Doppeldeutigkeiten
(c) Henrik JordanHeike-Melba Fendel hat ihr erstes Buch ,„nur die", herausgebracht, in dem sie das Leben einer Frau in 99 Kurzgeschichten beleuchtet. Nun wird das Ganze mit 99 Sprecherinnen vertont. Im Interview verrät die Kölnerin einiges über die Entstehungsgeschichte, die Protagonistin und weitere Ambitionen.
KÖLNER: Neben der Tätigkeit als Agenturchefin von „Barbarella" bist du seit vielen Jahren als Journalistin tätig, und dennoch hast du erst jetzt dein Debüt herausgebracht. Was war der Anlass?
Ich habe immer ein Buch schreiben wollen und es nie getan. Aber irgendwann sind meine journalistischen Beiträge immer feuilletonistischer und essayistischer geworden. Und vor eineinhalb Jahren habe ich mir vorgenommen, jeden Tag eine Geschichte zu schreiben, so nach dem Chandler-Motto „Vier Stunden am Tag nicht schreiben zu müssen, aber auch nichts anders tun zu dürfen". Meine Aufgabenstellung lautete allerdings jeden Tag einen Text, und dabei sind dann die Geschichten herausgekommen.
Die Protagonistin weist einige Parallelen zu dir auf, und die Geschichten geben einen tiefen Einblick in das Seelenleben der Frau. Hast du keine Befürchtung, dass der Leser glaubt, in deine Seele zu blicken?
Das glauben die Leute immer, deshalb hab ich das ja auch so offensiv bedient. Die Eckdaten sind identisch. Aber es ist mehr als nur ein Spiel mit Wahr und Falsch. Mich hat eine haltlose Frau interessiert, und ich habe einfach Aspekte, die ich bei mir oder auch bei anderen finde, gemischt. Es geht mir um die Wahrhaftigkeit, die am Ende steht. Ich wollte eine Frau zeigen, die von Konsum, Sexualität, Erfindungen, Verlorenheiten definiert ist. Das Bild einer starken Frau hätte mich literarisch nicht interessiert.
Das Buch wird als Hörbuch mit 99 verschiedenen Sprecherinnen vertont. Das ist ein Novum. Wessen Idee war das, und hat die Kundenkartei von „Barbarella" geholfen?
Das Casting habe ich selbst übernommen, die Schauspieler angesprochen und verpflichtet. Aber die gesamte Logistik hat Random
House Audio gemacht. Klar hat die Kundenkartei geholfen, aber ich habe ja seit vielen Jahren sehr viel mit Schauspielern zu tun. Irgendwann sind dann alle dabei, wenn alle dabei sind.
„Peinlich gibt es nicht", sagt die Frau. Ist das auch dein Motto?
Ich finde die Idee ganz gut, dass die Frau behauptet, ihr sei nichts peinlich. Das gibt mir die Freiheit, sie Sachen machen zu lassen, für die ich mich schämen würde. Und das ist auch der Grund, warum ich sie in Situationen schicken muss, von denen ich erst dachte: „Nee, das geht zu weit, das ist jetzt wirklich zu peinlich", aber sie muss dadurch, weil sie so ist.
Gibt es Stoff für ein zweites Buch?
Es gibt ein zweites Buch, aber nicht zu diesem Thema. Die Form ist damit auch ausgereizt. Ich möchte jetzt einen Roman schreiben, der in den 50er Jahren spielt, über die letzten zwei Wochen von zwei jungen Frauen, bevor sie heiraten.
"Nur die" ist der Markenname einer Strumpfhose und der Titel. Wieso?
Ich mag die Doppeldeutigkeit. Einmal denkt man an Exklusivität und das Besondere, und dann ist das nur 'ne doofe Billo-Strumpfmarke. So sehe ich auch die Frau, die zwischen Größenwahn und Wertlosigkeit durch die Gegend schwankt.
Interview: Irma Wagner

Heike-Melba Fendel, nur die – Ein Leben in 99 Geschichten, Hoffmann und Campe, 145 S., 14,99 Euro, Random House Audio, 4 CDs, 19,95 Euro
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