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Interviews

Charmante Rockmusik

(c)Joel Anderson(c)Joel Anderson

Drei Jahre nach ihrem grammynominierten Album „Into the Blues" meldet sich die englische Sängerin Joan Armatrading mit „This Charming Life" zurück. Alex Steininger sprach mit ihr über Erfolgsdruck, Inspiration und den Start ihrer Europatournee in Köln.

Joan, dein neues Album „This Charming Life" klingt im Vergleich zum Vorgänger sehr rockig. Wie kam es dazu?

Es ist einfach das, worauf ich Lust hatte. Lange Zeit habe ich immer verschiedene Stile auf einer Aufnahme gemischt, aber seit dem letzten Album ist das anders. Bei „Into the Blues" habe ich nur Blues aufgenommen, und diesmal ist es eben nur Rock.

Ist das jetzt die neue Joan Armatrading oder eher ein Experiment?

Ehrlich gesagt, weiß ich das selber nicht genau. Der Rock entspricht einfach meiner Stimmung im Moment, was in den nächsten Jahren kommen wird, kann ich nicht genau sagen.

„This Charming Life" ist mittlerweile dein 17. Studioalbum, die Songs hast du immer selbst geschrieben. Woher nimmst du deine Inspiration?

Das können völlig verschiedene Dinge sein, aber oft inspirieren mich Alltagssituationen. Wenn ich auf der Straße ein verliebtes Paar sehe, schreibe ich vielleicht ein Liebeslied. Wenn jemand etwas sagt, was mich zum Nachdenken anregt, kann daraus ein Song entstehen. Entscheidend ist, dass die Dinge natürlich passieren. Wenn jemand sagt, ich habe hier ein Thema, über das solltest du mal einen Song schreiben, dann funktioniert das nicht.

Der Titel des Albums ist angesichts der Wirtschaftskrise, die die Welt gerade erlebt, eher ungewöhnlich.

Natürlich steckt die Welt gerade in einer großen Krise, aber für mich erinnert der Titel daran, dass es in jedem Tiefpunkt auch gute Momente gibt. In schwierigen Zeiten wie diesen sollten wir uns bewusst sein, was wir haben, und das zu schätzen wissen. Die Menschen in Haiti zum Beispiel haben fast alles verloren, was sie besaßen. Wenn aber eine Mutter dort nach Wochen ihr verlorenes Kind wiederfindet, dann ist das ein wirklich glücklicher Moment für sie, und solche Momente meine ich mit dem „Charming Life".

Einige Texte, wie zum Beispiel „Two Tears", sind sehr nachdenklich, und oft geht es um persönliche Dinge. Ist das deine Art, Erfahrungen zu verarbeiten?

Ja, aber die Texte handeln nicht immer von mir selbst, auch „Two Tears" nicht. Die Stücke, in denen ich etwas Persönliches von mir erzähle, sind sogar eher optimistisch, weil ich insgesamt sehr zufrieden bin mit meinem Leben.

Der Vorgänger „Into the Blues" ist auf Platz 1 der Blues-Charts eingestiegen und hat dir eine Grammy-Nominierung eingebracht. Verspürt man da einen gewissen Erfolgsdruck?

Nein, absolut nicht, auch weil es bereits meine dritte Grammy-Nominierung war. Ich setze mir nur persönlich das Ziel, dass jeder Song ein kleines bisschen besser wird als der davor. Aber das mache ich schon, seit ich Gitarre spiele, von daher verspüre ich jetzt bestimmt keinen Druck von außen.


Du bist auf der Karibikinsel St. Kitts geboren, lebst aber seit deinem 7. Lebensjahr in England - wo siehst du deine musikalischen Wurzeln?

Ich liebe alle möglichen musikalischen Stile, es gibt in jeder Richtung wunderbare Songs und großartige Musiker. Ich würde sagen, ich liebe einfach die Musik an sich. Es gibt aber in der Tat einige Gitarristen, die ich sehr bewundere: Muddy Waters, Mark Knopfler oder Jeff Beck zum Beispiel. Aber ich versuche nie, jemanden zu imitieren, ich möchte nicht der „zweite Brian May", sondern lieber die „erste Joan Armatrading" sein.

Du wirst oft mit Tracy Chapman verglichen. Nervt das nicht ein bisschen?

Ja, das kommt vor, aber ich habe mein erstes Album 1972 aufgenommen, sie dagegen erst 1988 - der Vergleich sollte also eigentlich andersrum sein.

Der Starttermin der Tour ist Köln. Was verbindest du mit der Stadt?

Der Starttermin ist natürlich immer etwas Besonderes, und ich freue mich schon auf das Konzert in Köln, denn ich spiele wirklich sehr gerne in Deutschland. Leider sind diesmal nicht so viele Termine dabei wie auf der letzten Tour, aber ich finde, die Deutschen sind ein tolles Publikum.

Auf dem Album hast du bis auf das Schlagzeug alle Instrumente selbst eingespielt, was live schwierig werden dürfte. Was können die Zuschauer bei den Konzerten erwarten?

(lacht) Nein, das geht natürlich nicht, deshalb spiele ich mit der Band, die auch bei der letzten Tour dabei war. Die Fans bekommen neben den neuen Songs auch einige alte zu hören, denn einfach nur die bekannten Hits zu spielen wäre mir zu langweilig.

Joan Armatrading „This Charming Life", Hypertension Music, Vertrieb: Soulfood, VÖ: 5.3.
Live: 3.3., Gloria Theater, Köln, Karten unter www.koelnticket.de

This Charming Life

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