Vincent Micéa: No.13, 2005 (Foto: Henning Bertram)
ab 7. Dezember, Galerie Sebastian Brandl
Vincent Michéa nimmt für seine Malerei die Plattencover der afrikanischen Unterhaltungsmusik als Vorlage. Aus seiner eigenen umfangreichen Vinyl-Plattensammlung hat er Illustrationen zu seinen Lieblingsmusikern ausgewählt und in die Malerei übertragen. Sein Handwerk lernte er in der Grafikhochschule in Paris und als Assis-tent bei einem polnischen Plakatmaler. Stilistisch bewegt er sich folgerichtig zwischen der Pop-Art und der Tradition der Kinoplakatmalerei, die heute leider fast ausgestorben ist. Sogar die Rasterpunkte beim Druck malt er akribisch nach, so wie wir dies auch aus der amerikanischen Pop-Malerei von Roy Lichtenstein kennen.
Michéa nennt seine Werkserie „Belle Époque“. Damit meint er sowohl einen Höhepunkt in der musikalischen Entwicklung des afrikanischen Jazz und Pop als auch jene längst vergangene Epoche, in der die internationale Musikindustrie sich mit einer liebevollen grafischen Gestaltung der Etiketten im Zentrum der LPs und der Plattenhüllen noch große Mühe gab.
Durch die Kleidermode der abgebildeten Personen und die Automodelle kann der Betrachter unschwer die einzelnen Motive dem jeweiligen Zeitkolorit in den vergangenen 50 Jahren zuordnen: Die Bilder sind sowohl kunst- als auch musikgeschichtlich hochinteressant. Michéa hat der Covergrafik im prädigitalen Zeitalter ein Denkmal gesetzt. -J.R.



