
Berliner Taschenbuchverlag, 189 S., 8,90 €
Roman Der Roman, mit dem Nikola Richter, Gründerin der Berliner Lesebühne visch & ferse, die beruflichen Perspektiven der jungen Generation beleuchtete, wurde nicht nur beklatscht. „Die Lebenspraktikanten" sei seicht, hieß es in manchen Besprechungen. Die Autorin sei ein weinerlicher Jammerlappen, schalt sogar eine kritische Stimme. Auf die Frage dieser Leserin, warum ein Verlag sich einer solchen Autorin annimmt, ist das neue Werk „Schluss machen auf einer Insel" die passende Antwort. Der seltsam verschrobene Titel und das kitschige Fotocover verheißen nicht unbedingt etwas Gutes, der Inhalt ist allerdings der beste Beweis für das Talent der Autorin, die bereits mit einigen Literatur-Preisen ausgezeichnet wurde. 17 kleine Geschichten über die Liebe hat Nikola Richter in dem Buch versammelt. Das könnte verdammt trivial sein, ist es aber nicht. Es geht nicht um die großen Gefühle und großartige Leidenschaften, mit denen mancher Hollywood-Streifen die Menschen auf die falsche Fährte lockt. Aus der Ich-Perspektive berichtet Nikola Richter vom Liebesalltag einer jungen Single-Frau mit allen seinen Pannen, Absurditäten und Absonderlichkeiten. Sie erzählt von kurzen Begegnungen, die richtig schön verkorkst und allein deswegen erzählenswert sind, oder von langen heimlichen Lieben, die möglicherweise erwidert werden, in der Realität aber seltsamerweise keine Chance haben. Meist sind es ganz banal-fatale Entwicklungen, oft ist es aber auch nur eine winzige Unstimmigkeit, die das Blatt wendet und eine Beziehung oder weitere Treffen verhindert. Nüchtern, selbstironisch und sprachlich brillant kitzelt sie die Komik der Situationen heraus, ohne enttäuschte Hoffnungen zu verschweigen. Dabei bleiben die Wendungen, die die Geschichten nehmen, stets überraschend. Schließlich ist Nikola Richters literarisches Alter Ego keine hohle Nuss. Denn wer kann schon ahnen, dass der Ritter auf dem Rennrad, der Nikola von der Straße aufliest und ihr anschließend bereitwilligst ihr Fahrrad repariert, zu dem Dankeschön-Abendessen seine Freundin mitbringt? Und es wäre keine Geschichte aus der Feder von Nikola Richter, wenn das schon alles wäre. Einfallsreich und bestechend schön geschrieben ist Nikola Richters zweites Buch über das alltägliche Drama bei der Suche nach der großen Liebe. -se
