Matador/Beggars Group/Indigo, VÖ: 1.4.

Electro, New Wave War schon das erste Cold-Cave-Album „Love Comes Close" großartig, steigert sich Wesley Eisold auf dem Nachfolger noch einmal deutlich. Der in Manhattan lebende Künstler kann auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Als Sänger in amerikanischen Hardcore-Punk-Bands wie Give up the Ghost, Some Girls, American Nightmare und XO Skeletons prägte er verschiedene Stilrichtungen und gründete parallel einen Underground-Kunst-Verlag. Als sich Some Girls auflösten, suchte Eisold nach einer neuen Erfahrung, schnappte sich seine geliehenen Effektgeräte und ein paar befreundete Musiker und entwickelte das Projekt Cold Cave. Der Sound ist inspiriert vom düster-mystischen Aspekt des 80er-Jahre-Electros, verschmäht aber auch nicht den Pop. Zur Richtschnur werden Acts wie New Order, Fad Gadget oder auch Dead Can Dance, stimmlich nähert sich Eisolds morbider Gesang Ian Curtis von Joy Divison an. Es stellt sich schnell Erfolg ein, das bedeutende Indie-Label Matador veröffentlicht das Debüt weltweit. Für „Cherish the Light Years" hat Eisold zwar noch immer kein Instrument, dafür aber richtig zu singen gelernt. Hier wird nicht mehr gekrächzt à la Curtis, sondern kraftvoll intoniert, irgendwo zwischen David Bowie, Fad Gadget und Gary Numan. Bestes Beispiel dafür ist die eindringlich-druckvolle erste Single „The Great Pan Is Dead", auf der sich New Wave und melodischer House genial ergänzen. Der Song verkörpert alles, was sich Eisold für sein Projekt Cold Cave vorgestellt hat, und erzählt von der Ruhelosigkeit des Künstlers, seinem Faible für New York, von Magie, Verlustängsten, Jugend und Entwicklung. „Pacing around the Church" und „Catacombs" sind flotte Dance-Hymnen im Stil von The Cure - fast schon fröhlich. Großes Kino bietet auch der Track „Confetti", der als Hommage an New Order der Blue Monday/Confusion-Phase konzipiert ist. Auf „Underworld USA" wird die US-Subkultur gefeiert, während das großartige, housige „Icons of Summer" eindeutig von der legendären amerikanischen Band The Sparks inspiriert ist. Zischend und qualmend, mit industrieller Soundcollage startet „Burning Sage", bis vor dem geistigen Auge des Fans eine ganze Fabrik als Spielmannszug aus dem Werkstor zu marschieren scheint. Der „Not-So-Hidden-Track" „Villains of the Moon" beendet ein sehr gelungenes Album. -mb