
Verbrecher Verlag, 272 S., 22,90€
Roman Mit flotter Sprache wirft der Autor einen Blick auf seine Umgebung. Dialoge im aktuellen Umgangsjargon lassen den Leser die verschiedenen Charaktere hautnah erleben. Alle haben unterschiedliche Lebenskonzepte, mit denen sie auf mehr oder weniger alltägliche Weise scheitern. Die vier Einzelschicksale, von denen der Autor berichtet, verweben sich nur dadurch locker zu einem Roman, dass sich ihre Wege für eine Weile kreuzen. Überhaupt verbindet sie nicht wirklich viel, bis auf eine grundlegende Gemeinsamkeit: Alle haben eine hohe Erwartung an das eigene Leben und die eigene Person und diese Erwartung wird aufs Bitterste enttäuscht. Der arrogante Soziologe Robert wähnt sich schon früh auf den obersten Sprossen der Karriereleiter und endet schließlich als Arbeitsloser. Die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Tess versteht sich als eine Art Anwältin der Schwachen und Benachteiligten, setzt sich jedoch rücksichtslos über die Bedürfnisse ihrer Freunde und Familie hinweg und scheitert schließlich an ihrer Skrupellosigkeit. Der aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende Jürgen glaubt fest an seine Qualitäten als Star, ob auf dem Fußballfeld oder später als Schauspieler und versagt kläglich.
Seine Schwester Mika möchte demgegenüber ganz auf Nummer sicher gehen, strebt ein geregeltes Leben an und endet im Chaos. Den Widerspruch zwischen Selbstbild und Realität führt der Autor dem Leser dabei geschickt, mit einem unglaublichen Gespür für die alltäglichen Widersinnigkeiten vor Augen. Schlechte Eigenschaften steigern sich langsam zu pathologischen Charakterschwächen, und alltägliche Geschichten enden wunderbar tragikomisch in Grotesken. -se
