Er ist Schriftsteller, Comedian und Drehbuchautor, nebenbei gilt der Frauenzeitschriften-Kolummist Michel Birbaek als absoluter Frauen- und Beziehungsfachmann. In seinem vierten Roman, „Nele & Paul“, geht es um die erste große Liebe – denn: „Das ist das Problem mit der großen Liebe – sie versaut einen für die kleinen“. Michaela Friese traf den gebürtigen Dänen und begeisterten Wahl-Kölner zu einem Gespräch über sein neues Buch und seine „Frauengeschichten“-Lesung am 29.4. im Stadtgarten.

Was erwartet uns bei deiner Comedy-Lesung am 29.4. im Stadtgarten?

Das wird ein Abend für alle Fans von „Sex and the City“, die schon immer wissen wollten, wie Carry Bradshaws Kolumnen zu Ende gehen könnten. Und ich bin ein großer Fan der früheren TV-Sendung „Dingsda“. Deshalb habe ich viele Kinder interviewt zu den Themen der Kolumne, „Was ist die große Liebe?“, „Wirst du später heiraten?“ etc., und spiele die Antworten als Anmoderationen meiner Texte ein. Das kommt ziemlich gut, weil die Aussagen der Kids natürlich schön schräg sind.

Ein Zitat von deiner Homepage lautet: „Jeder Roman ist ein Kapitel aus meinem Leben, die Themen sind sehr persönlich.“ Das heißt, die Nele aus deinem neuen Roman gibt es wirklich?

Es gibt auf jeden Fall auch eine Nele, aber in dem Fall hatte ich kein Glück mit meiner ersten Liebe. Für Nele stand eher meine zweite große Liebe Pate, weil sie eigentlich die war, die mir gut tat. Das mit der ersten passte gar nicht. Da kann man mal wieder sehen, was passiert, wenn man sich in die Falsche verliebt. Ich bin ein absoluter Gegner von Verliebtheit. „Verliebtheit ist nur für schwache Leute, die sich nicht für jemanden entscheiden können“, hat mein Vater gesagt.

Aber Verliebtsein ist doch schön!

Ja, aber wenn du einen tollen Partner haben willst, hilft dir Verliebtheit überhaupt nicht. In dem Moment findet man nämlich den toll, der gerade da ist. Ob man tatsächlich zusammenpasst, entscheidet sich erst nach der Verliebtheitsphase. Da kann man viel Zeit verschwenden.

Weiß denn deine zweite große Liebe, dass sie als Vorlage dient? Und ist das okay für sie?

Ich glaube, dass niemand sie, außer ihren Eltern und engsten Freunden, wiedererkennen würde. Und hätte sie die Figur doof gefunden, hätte ich es abgeändert. Die Leute, die bei mir auftauchen, kriegen die Manuskripte als erstes in die Hand. Auch mein Vorgängerroman „Beziehungswaise“ enthält sehr viel aus dieser, meiner längsten, Beziehung. Den hat sie auch zuerst zum Lesen bekommen.

Hast du selbst mal auf dem Land gelebt, oder wie kam es zu diesen Beobachtungen, die du in „Nele & Paul“ verarbeitest, z.B. diese Dorfkneipenszene?

Ich habe in Wolfsburg gelebt. Damals gab es kein Umland, es war Zonenrandgebiet und es gab keinen Grund, da zu sein, außer der Arbeit beim VW-Werk. Sobald du in Wolfsburg auch nur einen Kilometer aus der Innenstadt herausgefahren bist, hast du im Dorf gestanden, 500 Einwohner, sehr grün. Und da bin ich mehr oder weniger aufgewachsen.

Und was hat dich nach Köln verschlagen?

Die Musik! Früher war ich auch mal als Musiker sehr aktiv und habe in einer Band gespielt. Aber als Musiker war ich irgendwann einfach durch in Niedersachsen, es gab nicht mehr viel zu erreichen. Und ich wollte einfach in einer Stadt leben und brauchte andere Einflüsse als Künstler – aber auch als Mensch – und da ist Köln super!

Und es hat dir so gut gefallen, dass du hier geblieben bist?

Ja! Was ich sehr mag an Köln, ist, dass es eine verhältnismäßig gewaltfreie Stadt ist. Ich habe so viel Trouble mit sowas gehabt, und ich habe keinen Bock, je wieder in einer Stadt wie Berlin zu leben, wo ich zum Beispiel letztes Mal, als ich mit türkischen Freunden unterwegs war, nachts in vier Skinheads gelaufen bin. In Köln passiert so was selten. Das gefällt mir.

Du hast zehn Jahre lang Kolumnen für verschiedene Frauen-Zeitschriften verfasst. Und giltst spätestens seitdem als Frauenexperte.

Ich bin mit Frauen aufgewachsen. Ich hatte auch guten Kontakt zu meinem Vater, der war auch toll, aber dominiert hat meine Mutter. Zudem hatte ich zwei Schwestern, beide älter. Die, die sich um mich gekümmert haben, waren immer die Frauen. Und ich habe einfach Glück mit Frauen. Das liegt wahrscheinlich auch an meinem echten Interesse für sie. Ich weiß, in Deutschland darf man das nicht sagen, und wenn du das als Literat sagst, kriegst du auch nie einen Literaturpreis in Deutschland – es tut mir leid, aber ich stehe auf Sex. Nenn mir einen Literaturpreisträger hierzulande, der noch bumst. In Deutschland darfst du keinen Spaß haben, dann bist du unseriös.

Also kannst du mit deinem Womanizer-Image ganz gut leben?

Für mich gehört das Thema Sex einfach zu meinem Leben dazu. Ich glaube, ich kenne viele Leute, die würden dir eher verraten, wieviel sie verdienen, als dass sie gerne mit Frauen schlafen. Doch sobald ich mich darüber äußere, kriege ich immer die gleiche Schlagzeile und werde darauf reduziert. Aber: Ich kann damit leben.

Hast du auch schon groupieartige Erfahrungen gemacht?

Ja, Gott sei Dank, ich meine, dafür machen wir das doch!

Es gibt in Nele & Paul auch die Romanfigur „Mor“, die deiner verstorbenen Mutter sehr ähnlich ist. Bedauerst du es, dass deine „Mor“ (Anm.: dänisches Wort für Mutter) das Buch nicht mehr lesen kann?

Also, ich vermisse sie erstmal wegen hundert anderen Dingen. Zum Beispiel war sie einfach eine mutige und humorvolle Frau. Sie hat mich sehr geprägt mit ihrem Mut, einfach überall jeden anzusprechen, wenn sie Lust hatte und einen schlechten Gag zu machen. Wenn die Leute sie nicht verstanden haben: Pech. Und eine Sache, die ich vermisse ist, dass sie mich regelmäßig mindestens einmal die Woche anrief und statt etwas zu sagen, sang sie dann einfach in den Hörer. Dann haben wir zusammen irgendein dänisches Lied gesungen und wieder aufgelegt. Das sind Dinge, bei denen ich weiß: Das bekomme ich nie wieder von irgendwem.