In den letzten Jahren eroberten die Hörbücher die Regale der Buchhandlungen, nun finden offensichtlich auch die Hörspiele immer mehr Beachtung. Ist das Interesse der Bevölkerung an Hörspielen gestiegen?
Claes Neuefeind: Ein bisschen schon, vor allem dank des Hörbuchbooms. Dadurch wurden viele daran erinnert, dass sie mit Hörspielen aufgewachsen sind.
Hella Neukötter: Auf jeden Fall. Das Bedürfnis, spannende oder bewegende Geschichten zu hören, existiert in jeder Generation. Das Fernsehen stillt dieses Bedürfnis leider nicht (mehr). Deshalb weichen immer mehr Menschen auf das Medium Radio aus – und dabei auch auf Hörspiele und Features.
Wieso ist der Markt für Hörbücher und Hörspiele in letzter Zeit so gewachsen?
Patrick Simon: Weil es eine sehr schöne Kunstform ist, die neu entdeckt wird.
Gräbt das Phänomen Hörbuch/-spiel dem klassischen Buchmarkt das Wasser ab, oder ist das eher eine Ergänzung?
Traudl Bünger: Es ist eine Ergänzung, egal mit welcher Lizenzabteilung eines Verlages Sie sprechen, Sie werden immer hören, dass es eine andere Zielgruppe ist, die ein Hörbuch kauft. Eigentlich auch kein Wunder, die Rezeptionssituationen unterscheiden sich: Beim Aufräumen oder im Auto kann ich kein Buch lesen, die einzige Konkurrenzsituation ist vielleicht in der Badewanne …
UMFRAGE: Verdrängen Hörbücher oder -spiele klassische Bücher vom Markt?
Was fasziniert Sie selbst an Hörbüchern und Hörspielen?
Simon: Als Konsument: das „Selbermitspielen“ im Kopf. Ich höre etwas, was jeder hören kann, aber die Bilder, die dabei im Kopf entstehen, entspringen meiner Fantasie. Als Macher: die enormen Möglichkeiten des Mediums. Man kann Geschichten wie im Kino erzählen, hat aber dafür nur den Bruchteil des Aufwands.
Jan Weiler: Das Machen. Ich bin sehr gerne im Studio und mag die Auseinandersetzung mit dem Regisseur, die gemeinsame Arbeit am Text. Da ich keine Sprecherausbildung habe, wundert mich immer wieder, wie alleine durch das richtige Setzen von Pausen schon die Qualität einer Sprachaufnahme zunimmt. Außerdem kann man mit tollen Schauspielern arbeiten und lernt eine Menge. Es macht mir unglaublich viel Spaß.
Frau Bünger, auf der lit.COLOGNE gab es die Veranstaltung „Lust an sich – die Geschichte der Onanie“, von der es einen Mitschnitt geben soll. Wie funktioniert das?
Bünger: Wir denken zuerst an den Abend, an das Thema, wie wir es erzählen wollen und welche Besetzung es zum Funkeln bringen könnte. Interessanterweise kommt dann bei den meisten ein Ergebnis dabei heraus, das auch als Live-Hörbuch gut funktioniert.
Wird den Hörspielen mehr Platz in den Sendezeiten der Radios eingeräumt als früher?
Hella Neukötter: Ja, definitiv. Allein das Hörspielprogramm des WDR reicht vom beliebten Krimi am Samstag (WDR 5) über das Studio Akustische Kunst (WDR 3) bis hin zu den Soundstorys auf 1Live. Dann noch die Sendeplätze der anderen ARD-Anstalten und man muss wohl keinen Tag in der Woche auf ein Hörspiel verzichten.
Claes Neuefeind: Nicht wirklich. Es ist jedoch erkennbar, dass eine Art Rückbesinnung stattfindet, dass Hörspiel im Grunde die genuine Kunstform des Mediums Radio ist. Neben den klassischen Sendeplätzen für 55-Minuten-Hörspiele zu oftmals relativ späten Uhrzeiten setzen sich zunehmend auch Kurzhörspielleisten durch, die über den Tag verteilt sein können, etwa in Magazinsendungen.

Claes Neuefeind: freier Hörspielmacher >>> lebt in Köln >>> hat 2005 den Nachwuchspreis der Leipziger Buchmesse gewonnen >>> kam übers Schreiben zu den Hörspielen >>> spielte zunächst mit einem Freund nur an der Vierspur-Maschine rum >>> ist fasziniert von Hörspielen, weil sie mehr sind als nur Text, aber Raum für eigene Bilder lassen >>> findet an der Arbeit als freier Hörspielmacher reizvoll, dass der Autor selbst Produzent ist und seine eigenen Vorstellungen umsetzen kann >>> mag stilistisch gerne Collagen sowie Stücke, die mit O-Tönen arbeiten >>> versucht in der eigenen Arbeit viele Stile auszuprobieren >>> gibt über den mairisch-Verlag die Anthologie der Freien Hörspielszene pressplay heraus
Gibt es in der Hörspiellandschaft derzeit Trends?
Simon: Die Branche ist immer noch im Aufbau. Monatlich werden so viele neue Produktionen veröffentlicht, dass es mir schwerfällt, einen fundierten Überblick zu haben.
Bünger: Ich vermisse manchmal die Experimentierfreude. Es werden Lesungen von Büchern gemacht, bei Bestsellern traut man sich an eine Hörspielversion, aber das war es fast schon. Mit unseren Live-Hörbüchern sind wir fast schon Exoten.
Welche Genres bzw. Gattungen sind denn besonders für Hörspiele geeignet?
Simon: Eigentlich alles, was man erzählen kann. Es gibt aber eine Ballung im Bereich Mystery/Grusel/Fantasy.
UMFRAGE: Welche literarischen Vorlagen eigenen sich zur Vertonung?
Während das Hörbuch als vorgelesener Roman der Sparte Literatur näher steht, ist das Hörspiel, in welchem verschiedene Rollen gesprochen werden, dem Theater näher. Was macht den besonderen Reiz des Hörspiels im Vergleich zum Theater aus?
Neukötter: Ganz klar: Die eigenen Bilder im Kopf. Die Fantasie kann sich beim Hören frei entfalten. Nur Stimmen und Geräusche zählen, nicht das Aussehen und Gestik/Mimik eines Schauspielers. Auf der Bühne wird zu viel vorweggenommen. Ein hübscher, aber nicht zu unterschätzender Nebeneffekt: Zu Hause kann ich es mir auf dem Sofa gemütlich machen.
Neuefeind: Für inszenierte Stücke ist die Nähe zum Theater richtig, wobei diese eigentlich ja nur eine Genre-Spielart unter vielen sind. Insgesamt ist ein Vergleich zwischen Hörspiel und Theater sehr schwierig, da Theater im Grunde mehr ist als nur die Inszenierung: Hinzu kommen der Spielort, die Kostüme, das Publikum etc. Daraus ergibt sich eine andere Art von Unmittelbarkeit, es gibt einen sehr direkten Zugang zum Zuschauer. Hörspiel ist dagegen intimer.
Was macht für Sie den Unterschied aus, ob Sie ein Buch selbst lesen oder es vom Autor selbst oder einem guten Sprecher vorgelesen bekommen?
Bünger: Beim Selberlesen kann ich das Tempo selbst bestimmen, vor und zurückblättern und bin in meinem Leseakt völlig autark, mir gefällt das vor allem bei komplexen Texten, bei denen ich Zeit für Assoziationen haben möchte. Beim Hören eines Hörspiels gebe ich einen Teil dieser Autarkie ab an Sprecher und Regisseure, die für mich interpretieren und auswählen. Das kann sehr angenehm sein, wenn man in einer Situation ist, die Aufmerksamkeit abzieht. Oder wenn es eine eher kommunikative Situation ist, z.B. höre ich gerne mit meinem Freund gemeinsam Hörbücher, wenn wir mit dem Auto verreisen, das ist ein kleines Ritual und schon eine Einstimmung auf die entspannte Zeit.
Bevorzugen Sie einen besonderen Stil, eine besondere Art von Hörspiel?
Neukötter: Meistens sind mir die traditionell erzählten Geschichten am liebsten. Zu viel Sound und Experiment lenkt oftmals vom Eigentlichen ab.
Wie lebendig ist die Kölner Hörspielszene?
Neuefeind: In Köln ist Hörspiel vergleichsweise präsent. Es gibt immer wieder Hörspielvorführungen und kleinere Reihen an verschiedenen Spielorten. Das liegt u.a. auch daran, dass es im Dunstkreis von WDR und Deutschlandfunk eine ganze Reihe von freien Mitarbeitern gibt, die im Bereich Hörspiel tätig sind.
Simon: Dank der unermüdlichen und maßgeblichen Arbeit des WDR haben wir in Köln viele großartige Sprecher.
Foto: Melanie Grande 2008
Patrick Simon: Hörspielproduzent beim Kölner Hörverlag WortArt, der 2009 15jähriges Bestehen feiert und Kabarett, Comedy, Hörspiele und -bücher bietet >>> zuständig für die Realisation der „Geisterjäger John Sinclair“-Hörspielserie sowie die künstlerische Produktion der Hörbücher bei WortArt >>> landete als Praktikant im Vertrieb in der Branche >>> Lieblingshörspiel: „Herr der Ringe“ vom SWF/WDR 1991 >>> Lieblingshörbuch: „Der König auf Camelot“ von T.H. White, gelesen von Jochen Malmsheimer
Ist Köln für Hörspielproduktionen ein guter Standort?
Neuefeind: Soweit ich weiß, ist der WDR innerhalb der ARD-Familie der Sender, der die meisten Hörspiele produziert. Will man etwas mit Hörspiel machen, ist man in Köln sicherlich ganz gut aufgehoben.
Findet die Kölner Hörspielszene ausreichend „Gehör“ bei lokalen Radiosendern?
Neuefeind: Grundsätzlich ja, wobei es aus meiner Sicht immer noch mehr sein könnte. Es liegt hier aber vor allem bei den Hörspielmachern selbst, sich z.B. über den Bürgerfunk in das Lokalradio einzuklinken.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Kölner Hörspielszene?
Neuefeind: Es gab vor einer Weile den Versuch, ein „Hörspielhaus“ aufzubauen, vergleichbar zum Literaturhaus. Etwas Derartiges wäre sicherlich schön, um einen sichtbaren Ort zu haben, über den die verschiedenen Aktivitäten im Bereich Hörspiel zusammenlaufen könnten. Für den Anfang wäre es aber auch schon prima, wenn sich jemand finden würde, der hier ein kleines Hörspielfestival organisiert, wie es beispielsweise in Leipzig stattfindet.
UMFRAGE: Sollten Autoren ihre eigenen Bücher einlesen?
Herr Simon, wie wird bei WortArt ausgewählt, was ins Programm aufgenommen wird?
Simon: Die meisten Entscheidungen werden im Team getroffen. Da fließen dann viele Faktoren zusammen, wie Einschätzung der Verkaufserwartung, inhaltliche Bewertung oder Komplexität der Produktion.
Frau Bünger, Sie haben die Live-Mitschnitte der lit.Cologne-Lesungen initiiert? Was ist daran besonders reizvoll?
Bünger: Es gibt Geschichten, die lassen sich am besten vor einem Publikum erzählen, z.B. „Die Weltgeschichte der Lüge“, die Dieter Hildebrandt und Roger Willemsen 2007 auf der lit.COLOGNE erzählt haben, oder „Tiere im Text“, wo wir im vergangenen Jahr spielerisch der Frage nachgegangen sind, welches Tier die größte Bedeutung für die Literatur hat. Das Publikum lacht, staunt, reagiert. Die Schauspieler und Moderatoren sind nicht in einer sterilen Studiosituation, sondern in einer Live-Kommunikation. Das ist eine perfekte Konstellation, um diese Themen zu erzählen, die sehr schnell vom Komischen ins Ernste rutschen und umgekehrt.
Glauben Sie, dass Veranstaltungen wie die lit.Cologne mit ihren zahlreichen und äußerst unterschiedlichen Leseabenden die Lust am Zuhören wecken und verstärken? Und somit natürlich auch die Produktion von Hörbüchern bzw. –spielen begünstigen?
Bünger: Unbedingt. Solche Veranstaltungen machen Literatur sinnlich erfahrbar, ermöglichen Hörerlebnisse und Begegnungen mit Autoren und Stoffen, das alles ist Werbung für das Medium Buch genauso wie für das Medium Hörbuch.

Traudl Bünger: Autorin und Gestalterin des Lit.Cologne-Programms und Hörspiel- bzw. Hörbuchproduzentin >>> nach Studium an der Uni Köln und der literaturwissenschaftlichen Promotion Volontariat bei Kiepenheuer & Witsch >>> seit vier Jahren in der Programmredaktion der lit.COLOGNE, wo sie u.a. die Themenabende sowie die Hörbuchedition betreut >>> außerdem leitende Redakteurin des Internetportals litCOLONY >>> ihre Lieblingssprecher sind Maria Schrader und Gustav Peter Wöhler
Was kennzeichnet ein gutes Hörspiel?
Simon: Ein sehr gutes Manuskript, hervorragende Schauspieler, eine einzigartige Inszenierung.
Neukötter: Es sollte dicht erzählt sein, damit man den Faden nicht verliert und gedanklich nicht abschweift. Vor allem intelligente Dialoge. Mir gefällt es nicht, wenn die Geräuschkulisse die Stimmen übertönt.
Weiler: Es muss ihm gelingen, über die Sprecherleistung, über die Inszenierung und den Einsatz von Effekten meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu erobern. Bei einem richtig guten Hörspiel fährt man gerne auch schon mal gegen eine Leitplanke. So gesehen müssen wir alle froh sein, dass gute Hörspiele rar sind.
Was unterscheidet die „freie“ von der nicht freien Hörspielszene?
Neukötter: Wie jeder Freiberufler benötigt die freie Szene Eigeninitiative und Netzwerke. Oft fehlt der freien Szene die technische Ausstattung, und die Anmietung eines Studios ist recht teuer.
Neuefeind: Zugegeben, der Begriff „freie Szene“ provoziert die Idee einer „unfreien“ oder abhängigen Gegenseite. Das ist so natürlich nicht wirklich wahr. „Frei“ meint hier vor allem die Art, wie die Hörspielmacher organisiert sind – der Grad der Einbindung in vorhandene Strukturen kann dabei sehr stark variieren, vom freien Mitarbeiter mit regelmäßigen Aufträgen bis hin zur Arbeit auf eigene Rechnung.
Welchen Schwierigkeiten unterliegt ein freier Hörspielautor?
Neuefeind: Er muss abwägen, wie viel Arbeit er in ein Stück investieren kann, das am Ende vielleicht gar nicht gesendet wird.
Worauf sollte ein freier Hörspielmacher achten, wenn er mit seiner Produktion Erfolg haben möchte?
Neukötter: Er sollte den Markt beobachten, sein Ohr schulen, indem er viele Hörspiele hört, seinen Text laut lesen, um zu überprüfen, ob er sich sprechen lässt, an Wettbewerben teilnehmen, Symposien, (Hör-)Buchmessen und öffentliche Veranstaltungen wie die „Hörspielgalerie bei Ludwig“ oder das „Hörtheater Der Keller“ besuchen, um Kontakte zu knüpfen.

Hella Neukötter: Literaturberaterin >>> ihre Auftraggeber sind Verlage, Rundfunkanstalten, Werbeagenturen und freie Autoren >>> für Buchverlagearbeitet sie als Lektorin und Korrektorin, für den WDR und DLF prüft sie u.a.Romane und Manuskripte auf ihre Hörspieltauglichkeit >>> sie schreibtRezensionen und hat in der Vergangenheit Schreibseminare für angehende Autorengegeben >>> ist seit ihrer Kindheit Radio- und Hörspielfan >>> bewundert denBerliner Regisseur und Hörspielautor Paul Plamper mit seinem Werk „Ruhe 1“, dasjüngst den diesjährigen renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden gewonnenhat >>> liebt die „Paul Temple“-Hörspiele von Francis Durbridge, aber auch„Ländliche Küche“ von Harry Mathews und die „Ilias“ mit Manfred Zapatka(Deutscher Hörbuchpreis 2009, Bester Interpret >>> empfiehlt Hörspielfans jedenersten Sonntag im Monat das Theater Der Keller, denn dort kann man in Live-Atmosphäre neu produzierte DLF-Hörspiele und Features hören
Produziert ein freier Hörspielmacher erst ein Hörspiel auf eigene Kosten und versucht dann, einen Verlag oder einen Radiosender zu finden, der sein Werk verlegt oder sendet, oder gibt es auch hier Aufträge?
Neukötter: Ich glaube, man braucht schon einen Namen, bevor man einen Auftrag erhält. In den meisten Fällen produziert man ein Hörspiel auf eigene Kosten und sucht dann einen Verlag oder Radiosender. Aber oftmals reicht man auch nur das Manuskript ein, aus dem dann der Sender, wenn es die Verantwortlichen überzeugt, ein Hörspiel produziert.
Neuefeind: Die Grenze ist hier fließend. In der freien Szene ist es durchaus üblich, dass der Hörspielmacher sein Stück erst einmal umsetzt und es dann erst einem Sender anbietet bzw. versucht, es auf anderem Wege unterzubringen. Viele freie Hörspielmacher versuchen aber zunächst, ihr Projekt einem Sender vorzuschlagen, damit dieser es dann produziert bzw. in Auftrag gibt.
Welche Voraussetzungen sollte man als Hörspielmacher mitbringen?
Neuefeind: Eine gewisse Technikaffinität und Bastelleidenschaft ist da sicher von Nutzen, da die technische Seite mit Aufnahme, Mischung und Schnitt nicht trivial ist. Wichtig ist aber vor allem ein gewisses dramaturgisches Gespür. Mängel in der technischen Umsetzung lassen sich durch eine gute Dramaturgie ausgleichen, umgekehrt funktioniert das nicht.
Neukötter: Eine Geschichte erzählen können, deren Spannungsbogen über rund 50 Minuten aufrechterhalten wird. Die Figuren so beschreiben, dass man sich mit ihnen identifizieren kann. Und ganz wichtig: Dialoge schreiben können.
Herr Weiler, Sie sind beim Hörverlag nicht nur Autor, sondern auch Sprecher. Wie kam es dazu?
Weiler: Ich habe mich nicht vors Mikro gedrängelt. Bei jeder Produktion schlage ich ein Sprechercasting vor und immer antwortet man, dass ich es selber sprechen soll. Es hat auch gewisse Vorteile, denn der Autor weiß ja immer schon ganz gut, wie der Text gemeint ist und muss sich nicht erst hineinfühlen. Dennoch bin ich höchstens ein passabler Laiensprecher und staune immer darüber, dass der Hörverlag mich alles selber machen lässt. Freut mich natürlich.
Foto: FinePic/Henkensiefken
Jan Weiler: Autor, Hörspielautor und -sprecher, ohne sich jemals vorsMikrogedrängelt zu haben, weil er sich selbst eher als passabelnLaiensprecherbezeichnet >>> lange Zeit Chefredakteur des Süddeutsche ZeitungMagazins >>>Kolumnist >>> wurde schließlich Romanautor mit mehrerenBestsellern, schriebschließlich im Auftrag des hörverlages sein erstesOriginalhörspiel „Liebe Sabine“>>> spricht vieles selbst ein >>> brandneuerscheint im hörverlag sein Hörspiel„MS Romantik“ >>> seine persönlichenLieblingshörspiele: „Das kalte Herz“ in derBearbeitung von Kurt Vethake und dieEuropa-Produktion vom „Gespensterschiff“>>> ist aber eigentlich eher ein„Hörspielmuffel“
Sollte ein Sprecher eine Sprechausbildung haben?
Neuefeind: Nicht zwingend. Zwar ist eine solche Ausbildung sicherlich von Vorteil, da ein professioneller Sprecher über ein größeres Repertoire verfügt. Für speziellere Rollen bieten sich jedoch oft auch Laiensprecher an, die dann vielleicht sogar genauer auf die Rolle zugeschnitten sind.
Wodurch zeichnet sich denn ein guter Sprecher aus?
Weiler: Er kann jede Stimmung vermitteln, den Text unterstützen und der Rolle einen Charakter verleihen, ohne dabei besonders laut oder aufdringlich präsent zu werden. Ich mag nicht, wenn daraus so ein impertinentes Mimentum wird. Diese Jahrmarktsprecher, die aus jedem kleinen Sätzlein ein Hör-Event machen wollen, finde ich sogar ziemlich schlimm.
Kann man das lernen?
Weiler: Man kann fast alles lernen, wenn man sich völlig hingibt und viel übt. Ich übe fast jeden Tag auf meinen Lesungen und zu Hause, wenn ich den Kindern vorlese. Das ist ein ganz gutes Training.
Und welche Sprecher mögen Sie am liebsten?
Weiler: Meine absoluten Lieblingssprecher sind Martin Hirthe und Jürgen Thormann. Hirthe hat früher Gregory Peck und Walter Matthau synchronisiert. Und Colonel Hathi im Dschungelbuch. Ich liebe seinen Sound, besonders wenn er schlecht gelaunt klingt. Und Jürgen Thormann finde ich auch einen Titan. Ganz toll. Auf der Bühne imitiere ich seine Michael-Caine-Stimme immer für eine bestimmte Rolle. Ich gebe mir wirklich die größte Mühe, aber nur ein einziges Mal kam hinterher jemand und sagte: „Diese Stimme klingt so ein bisschen wie Michael Caine auf Deutsch.“ Ich übe weiter.
Wieso lesen Autoren ihre Bücher eigentlich so selten selbst ein?
Weiler: Das dürfen Sie mich nicht fragen. Aber ich vermute, dass es in den meisten Fällen besser so ist.
Bünger: Autoren können eben in den meisten Fällen besser schreiben als sprechen.



