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Interviews

Die Kunst des Improvisierens

Bernhard Hoëcker &  Eva Thiel, Veranstalterin des ImprofestivalsBernhard Hoëcker & Eva Thiel, Veranstalterin des Improfestivals

Vom 2.-7. März wird in Köln wieder einmal improvisiert, was das Zeug hält. Das kann nur eines bedeuten: Es ist Improfestival! Wer die Veranstaltungen schon in den vergangenen Jahren besucht hat, kann sich wieder auf diverse Klassiker freuen: So gibt es auch diesmal wieder eine lange Impro-Nacht, bei der gespielt wird, bis weniger Zuschauer als Spieler im Raum sind. Selbstverständlich steht auch wieder die Wahl des Publikumslieblings und die Verleihung des goldenen Improsterns auf dem Programm. Aber auch Neues gibt es zu vermelden: So übernimmt in diesem Jahr erstmalig Bernhard Hoëcker die Schirmherrschaft. Was ihn dazu bewog und welche Pläne er sonst noch hat, verriet er Daniela Abels vorab im Gespräch.

Was genau muss man sich unter deiner Schirmherrschaft über das Improfestival vorstellen und was hat dich an der Aufgabe besonders gereizt?

Ich gehöre eigentlich nicht zu den Menschen, die ihren Namen für alles und jedes hergeben und ständig irgendwo als Schirmherren auftauchen. Mit dem Improfestival kann ich mich aber identifizieren. Daher trage ich mit meinem Namen sehr gerne dazu bei, in diesem Jahr noch mehr Zuschauer auf dieses fantastische Festival aufmerksam zu machen.

Wirst du am Festival auch aktiv teilnehmen, also selber auf der Bühne stehen?

Das werde ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Beim Impro-Duell „Kampf der Giganten“ werde ich mit meiner Gruppe „Hoëcker & Friends“ gegen die Gastgeber, das Ensemble Clamotta antreten.

Für das Publikum ist es ja immer sehr amüsant zu sehen, wie die Akteure in Sekundenschnelle jede noch so absurde Vorgabe umsetzen. Wie aber sieht das aus der Sicht des Darstellers aus? Ist Impro-Comedy nicht viel schwieriger als ein fest einstudiertes Programm?

Schwer zu sagen. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Disziplinen, somit bereitet man sich auch anders vor bzw. geht die Sache unterschiedlich an. Beim Improtheater hat man kein festes Drehbuch, man ist immer ein Stück weit vom Publikum abhängig. Das sind sicherlich Herausforderungen, die man so anderswo nicht hat. Deshalb muss es aber nicht zwangsläufig schwieriger sein.

Bekommt man auch in dieser Disziplin irgendwann Routine?

Mit ist es zum Glück noch nicht passiert, dass ich oder einer meiner Mitspieler plötzlich gar nicht mehr weiter wusste. Das gibt mit der Zeit schon eine gewisse Routine – oder zumindest eine Art Sicherheit. Sicherlich hat jeder Impro-Abend einige Strecken, in denen das Geschehen vor sich hin plätschert, ohne dass ein Gag oder etwas Spektakuläres passiert. Doch dann hat jemand einen Einfall, und plötzlich läuft es wieder. So etwas ist natürlich eine Herausforderung, macht aber gerade auch den besonderen Reiz dieser speziellen Theaterform aus.

Du warst mehrere Staffeln lang Ensemblemitglied der „Schillerstraße“, der ersten Fernseh-Impro-Comedy. Inwieweit betrachtetst du es auch als deinen Verdienst, dass die Kunstform der Improvisation heute einer solch breiten Masse bekannt ist?

Ich würde nicht so weit gehen, den Erfolg der Serie als meinen Verdienst zu verkaufen. Ich hatte einfach das Glück, bei diesem Format mitwirken zu dürfen und das ganze somit auch mitzutragen und zu fördern. Wir haben damit einer breiten Öffentlichkeit bewiesen, dass Komiker auch ohne festes Drehbuch witzig und originell sein können, wenn man ihnen ein entsprechendes Forum bietet. Gerade in Köln und Umgebung war Improvisationstheater aber schon vor der Schillerstraße nicht ganz unbekannt. So ist das Bonner Springmaustheater schon seit mehr als 20 Jahren im Rheinland ein absoluter Publikumsrenner. Man kann also sagen, wir hatten da schon immer einen gewissen Vorsprung.

Glaubst du, das Improtheater hat sich als eigene Form der Unterhaltung dauerhaft etabliert oder siehst du es eher als eine Trendwelle, die in den nächsten Jahren wieder abebbt?

Um alles, was eine Zeitlang sehr stark im Trend liegt, wird es irgendwann auch wieder ruhiger, das ist völlig normal. Je bekannter eine Sache jedoch ist und je mehr Menschen sich damit befassen, desto größer sehe ich auch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas bleibt. Meiner Einschätzung zufolge hat sich das Improtheater in den vergangenen Jahren eine Community erobert, die ihm auch künftig einen Fortbestand sichert.

Im Zuge des Schillerstraßen-Erfolges gab es seinerzeit viele Nachahmer, die sich aber alle nicht behaupten konnten. Von der Schillerstraße aber ging gerade wieder eine neue Staffel an den Start. Was ist deiner Meinung nach das Erfolgsgeheimnis?

Da ich nicht alle „Konkurrenzformate“ gesehen habe, ist es etwas schwierig, die Frage zu beantworten. Dass die Schillerstraße sich so gut behaupten konnte, liegt meiner Meinung nach daran, dass es einen festen Rahmen gibt. Man weiß zwar nie so genau, was in einer Sendung passiert, aber dennoch gibt es eine fortlaufende Handlung, eine Geschichte, an die in der nächsten Folge wieder angeknüpft wird.

Improvisation, Stand-Up-Comedy, Schauspielerei – du hast schon vieles ausprobiert. Hast du eine „Paradedisziplin“, die dir ganz besonders liegt?

Grundsätzlich gefällt mir natürlich alles, was ich mache. In erster Linie sehe ich mich aber als Bühnenmenschen. Ich mag einfach diesen direkten Kontakt mit dem Publikum. Obwohl … „Genial daneben“ macht mir auch großen Spaß. (lacht) Einfach nur den ganzen Abend völlig relaxt dasitzen und reden, was einem gerade in den Sinn kommt – das gefällt mir schon sehr!

Beeinflussen sich die einzelnen Kunstformen gegenseitig? Hilft dir z.B. deine Impro-Erfahrung, wenn du als Stand-Up-Comedian auf der Bühne stehst und etwa einen Hänger überbrücken oder einen besonders nervigen Zwischenrufer in die Schranken weisen musst?

Irgendwie hängt ja alles, was ich mache, zusammen. Daher kann man sicher von wechselseitigen Einflüssen sprechen. Ein Beispiel: Ich habe schon immer – auch während meiner Comedy-Abende gerne das Publikum einbezogen und mit einzelnen Zuschauern gesprochen. Mit der Zeit habe ich schon gemerkt, dass ich mit dem, was da so aus dem Publikum kommt, immer spontaner und kreativer umgehe. In diesen Momenten greife ich sicher auf Erfahrungen aus dem Improbereich zurück, auch wenn dies zumeist ganz unbewusst geschieht.

Abgesehen vom Impro-Festival: Wie sehen deine Pläne für die nächsten Monate aus? Kannst du hier schon Konkretes verraten?

Ich arbeite zurzeit an zwei Buchprojekten, von denen eines kurz vor dem Abschluss steht. Außerdem bin ich regelmäßig mit meinem Soloprogramm unterwegs. Ich halte es nicht so, dass ich alle paar Jahre mit neuem Programm auf große Tournee gehe, sondern entzerre das Ganze und verteile die Termine über längere Zeiträume. Ansonsten geht es mir wie den meisten Fernsehschaffenden: Ich warte auf interessante Angebote. (lacht)

Mehr Infos:

www.koelnerimprofestival.de

www.bernhard-hoecker.de

www.clamotta.de

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