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Interviews

Schrei, so laut du kannst

(c) Jarmo Katila(c) Jarmo Katila

Sebastian Schmitz sprach anlässlich des neuen Albums von HIM mit deren Bassisten Migé Amour über Untergangsstimmung, Romantik und kreative Schreitherapie.

13 Songs stark ist euer neues Album. Welcher ist dein persönlicher Liebling?

Das ist immer eine schwierige Frage. Es gibt bei jedem Album einzelne Songs, die etwas lästig zu spielen sind, und andere, wo es richtig Spaß macht, sie zu spielen. Ich bin wahrscheinlich die falsche Person zu entscheiden, welcher der beste Song ist. Ich denke, mir gefällt „Heartkiller" am besten. Er repräsentiert das Album sehr gut, deshalb bin ich sehr froh, dass dieser Song die erste Single geworden ist.

Habt ihr irgendwas grundlegend anders gemacht als bei vorherigen Produktionen? Es war zu lesen, Ville sei sehr glücklich über dieses Album und dass es etwas Besonderes für ihn sei, weil er nicht die ganze Zeit betrunken war. Hat das dich und den Rest der Band beeinflusst?

Ja, das hat uns natürlich beeinflusst. Es kommt immer darauf an, welche Stimmung herrscht. Wenn dir nach Katastrophe und Untergang zumute ist, wird sich diese düstere Stimmung auch auf das Album niederschlagen. Man bekommt immer das, wonach man gefragt hat. Ich bin sehr zufrieden mit dem Album. Wir haben sehr hart dafür geschuftet. Am wichtigsten war sicher, dass wir uns alle bei „Screamworks" voll reingehangen haben. Niemand war betrunken oder uninteressiert. Alle waren voll fokussiert, und jeder hat sein Bestes gegeben.

Typisch für „Sreamworks" ist, dass es, wie auch eure anderen Alben, sehr stark die Verbindung von Schmerz und Liebe, Leidenschaft und Tod thematisiert. Denkst du, dass diese Dinge naturgemäß zusammengehören? Was sind deine Erfahrungen?

Ich habe noch keine Beziehung erlebt oder gesehen, die total harmonisch oder ständig in Balance ist. Es gibt immer diese kleinen fiesen Dinge, bei denen die Menschen Hilfe brauchen, über die sie reden müssen und die sie dann irgendwie gemeinsam lösen müssen. Wenn die Zeiten rosig sind und man glücklich ist, kann man sich zurücklehnen, entspannen und genießen. Aber wenn die Zeiten rauer werden, gilt es, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, auch mit den dunklen. Daher denke ich, dass beides sehr eng miteinander verbunden ist.

Das Veröffentlichungsdatum ist pünktlich zum Valentinstag, und der elfte Song heißt „Like St. Valentine". Ist HIM eine romantische Band, oder würdest du dich selbst als Romantiker bezeichnen?

Ehrlich gesagt, denke ich, dass der Valentinstag Betrug ist. Eine kapitalistische Täuschung, um die Menschen dazu zu verleiten, Blumen und alle möglichen Dinge zu kaufen, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Ich bin schon romantisch, aber mit dem Valentinstag kann ich nichts anfangen. Andererseits finde ich, dass es ein bisschen so ist wie mit dem Geist der Weihnacht: Wenn man an die Romantik des Valentinstages glaubt, spürt man sie vielleicht auch. Also, wer daran glauben will, bitte schön! Wer bin ich, das zu verurteilen?

Was hat es mit dem Wort „Screamworks" auf sich?

Screamworks ist ein Workshop, wo Leute schreien. Es ist ein Ort, an dem man emotional so verstört und von Gefühlen so überwältigt ist, dass man nur noch schreien kann. Gemeint ist das Gefühl, an einem Punkt angelangt zu sein, wo man letztlich nur noch laut herausschreien möchte. Und das ist übrigens genau das, was wir verspürten, als wir in den USA waren, um das Album zu produzieren. Wir haben zusammen in diesem Haus gelebt, ganze neun Wochen lang, und hatten keine Klimaanlage. Am Ende dieser neun Wochen war das Einzige, was ich tun konnte, schreien. Also hab ich geschrien, bis ich nach Hause kam. Dann habe ich erst mal meinen Therapeuten getroffen, und jetzt muss ich nicht mehr schreien. (lacht)

Wie wird Screamworks bei Fans und Kritiker ankommen?

Ich denke, dass es einige Fans geben wird, die enttäuscht sein werden. Ein paar Leute erwarten immer noch von uns, dass wir Alben machen, wie unser erstes, „Greatest Lovesongs Vol. 666". Man könnte schon sagen, dass das jetzige Album etwas experimenteller ist und vielleicht nicht unbedingt das, was einige sich erhofft haben. Aber wir sind eben von Natur aus neugierig und probieren gerne Neues aus ...

Seid ihr schon mal in Köln unterwegs gewesen? Wie gefällt euch die Stadt?

Also weißt du, ich bin zu alt, um jedem den Arsch zu küssen, aber ich kann ehrlich sagen, dass Köln meine Lieblingsstadt in Deutschland ist. Wir haben schon viel Zeit in Köln verbracht. Es gibt viele Musiker, Produzenten und überhaupt jede Menge Musik in der Stadt. Köln ist wirklich eine coole Stadt, irgendwie etwas exzentrisch, das gefällt mir.

HIM: Screamworks: Love in Theory And Practice
(Sire Records, VÖ: 12.2.)

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