Als wäre nichts gewesen

Silbermond bringen ihr neues Album „Nichts passiert“ raus und beglücken ihre Fanscharen auf Tour. Melanie Raabe sprach mit Sängerin Stefanie und Bassist Johannes.
Ihr wart zwei Jahre lang nicht auf der Bühne. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht – abgesehen davon, das Album vorzubereiten?
Johannes: Tatsächlich hatten wir gar nicht so viel Zeit. Wenn man an einem Album schreibt, bleibt kein Kopf für ernsthafte andere Aktivitäten. Das Schreiben nimmt einen 24 Stunden am Tag ein, weil man einfach immer dabei sein muss. Klar macht man hin und wieder auch’n bisschen Sport, geht Fußball spielen mit Kumpels, aber die letzten Monate standen zu 100 Prozent im Zeichen der Arbeit an dem neuen Album.
Also sechs Monate entspannt durch Indien reisen war für keinen von euch drin?
Stefanie: Wir haben vor kurzem festgestellt, die längste Zeit, die wir mal voneinander getrennt waren als Band, war eine Woche. Vielleicht muss ich das auch mal wieder lernen, mich ein bisschen mehr auszuruhen und mir die Zeit zu nehmen, aber das ist ein bisschen … ja, die Musik macht ein bisschen süchtig.
Euer Album und die zugehörige Tour heißen „Nichts passiert“. Könnt ihr mir zu dem Titel was erzählen?
Johannes: Menschlich sind wir natürlich älter geworden, haben Erfahrungen gesammelt und sehen manche Dinge vielleicht auch anders, als wir sie vor drei oder vier Jahren gesehen haben, als man vielleicht noch mit „Laut gedacht“ unterwegs war. Aber musikalisch ist – wie der Name schon sagt – „nichts passiert“. Also von unserer Einstellung zur Musik her.
Also wird das Album ähnlich klingen wie die vorangegangenen?
Stefanie: Wenn man sich zu sehr einschränkt, dann stößt man bald an seine Grenzen und irgendwann – mit Gitarre, Bass, Schlagzeug – sind dann die Ressourcen, Songs zu machen, auch mal erschöpft. Wir wollten die Freiheit haben, alles auszuprobieren, auch mal ein bisschen elektronische Sachen zu hören, mal Songs zu machen, wo Andreas vielleicht nicht so viel Schlagzeug spielt, sondern mal was programmiert ist oder so. Ich finde, es ist ganz wichtig, dass man seine Musik ein bisschen neu entdeckt.
Was hört ihr denn privat gerne für Musik?
Stefanie: Ganz unterschiedlich! Ich höre gerne Incubus, Foo Fighters, sehr gerne aber auch die ganzen Alben von Portishead …
Johannes: Ich bin bekennender und ganz großer Red-Hot-Chili-Peppers-Fan. Ich finde, auch wenn es die Band in der Form nicht mehr gibt, die Guano Apes großartig, Audioslave, Rage against the Machine, gute Gitarrenmusik, das ist mein Ding so privat.
Gibt es momentan Themen, bei denen ihr euch denkt: Dazu könnte man was machen? Vielleicht ein schönes, deprimierendes Lied zur Finanzkrise?
Stefanie: Nun ja, wir haben ja so eine Aktion „Fans helfen“, das ist eine Aktion mit unseren Fans, die wir ins Leben gerufen haben, wo wir uns mit vier bis fünf Themen auseinandersetzen und helfen. Wir haben vor kurzem eine Frauenschule in Kamerun gebaut, wir engagieren uns auch stark gegen rechts. Und wenn ich dann höre, dass die NPD vor einigen Wochen einen Song von uns während eines Aufmarsches gespielt hat, dann könnte ich schon ein bisschen kotzen. Das ist eine Sache, das ist ein ganz präsentes Thema, zu dem wir immer wieder Stellung beziehen werden, musikalisch wie auch sprachlich.
Silbermond, 22.5, 23.5. (ausverkauft), 31.5., Palladium, 20h, Karten unter www.koelnticket.de
Unter Verlosungen gibt es 3 x 2 Tickets für den 23.5. zu gewinnen!
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