R: Mark Herman, D: Asa Butterfield, David Thewlis, Vera Farmiga, Jack Scanlon, Start: 7.5., FSK: 12

Drama  Weil der Vater zu Beginn  des Zweiten Weltkrieges Karriere macht, muss die Familie den Wohnort wechseln und von Berlin aufs Land ziehen. Vor allem für den achtjährigen Bruno bedeutet dies eine große Umstellung, denn in dem neuen Zuhause gibt es keine gleichaltrigen Spielgefährten. Und der Umgang mit den Kindern des nahe liegenden landwirtschaftlichen Betriebs ist Bruno streng untersagt. Doch die Neugierde und der Wunsch, andere Kinder zu treffen, sind größer als die Furcht vor Strafe, und Bruno schleicht immer wieder zu dem Gelände, das mit hohem Stacheldraht umzäumt ist. Hier trifft er sich mit dem gleichaltrigen Shmuel. Obwohl der Stacheldraht sie trennt und Bruno vieles an dem Jungen im gestreiften Pyjama seltsam und verstörend findet, freunden sich die beiden an. Eine Freundschaft, die Bruno auf eine harte Probe stellt, als er seinen Freund in einer Notsituation verrät. Bruno möchte seinen Fehler wiedergutmachen und schleicht sich mit Shmuels Hilfe hinter den Zaun, um seinem Freund bei der Suche nach dessen Vater zu helfen. So verläuft aus Brunos Sicht bis zu diesem Moment die Geschichte, der Zuschauer aber sieht etwas gänzlich anderes. Brunos Vater (David Thewlis) steigt zum KZ-Kommandeur auf, und das, was die Eltern ihrem Kind als Bauernhof erklären, ist ein neu errichtetes Vernichtungslager.
Ist das Kino der richtige Ort, um das Grauen des Holocaust begreifbar zu machen? Mark Hermans („Brassed off“) Beitrag zu dieser nicht leicht zu klärenden Frage dürfte neue Kontroversen auslösen. Ist seine Sicht der Dinge verharmlosend oder gar romantisierend, wie ihm manche Kritiker vorwarfen? Sicherlich nicht, solange der Film die Sichtweise des Jungen wählt und damit aus ungewohnter Perspektive auf die Schrecken des Holocaust schaut. Problematischer ist da schon die Naivität der Frau des KZ-Kommandanten, die beispielhaft für die vielen Personen steht, die nichts von dem Horror gewusst haben wollen, auch wenn sie in unmittelbarer Nähe waren. Gegen Ende aber ist man mit Herman wieder ganz bei den Kindern, die den Schrecken bis zur letzten fürchterlichen Konsequenz sichtbar machen. -nr