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Die lit.Cologne steigt zum zehnten Mal, und zwar vom 10.3 bis zum 20.3.

Der Kölner nimmt sich ja schon mal gerne selbst auf die Schippe oder nimmt es zumindest hin, wenn andere dies tun. So kann er nur zustimmend nicken, wenn es heißt, dass alles, was in Köln öfter als zweimal stattfindet, bereits Tradition ist. Was ist aber nun mit einer Veranstaltung, die bereits zum zehnten Mal stattfindet? Die ist wie in Stein gemeißelt und aus keinem Kalender mehr wegzuradieren. Das ist auch gut so. Zumindest in diesem Fall: der lit.Cologne!

Mit diesem sensationellen Erfolg haben die Initiatoren des Literaturfestivals vor zehn Jahren nicht gerechnet. Doch was als zarter Versuch in Sachen neuer Literaturveranstaltung gestartet wurde, entwickelte sich im Handumdrehen zu einem Megaevent. Schwuppdiwupp waren gleich am Anfang alle Veranstaltungen ausverkauft. Überall in der Stadt bildeten sich Schlangen, standen die Leute vor ausverkauften Locations. Und jedes Jahr wird das Spektakel größer, kommen mehr Literaten und Leser, Rezitatoren und Zuhörer an immer außergewöhnlicheren Orten zusammen. Ob Kneipen oder Kirchen, Polizeipräsidium oder Philharmonie, Museen oder die MS RheinEnergie – vom Arkadas Theater bis zum Zoo ist so ziemlich alles dabei, was man sich nur denken kann. Dies gilt natürlich nicht nur für die Veranstaltungsorte, sondern auch für die eingeladenen Gäste. Auch hier reicht die Namensliste von Margaret Atwood bis Carlos Ruiz Zafón, um die international bekannten Autoren zu nennen, oder von Egon Amman bis Hans   Zischler, um hiesige Größen der Literatur- bzw. Medienwelt zu nennen.

Aber was wäre eine solche Veranstaltung ohne das richtige Programm? Welcher Moderator passt zu welchem Thema beziehungsweise zu welchem Autor, und wo findet das Ganze am besten statt? Was kann man dem Publikum zumuten, wo sind die Grenzen und welche muss man einreißen, um neue Leseformate zu schaffen? Darüber grübeln kluge Köpfe, zu denen auch Traudl Bünger gehört. In einem Interview hat die Programm-Mitgestalterin der lit.Cologne uns erzählt, was sich hinter den Kulissen abspielt.

Traudl BürgerTraudl Bünger (Foto: Patrick Essex)

Die lit.Cologne wird zehn. Was bedeutet diese magische Zahl für die Veranstalter und Macher?

Wir sind stolz, froh und dankbar, dass wir seit zehn Jahren diese schöne Arbeit machen können.

Treibt es dazu an, das Literaturfestival noch größer, prominenter und erfolgreicher zu machen?

Wir wollen zum Zehnjährigen ein besonderes Feuerwerk abbrennen. Das betrifft einerseits Größe, Prominenz und Erfolg, aber auch alles andere was lit.Cologne ausmacht: Begegnungen, Nachwuchsförderung, Schnittstellen zu anderen Kunstformen, politisches Engagement, Themenfindung. Außerdem gibt es zum Zehnjährigen Geschenke an unser Publikum: Mit den vier Veranstaltungen der Reihe „Verlangt eingesandt“ bitten wir Hobbyautoren auf die Bühne und sprechen mit ihnen über die Bedeutung von Schreiben und Erzählen. Im Herbst kommt mit John Irving ein lang ersehnter Gast, die Karten für die Lesung sind umsonst und ein Dankeschön für die Treue und Begeisterungsfähigkeit unseres Publikums.

Wird es für Sie als Programmgestalterin einfacher, weil sich schon etwas Routine eingestellt hat, oder eher schwieriger, weil man immer auf der Suche nach was Neuem ist? Neuen Namen, neuen Konzepten, neuen Locations? Lastet also quasi ein gewisser Erfolgsdruck auf Ihnen?

Toll ist, dass wir uns nach zehn Jahren im Kulturbetrieb einen gewissen Ruf erarbeitet haben: Herta Müller war schon zweimal zu Gast und hört sich an, welche Ideen wir haben, auch wenn sie wegen des Nobelpreis-Rummels eigentlich keine Zusagen mehr macht.

Der Name lit.Cologne hat sich als Marke in Deutschland ja schon lange durchgesetzt. Gibt es überhaupt noch jemanden – vielleicht im Ausland – dem sie erklären müssen, um was es dabei geht?

Im deutschsprachigen Raum tatsächlich nicht, aber im Ausland schon.

Welchen Einfluss hat die lit.Cologne auf die Literaturszene? Und welchen auf die Stadt Köln?

Die lit.Cologne hat die Kunstform „Lesung“ entstaubt und reformiert. Das findet mittlerweile Nachahmer, und das ist für uns völlig in Ordnung – schließlich ist es Werbung fürs Produkt. In Köln haben wir interessiertes, experimentierfreudiges und neugieriges Publikum, dem man auch schwere Kost zumuten kann. Ich glaube, das merken auch andere Institutionen, wie das Schauspielhaus oder das Literaturhaus.

Auch beim zehnjährigen Jubiläum setzen Sie auf Altbewährtes und zeigen Neues. Was hat sich geändert, was ist geblieben?

Wir haben das Spektrum stetig erweitert und die inhaltlichen sowie formalen Grenzen der Lesung immer wieder ausgedehnt und hinterfragt. Beim zehnten Mal gibt es einen ganzen Tag zum Libretto und vier Themenabende, die eigens für die lit.Cologne geschrieben werden. Peter Kurzeck erzählt in „Da fährt mein Zug“ ohne Manuskript oder Buchvorlage – ein einmaliges Live-Erzählexperiment.

Können Sie das zugegebenermaßen umfangreiche Programm in einigen Sätzen strukturieren?

Unser Wunsch ist, dass es so vielfältig ist wie die Literatur selbst.

Was waren die größten Hürden in Vorbereitung auf das diesjährige Festival?

Wir haben die 101 Veranstaltungen im Erwachsenen- und die 54 im Kinderprogramm in relativ kurzer Zeit zusammengestellt. Das war eine große Herausforderung an uns, aber auch an unser Netzwerk. Über 400 Menschen und ein ganzer Männergesangsverein mussten sich schon im November Termine für den nächsten März eintragen.

Gibt es Autoren, Sprecher oder Moderatoren, die Sie gerne mal dabei hätten, die es aber noch nicht geschafft haben?

Ein Traum von meiner Kollegin Regina Schilling und mir wäre, die kanadische Autorin Alice Munroe einmal hier zu haben. Ihre Kurzgeschichten sind, jede für sich, hochkomplexe kleine Romane. Aber sie will einfach nicht aus Kanada hinaus.

Gibt es auch Absagen von Autoren, die Sie persönlich kränken?

Wenn sie kurzfristig kommen, kann schon einmal ein leichtes Beleidigungsgefühl entstehen. Das ist ein bisschen so wie bei einer Party, wenn um 21Uhr eine SMS mit einer Absage kommt.

Was waren die schönsten Momente in der Vorbereitung?

Ich habe mich sehr über die Zusage von Tobias Moretti für „Viva la libertà“ gefreut. Er ist sehr eingespannt in Filmprojekte und bislang hat es nie geklappt.

Worauf sind Sie in diesem Jahr besonders stolz?

Dass unser Publikum die Lesung mit Gerald Stern interessant findet und wir schon fast 100 Karten verkauft haben. Er ist ein großer amerikanischer Lyriker und ein fantastischer Anekdotenerzähler, aber in Deutschland komplett unbekannt. Er ist 84 Jahre alt. Es ist vielleicht die letzte Gelegenheit, ihn zu sehen. Ich freue mich sehr, dass sie genutzt wird.

Auf welche Veranstaltung freuen Sie sich persönlich am meisten?

Auf den polnischen Underground-Literaturstar Michal Witkowski. Das wird ein glamourös-schräger Auftritt und ein großer Spaß.

Das Programm steht. Das Heft ist gedruckt. Der Vorverkauf läuft. Worin besteht derzeit Ihre Hauptarbeit?

Textstellen auswählen, Moderatoren briefen, Interviews geben, Themenabende schreiben – langweilig wird uns so schnell nicht.

            Text & Interview: Irma Wagner                 

Für folgende Veranstaltungen gab es bis zum Redaktionsschluss noch Karten

12.3.    19.30   Martin Walser, Schauspielhaus

13.3.    20.30   Alissa Walser und Ralf Bönt, Kulturkirche Köln

14.3.    11.00   Liedertafel mit Angela Winkler & Stefan Kurt, Schauspielhaus

14.3.    18.00   Michal Witkowski, Arkadas Theater – Bühne der Kulturen

14.3.    19.30   Susann Pásztor trifft Benjamin Stein, Comedia, grüner Saal

14.3.    20.30   Moritz Rinke, Kulturkirche Köln

15.3.    20.00   John Burnside, Comedia, roter Saal

15.3.    20.00   Kristof Magnusson, Central Krankenversicherung

16.3.    19.30   Preisverleihung Förderpreisträger NRW   Comedia, grüner Saal

16.3.    20.00   Jerker Virdborg, Comedia, roter Saal

17.3.    20.00   Grüne Fluchten, Literaturschiff MS RheinEnergie

18.3.    18.30   Mo Hayder, WDR, Klaus von Bismarcksaal

19.3.    18.00   Kamila Shamsie trifft Nadeem Aslam, Theaterhaus

19.3.    21.00   Michael Lentz & Axel Kühn,           Theaterhaus  

20.3.    18.00   Murathan Mungan, Arkadas Theater - Bühne der Kulturen

20.3.    19.00   Luc Bondy, Halle Kalk

20.3.    20.30   Antje Rávic Strubel & Finn-Ole Heinrich, Kölnischer Kunstverein/Die Brücke

Veranstaltungen lit.KID

11.3.    16.00   Magic Andy, Königin-Luise-Schule

13.3.    18.00   Klaus Kordon, Kulturkirche

15.3.    15.30   Jutta Richter – Hexenwald, Kölner Künstler Theater

15.3.    16:30   Astrid Frank – Gigant, Polizeipräsidium

16.3.    15.00   Jan Peter Bremer – spitze Ohren, Bel Etage - Schokomuseum

16.3.    16.30   Antje Babendererde – Indigosommer, Comedia, roter Saal

17.3.    16.30   Marlene Röder – Zebraland,           Polizeipräsidium      

18.3.    16.30   Franziska Gehm – Vampirschwestern, Comedia, roter Saal

18.3.    16.30   Tom und der Zauberfußball, RheinEnergieStadion, Nordtribühne 12. Mann

19.3.    16.00   Der letzte Kampf des Tigers, Tropenhaus, Kölner Zoo