William Nelson Copley, „Revolver and Target", 1970, Acryl/Leinwand, Courtesy of the Estate of William N. Copley/Copley LLC and Paul Kasmin Gallery, New York
Foto: VG Bild-Kunst Bonn 2012William Nelson Copley, „Revolver and Target", 1970, Acryl/Leinwand, Courtesy of the Estate of William N. Copley/Copley LLC and Paul Kasmin Gallery, New York
Foto: VG Bild-Kunst Bonn 2012

Max Ernst Museum Brühl des LVR, Comesstr. 42, bis 4.11.

William Nelson Copley gründete 1947 eine Galerie in Beverly Hills, in der er die Surrealisten Max Ernst und René Magritte ausstellte. Kommerziell erwies sich das Unternehmen als Flop, weshalb Copley die Galerie bald wieder aufgab und stattdessen selbst Maler wurde. Damit war er weitaus erfolgreicher, immerhin wurde er zweimal zur Teilnahme an der Kasseler documenta eingeladen. Da hatte er sich von den Surrealisten, die er einst selbst sammelte, längst stilistisch abgegrenzt. Privat blieb er mit ihnen weiterhin befreundet, und es heißt, vor allem Max Ernst habe den als Galerist gescheiterten Copley ausdrücklich dazu ermuntert, Maler zu werden. Der Sammler Frieder Burda hat in Baden-Baden von diesem höchst eigenwilligen Künstler einen umfangreichen Werkkomplex zusammengetragen, der jetzt in Brühl zu sehen ist: Das Max Ernst Museum richtet William N. Copley eine Retrospektive mit 70 Werken aus. In dieser Werkschau erweist sich der künstlerische Autodidakt durchaus als ein wichtiger Vorläufer der Pop-Art. Ein Kritiker beschrieb seine ironischen Bilder einmal als eine „Mischung aus Roy Lichtenstein und Robert Crumb" mit einer „grellbunt und schaubudenhaft vereinfachten Weltsicht". Copley scheute nicht die Nähe zum Kitsch bei seinen Motiven, mit Herzchentapete und ähnlichen Mustern als Hintergründe. Wie der Underground-Cartoonist Crumb neigt auch Copley zu sarkastischen Übertreibungen und Verzerrungen. Wo die spätere Pop-Art sich oft nur als lustig-bunt erweist, sind Copleys Bilder kritisch und doppelbödig angelegt. -J.R.