"Vater" von Neo Rauch, Öl auf Leinwand, 2007 (Foto: Courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin & David Zwirner, New York, VG Bild-Kunst, Bonn 2007) "Vater" von Neo Rauch, Öl auf Leinwand, 2007 (Foto: Courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin & David Zwirner, New York, VG Bild-Kunst, Bonn 2007)

Surreal erstarrte Alltagsszenen

ab 28. Oktober, Max Ernst Museum Brühl

Neo Rauch zählt zu den profiliertesten Vertretern der „Neuen Leipziger Schule“ mit ihrer gegenständlich orientierten Malerei. Das Brühler Max Ernst Museum und das New Yorker Metropolitan Museum präsentieren jetzt elf Gemälde, die Rauch eigens für diese Ausstellung geschaffen hat. In den Brühler Wechselausstellungen verweist man gerne auf Korrespondenzen anderer Maler mit Max Ernst, und es gibt durchaus stilistische Berührungsmomente zwischen den beiden Künstlern. Die neuen Bilder von Neo Rauch, in denen häufig Dandys in Jagdröcken und Abendanzügen auftauchen, enthalten nämlich Erinnerungsfetzen, die den surrealistischen Traumbildern bei Max Ernst oder Salvador Dalí nicht unähnlich sind. Neo Rauch bezeichnet diese Werkserie als „para“, um damit Assoziationen wie „paranormal“, „parallel“ oder „paradox“ auszulösen.
Das Frühwerk Rauchs (Jahrgang 1960) zeigt noch einen unruhigen, expressiven Duktus, geprägt durch die Atmosphäre der Leipziger Montagsdemonstrationen 1989. Doch schon bald tauchen in seiner weiteren Werkentwicklung Arbeiten auf, bei denen er ironisch gemeinte Zitate aus dem Sozialistischen Realismus und aus der Werbung mit Comics zu surreal erstarrten Alltagsszenen verbindet. Die jüngsten Bilder bieten in noch viel stärkerem Maße absurde Erzählungen in einer bühnenhaft unwirklichen Atmosphäre; sie wirken hermetischer und rätselhafter als das Frühwerk. Bildete anfangs die industriell ramponierte landschaftliche Umgebung von Leipzig die Kulisse seiner Gemälde, so ist nun das Szenario nicht mehr genau zu verorten – wie im Traum vermischen sich die verschiedenen Versatzstücke. Da Rauch in Deutschland exklusiv von der Galerie Eigen + Art (Leipzig) vertreten wird, sind seine Bilder in Kölner Galerien leider nie zu sehen. Eine Museumsausstellung mit dieser virtuosen Malerei ist im Rheinland längst überfällig gewesen: Die Brühler Werkschau ist das absolute Highlight in diesem Kunstherbst! -J.R.