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(c) Four Music(c) Four Music

Der Erfurter Musiker Clueso wurde mit seelenvollen Songs und deutschen Texten wie „Chicago“ oder „Kein Bock zu geh’n“ bekannt. Seine Clubtour im Frühjahr war ratzfatz ausverkauft. Cluesos viertes Album erscheint am 30. Mai und heißt „So sehr dabei“. Das sind sicherlich auch seine Fans, wenn er am 6.7. auf dem Summerjam und am 7.11. im E-Werk spielt.

Dein Album beginnt mit dem Song „Barfuß“. Und der klingt sehr nach einem Plädoyer für Neuanfänge, Risiken, Experimente. Womit hast du zuletzt experimentiert?

Vor allem mit der Platte. Im Gegensatz zu den vorherigen Alben war die Herangehensweise eine ganz andere. Ich mag es, Stile zu brechen, draufzumixen, meine Stimme als roten Faden zu benutzen. Die Texte waren aber nicht mehr chronologisch wie bei „Chicago“, wo eine Geschichte erzählt wird, sondern eher eine begehbare Lyrik von Bildern. Ich habe auf Sätze gewartet, wochenlang, die zum Teil gar nichts mehr mit dem Song zu tun haben und am Ende doch reinpassen, weil sie halt meinem Leben entspringen.

Gibt es andere Kunstformen neben der Musik, für die du dich interessierst?

Ich finde die Malerei interessant. Ich war gerade in einer Ausstellung von Otto Dix, finde Bilder cool und fuchse mich gerade ein bisschen in die Materie rein, weil ich jemanden kennengelernt habe, der mich rangeführt hat an Kunst, die ich cool finde. Die ist nicht so verkopft, sondern alles wirkt sehr bauchmäßig. Das finde ich auch eine gute Art, Musik zu produzieren.

Wenn du nicht Musiker geworden wärst, wärst du dann in einem regulären Job glücklich geworden?

Nee, absolut nicht. Ist zwar ganz schön spekulativ, aber ich habe ja als Friseur gearbeitet, acht Stunden am Tag bei einem Meister, der es so getimed hat, dass ich abends immer richtig schön lange da bin. Und da bin ich fast eingegangen. Das war die allerkrasseste, schwierigste Zeit, weil ich gemerkt habe: Ich bin da in einem Korsett, das mir überhaupt nicht passt. Ich war von zu Hause ausgezogen, habe zum ersten Mal alleine gelebt. Die Kohle hat gerade mal dazu gereicht, auf eine Jam zu fahren und wieder zurück. Ich hatte nichts zu essen und habe mir vielleicht einen Käse geklaut oder irgendwas zusammengemixt. Und dann bin ich morgens verschwitzt in den Laden gefahren, habe vermutlich gestunken vor irgendwelchen Kunden … Das war alles überhaupt nicht mein Ding.

Du hast die Texte für die neuen Songs in Görlitz geschrieben, an der polnischen Grenze. Warum ausgerechnet diese Stadt?

Ich fand den Ort einfach magisch. Wir haben da zwei Mal gespielt und ich habe gesehen: Da sind nur alte Häuser, es sieht aus wie in Paris. Wir haben dann eine alte Arztpraxis mit so Flügeltüren gefunden: Da packten wir dann eine Matratze rein, eine Espressomaschine – und los ging’s. Es gab kein warmes Wasser, und es hat von der Decke getropft, und wir dachten so: „Geil, das ist total Fight-Club-mäßig, wir bauen jetzt Bomben gegen die Gesellschaft und haben ein großes Ziel“. (lacht) Wenn wir da vor die Tür gingen, hatten wir aber auch einen Input.

Du hast auch eine Weile in Köln gewohnt. Warum bist du dann wieder zurück nach Erfurt?

Ich habe in der Severinstraße gewohnt und am Bahnhof in so einem Studio, da habe ich allerdings eher auf der Matratze gehaust. Hm, ich will nicht die Mauer wieder hochziehen oder so, aber aufgrund meiner Geschichte, weil ich in den neuen Bundesländern aufgewachsen bin, finde ich, dass die auch eben mehr zu mir passen. Vielleicht ist es auch Quatsch … denn ich habe hier sehr viele coole Leute kennengelernt und fühle mich auch zu Hause in Köln. Aber ich hatte immer so ein Heimweh. Drüben ist einfach nicht so eine Kontrollverlustangst da, die Leute machen in erster Linie was und gucken dann, wie es läuft, und sind froh, dass was geht. Und es ist auch so eine als naiv verkannte Herzlichkeit am Start.

Kannst du dich noch daran erinnern, wohin du gerne gegangen bist, als du noch in Köln warst?

Na klar, Stecken, Hallmackenreuther, dann der Rose Club … das fand ich cool. Ich war jetzt mal wieder in Köln, vor einem halben Jahr oder so, und habe es mir eine Woche lang gut gehen lassen in den Clubs. Ich hatte aber Gott sei Dank immer einen Homie dabei, der auf mich aufgepasst und irgendwann gesagt hat: „Ey Alter, wir sind total besoffen und alle gucken. Lass uns in einen Technoschuppen gehen – da kennt dich keine Sau – und da weiter trinken.“ Ich muss inzwischen in der Öffentlichkeit ein bisschen aufpassen.

Eine so ähnliche Situation beschreibst du ja auch in einem Song …

Ja, in „So sehr dabei“ habe ich genau das reingepackt. Das kommt aus dieser Woche, die ich in Köln verbracht habe. Wo die Leute dann auf einen zeigen, während man unter dem Tisch liegt und denkt: „Hä?“ Ist natürlich auch logisch, dass die gucken, ich verstehe es ja auch irgendwo … am nächsten Tag. (lacht)

Wohnst du eigentlich immer noch in einer WG, wie damals in Köln?

Ich habe alle Varianten mal durchgehabt. Habe zwischendurch mal ganz alleine gewohnt und bin jetzt wieder in einer WG mit meinem Kumpel Markus. Das ist echt lustig. Der ist sehr, sehr ordnungsbewusst und wäscht immer heimlich meine Wäsche.

Du ziehst bestimmt nie aus Erfurt weg, oder? Richtung Berlin oder so?

Also, es ist schon so, dass ich mir überlege, mal in die Metropole zu gehen. Dann würde ich aber wahrscheinlich eher nach Leipzig oder Dresden gehen. Ich träume aber auch die ganze Zeit von einem Bauernhof, auf dem ich Musik machen kann. Ich gehe auch gerne in die Sauna, so richtig freakmäßig. Da würde ich mir so Holzhütten bauen, und so’n  bisschen Erykah-Badu-mäßig mein eigenes Süppchen kochen. Das fände ich cool.  - Melanie Raabe -

Clueso: So sehr dabei

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