Kölner Dreigestirn 1939, mit Else Horion als weiblicher Jungfrau
Foto: Kölner Karnevalsmuseum
NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25, bis 4. März 2012
Jahrzehntelang blieben die Entwürfe für antisemitische Festwagen in den Rosenmontagszügen der 1930er Jahre tief im Keller des Stadtmuseums unter Verschluss. Die Karnevalsfunktionäre, die in der Nazizeit das Sagen hatten, riefen auch in der Nachkriegszeit ihr Saalpublikum zu einem „dreifach donnernden Kölle Alaaf" auf und strickten eifrig an der Legende, das Narrentreiben habe sich einer Vereinnahmung durch die NS-Diktatur widersetzt. Was so nicht stimmt, wie man heute weiß, seit diese braunen Narren von der Bühne abgetreten sind und im Festkomitee nun seit einigen Jahren die jüngere Generation eine kritische Aufarbeitung der Fastelovendsgeschichte zulässt. Für das NS-Dokumentationszentrum hat Marcus Leifeld die Ausstellung „Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz" kuratiert. Sie beleuchtet die verschiedenen Facetten des Jeckentums in jener Zeit: Da gab es den Büttenredner Karl Küpper, der wegen „Verunglimpfung des deutschen Grußes" Auftrittsverbot erhielt. Er pflegte nämlich den zum Hitlergruß ausgestreckten Arm mit dem Witz zu begleiten: „Do drusse litt dä Schnee esu hoch!" Die NS-Obrigkeit verordnete dem Dreigestirn 1938 und 1939 weibliche Jungfrauen, weil sie in der parodistischen Verkörperung dieser Rolle durch einen Mann homosexuelles Transvestitentum fürchtete. Willy Ostermann, der zum 11.11.1932 die politische und wirtschaftliche Krisenstimmung noch mit dem sarkastischen Lied „Su schön wie augenblicklich, so schön wor et noch nie, enä, wat sin mer glücklich ..." kommentiert hatte, trat 1934 der NSDAP bei, vermutlich, um sich weiterhin Auftrittsmöglichkeiten zu sichern. Jüdische Karnevalisten wurden systematisch ausgegrenzt. In der Verhöhnung der Juden im Rosenmontagszug erwies sich aller späteren Legendenbildung zum Trotz auch der Karneval als ein Spiegel des herrschenden üblen Zeitgeistes. -J.R.



