfaden: Cassandra Steen

(c) Universal Music(c) Universal Music

Als Glashaus-Sängerin hat Cassandra Steen die Welt angehalten, auf ihrem ersten Soloalbum erklärt sie den Menschen: „Darum Leben Wir“.

Was ist der Unterschied zwischen Cassandra Steen und Glashaus?

Der Unterschied ist, dass Glashaus Moses’ Ansicht und Interpretation der Welt darstellt, und ich bin für den Gesang zuständig. Cassandra Steen ist einfach meine Ansicht der Dinge. Bei Glashaus kann man sich so ein bisschen in seinem Leid suhlen, sag ich jetzt mal. Ich möchte dagegen anregen, dass man sagt: „Okay, das ist gerade eine schwierige Phase, aber ich höre auf mich selbst zu bemitleiden, sondern übersteh’ sie mit Würde.“ Außerdem darf man nicht zu sehr in einer schwierigen Phase hängen bleiben, sonst lässt man die schönen Zeiten auch noch an sich vorbeigehen.

Wie stark warst du an der Entstehung und der Produktion der Songs beteiligt?

Ich war eigentlich an allem beteiligt und habe mit einem ganz neuen Team zusammengearbeitet. Ich habe mich mit Leuten getroffen, die ganz anders auf die Musik zugegangen sind. Es waren Produzenten dabei, die haben sich mit mir hingesetzt, und eine Woche später kamen sie mit einem Beat vorbei, wo ich dachte: „Oh mein Gott, genau das wollte ich.“ Obwohl ich es gar nicht richtig ausdrücken konnte, haben die das so rübergebracht.

Ist es eher ein Vorteil oder ein Nachteil für deine Solokarriere, dass du schon durch Glashaus bekannt bist?

Also mir ist schon klar, dass es nicht allen gefallen wird, was ich jetzt mache, aber das wusste ich von vornherein, und das war auch nicht das Ziel. Ich glaube auch, dass die Zeit zwischen Glashaus und der jetzigen Platte hilft, um etwas Abstand zu bekommen. Sicherlich gibt’s dann wahrscheinlich so Hardcore-Glashaus-Fans, die sagen, das hört sich ja ganz anders an. Aber wenn es sich jetzt nicht anders anhören würde, dann hätte ich auch keine Soloplatte machen müssen. Besonders im ersten Anlauf war vieles recht glashausorientiert und Produzenten haben Beats geliefert, die absolut an Glashaus erinnert haben und wo wir dachten: „Nein, wollen wir nicht!“

Also ist das Kapitel Glashaus für dich jetzt gegessen?

Nicht vollends! Jetzt gerade ist einfach Cassandra dran. Aber ich würde mich wahnsinnig über eine zukünftige Zusammenarbeit freuen, so sind wir auch verblieben. Es kommt sicherlich noch mal was von Glashaus und Moses’ kleiner Welt, aber jetzt ist erst mal meine kleine Welt dran.

Deine Titel sind ja ziemlich melancholisch, gibt es einen Grund dafür?

Ich würde es eher nachdenklich nennen. Ich hab’ viele Menschen um mich herum, die gerade auch schwierige Phasen durchleben. Da habe ich mich gefragt: „Was bräuchten diese Leute als Ansporn?“ und da wäre super fröhliche Musik wohl der falsche Weg, weil sie sich grad einfach nicht da reinfühlen könnten. Traurige Musik fand ich allerdings genauso unpassend. Es ging einfach nur darum, was würde ich in solch schwierigen Phasen brauchen und was soll diese Platte aussagen und wen soll sie denn tatsächlich berühren. Und ich finde, es gibt so viele Menschen, die an einem Punkt sind, wo sie von sich selber so sehr entfernt sind, und ich hoffe, dass sie durch diese Platte ein etwas anderes Lebensgefühl bekommen. Ich wollte diese Melancholie eher in so eine Nachdenklichkeit über sich selber  verwandeln, dass man sich auf sich selber besinnt und davor keine Angst hat und einfach sagt: „Das kann ich packen“.

Bist du denn sehr glücklich über die beiden Kollaborationen auf deinem Album? Denn Xavier Naidoo und Ich-und-Ich-Sänger Adel Tawil sind ja schwer angesagt.

Ja, aber das war gar nicht so wichtig. Entscheidend war, dass es keine Rapper sind, sondern Sänger, und danach wurde Ausschau gehalten. Klar, auf Xavier kommt man sehr schnell, aber wer kommt noch in Frage? Und da fiel die Wahl auf Adel, denn der wird auch immer besser. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Und wie gesagt, es ging mir einfach nur um Gesang bei dieser Platte, denn mit Gesang kann man noch so vieles machen, gerade in der deutschen Musik.

Warum ist gerade „Darum leben wir“ die erste Single geworden?

Also ich finde „Darum leben wir“ ist sehr wichtig, weil es tatsächlich diesen endgültigen Schnitt zwischen Glashaus und mir sehr gut rüberbringt. Es ist recht poppig und die Grundaussage des Albums kommt hier am klarsten rüber. Deswegen wurde es auch als Albumtitel genommen, weil es alles beinhaltet. Die Songs sind ja alle aus verschiedenen Lebensphasen, einmal stirbt jemand, einmal geht es um eine Beziehung, dann um die Umwelt.

Hörst du privat auch gerne Musik?

Wenn man Musik machen will, muss man auch Musik hören, glaube ich. Das wurde mir auch immer so beigebracht. Mein Großvater hat klassische Musik, Rockmusik und Blues gehört, alles querbeet, und so mache ich das auch. Ich mag die Oper, liebe Kings of Leon und Robin Thicke, also alles, was gut ist.

Hast du eigentlich irgendeine Verbindung zu Köln?

Ich habe Familie in Düsseldorf, und eine meiner besten Freundinnen wohnt in Köln. Ja, ich komme gerne nach Köln, denn da gibt’s außerdem echt gutes Sushi, und die Menschen sind auch immer freundlich. -ds

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