Alle Tendenzen des Lebens
Foto: Ingo Pertramer... soll das neue Kilians-Album „They Are Calling Your Name“ widerspiegeln. Melanie Raabe hat sich mit Sänger Simon und Gitarrist Arne von der deutsche Indie-Rock-Band, die mit „Kill the Kilians“ sehr erfolgreich debütierte, unterhalten.
Ein Musiker hat mir mal erzählt, dass er nach Fertigstellung eines Albums immer eine Phase hat, in der er es ständig hören muss, weil er es so geil findet. Kennt ihr die Phase?
Simon: Oh ja, die Phase kenne ich sehr gut … die dauert auch echt lange an. Dadurch dass der Prozess, unser neues Album zu einem Ende zu bringen, gerade erst vorbei ist, fange ich auch jetzt erst an, mich wieder mit anderer Musik zu befassen.
Was sind denn momentan eure Lieblingsplatten?
Simon: Ich finde die neue Mando-Diao-Platte ganz fantastisch.
Arne: Die habe ich noch nicht gehört.
Simon: Die habe ich heute Morgen gehört, zum ersten Mal, finde ich sehr gut. Und ansonsten, was war vorher wichtig? Interpol! Immer wichtig.
Arne: Ich mag I am Kloot sehr gerne, und auch das neue Album von denen finde ich großartig.
Hört ihr euer erstes Album noch gerne? Legt ihr das jemals auf?
Arne: Ich höre das selten, aber ich habe es tatsächlich vorgestern gehört.
Simon: Haste?
Arne: Ja, ich hab’s mir ganz durchgehört. Man lächelt an der einen oder anderen Stelle … aber es ist super gewesen, find ich immer noch top. Hätt’ ich nicht gedacht, ich dachte, ich hör’s an und denke „oh mein Gott“, aber es war schon ganz okay.
Von den neuen Songs bevorzuge ich „Hometown“ und „Used to Pretend“. Welche sind das bei euch?
Simon: Ich mag „Who Will Win“ ganz gerne.
Arne: Der ist es auch bei mir.
Wenn das Album kein Album wäre, sondern ein Film – könnt ihr euch vorstellen, was für ein Film das wäre?
Simon: Das wäre „Amores Perros“.
Schmutzig, mexikanisch und blutig!?
Simon: Aber trotzdem mit allen Tendenzen des Lebens, mit den guten, und den schlechten Seiten. Und vor allem ist die Liebe auf dem Album ein essenzielles Thema, wie überall.
Wo du gerade die Liebe ansprichst – deine Texte handeln von den kleinen zwischenmenschlichen Dingen. Hast du schon mal einen Text auf tagesaktuelle oder politische Ereignisse hin geschrieben? Oder das Bedürfnis dazu gehabt?
Simon: Nein. Dieses Zwischenmenschliche ist das, was in meiner unmittelbaren Nähe passiert, das sind für mich erst mal die wichtigeren Missstände und ich würde niemals ein Anti-Kriegs-Lied singen, das ist mir einfach zu weit weg. Auch keinen Song über Rechtsradikale oder so. Man kann nicht sagen, dass das zu banal ist, aber das ist einfach in dem Kontext, in dem ich mich sehe, nicht wichtig. Wichtig ist immer, dass man darüber redet und so, das mache ich auch gerne, aber ich singe nicht darüber. Dafür sollte eine andere Plattform da sein. Musik ist eben keine Politik, und das sieht man an Künstlern, deren Werke nachlassen und die dann versuchen, so was mit politischem Engagement zu kompensieren. Das möchte ich nicht.
Interessiert ihr euch auch für andere Kunstformen?
Arne: Also ich für mich kann sagen, dass ich offen bin für alles und dass ich mir auch eine Ausstellung angucken würde, dass ich gerne lese …
Was liest du gerade?
Arne: „Der Schneemann“ von Jo Nesbo, nicht besonders tiefgehend, ein Krimi.
Simon: Hab ich auch schon was von gelesen, oder?
Arne: Ja, hab ich dir gegeben.
Simon: War echt gut. Ich lese ja gerade Thomas Mann, nebenbei. Ich lese gerade vier Bücher gleichzeitig, weil ich nie weiß, was mich beim Zugfahren interessieren könnte.
Wo wohnt ihr eigentlich? Noch in Dinslaken?
Arne: Ich wohne noch in Dinslaken, ja.
Simon: Ich wohne hier in Ehrenfeld.
Studierst du?
Simon: Ja, Sozialwissenschaften.
Ersti?
Simon: Ja, ich bin Ersti. Ich war auch noch auf keiner Studentenparty. Ich habe noch keinen Draht zu meinen Kommilitonen gefunden.
Warst wohl noch nicht so oft da?
Simon: Nee.
Wo geht ihr denn in Köln gerne hin?
Simon: Die Werkstatt ist immer ganz schön, finde ich. Und dann gibt es Tausende Kneipen, die Zülpicher Straße kann man auch immer wieder besuchen, das Blue Shell, da gehe ich gerne hin, weil wir da natürlich auch schon das eine oder andere Konzert gespielt haben. Die ganze Ecke da. Man muss sicherlich nicht alles da machen, aber man kann ganz vieles machen, und das ist uneingeschränkt alles okay, erst mal. Das ist nicht so wie in Dinslaken, wo es nur zwei Möglichkeiten gibt.
Kilians (Support: Miyagi): 24.4., 20.30h, Bürgerhaus Stollwerck, Karten unter www.koelnticket.de
Unter "Verlosungen" gibt es 2 x 2 Tickets zu gewinnen!
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