Haïdée Henry, Dortoir des filles, 2008
Installation-Shot Mönchehaus Museum Goslar
(Foto: Bernhardt Heinze)
Ausstellung des Monats
Wassereimer im Schlafsaal
Bis 11. Juli, Figge von Rosen Galerie, Aachener Str. 65
Arbeiten der französischen Künstlerin Haïdée Henry waren im vergangenen Jahr bereits in der Artothek zu sehen. Jetzt hat sie einen weiteren Köln-Auftritt in der Figge von Rosen Galerie mit zwei Installationen und einem Konvolut von 25 Zeichnungen. Die raumfüllende Arbeit „Dortoir des filles“ (Mädchen-Schlafsaal) besteht aus sieben schwach beleuchteten Betten, die an starken Schnüren von der Decke herunterhängen. Aus den Matratzen tropft Wasser in rostige Eimer. Vor allem das Licht schafft eine beklemmende Raumatmosphäre, so wie sie manch ein Internatsschüler vielleicht tatsächlich in seiner Pubertät erlebt hat. Den persönlichen Hoffnungen, Empfindungen und vor allem der seelischen Verletzlichkeit der Zöglinge steht die rigorose Uniformität und Disziplin des Internatbetriebs gegenüber. Die Skulptur „Fiançailles“ (Verlobung) zeigt ein erlegtes Wildschwein, das auf den Hinterbeinen steht und von Luftballons nach oben in eine aufrechte Haltung gezogen wird: Der schwere, wilde und gefährliche Keiler mutiert auf diese Weise zu einer tragischen, fast lächerlichen Gestalt. Das Motiv des toten Wildschweins als Parabel auf Verlust und Vergänglichkeit taucht auch in den Zeichnungen Henrys immer wieder auf. Ähnlich wie in den klassischen Fabeln und Märchen sind auch hier die Tiere als Stellvertreter des Menschen anzusehen: Es geht in den Arbeiten von Haïdée Henry immer um existenzielle Grundfragen, um Macht und Durchsetzung, um Ängste, um Zärtlichkeit und Lust, um Liebe und Tod. Henry verweist auf die bisweilen recht tragischen Facetten dieser Grundfragen, und zugleich behandelt sie diese Themen mit milder Ironie. -J.R.



