Karussel-Klänge

Ein junges Talent mischt die Musikwelt auf.

Indie-Pop XL-Recordings/Beggars Group/Indigo, VÖ: 5.10., Live: 1.11., Blue Shell

Seine halbspanische Herkunft hat dem Londoner Singer/Song-writer Jack Peñate den sehr unbritischen Schnörkel in der Mitte seines Nachnamens verpasst. Eine gewaltige Portion Eigensinn, noch mehr Talent und ziemlich viel Mut sind wohl der Grund dafür, dass er mit selten-fröhlichem Gitarrenpop die gerade in postpunkiger Düsternis schwelgende englische Musikszene aufmischt und mit seiner ersten Single „Torn on the Platform" Platz 10 der britischen Charts enterte. Dieser Song ist allerdings auch ein ziemlicher Geniestreich. Ruhig und nachdenklich trällert Jack Peñate da in den verschiedensten Tonlagen, bis treibende Gitarren mitmischen und Off-Beats mit ruhigen Rhythmen kontern. Die Tempowechsel verpassen der verspielt-versponnenen Melodie im Stil der Housemartins den richtigen Drive, der akzentuierte Gesang des jungen Londoners gibt dem Song das nötige Charisma. Mit seinem Debütalbum „Matinée" beweist der 22-jährige Musiker, dass die erste Single kein Zufallstreffer war. Luftig leicht rockt er im Opener „Spit at Stars" los und singt sich durch die unterschiedlichsten Tonlagen. Hüpfende Pianoklänge verbreiten eine augenzwinkernde Fröhlichkeit. Ein nahezu funkiger Frohsinn ist dem Popsong „Got My Favourite" zu eigen, und zu „Have I Been a Fool" möchten selbst schwindelanfällige Schwermütige gerne eine Runde Karussell fahren. „Save Your Kisses from Me" hieß der Pop-Song mit dem die Band Brotherhood of Man in den 70ern den Eurovision-Songcontest gewann, und an den das melodiöse Klingeln im Hintergrund des Songs erinnert. Unerwartet raue Klänge und härtere Gitarrenriffs wecken ein paar Takte lang die Erwartung, dass Jack Peñate nun doch eine wütende Moll-Melodie anstimmt, doch der kritische Liedtext „fighting, biting, run for your life ..." erklingt hoffnungsvoll euphorisch. Dort, wo sie dann niemand mehr vermutet, mitten im ansonsten energetischen, direkt vorwärtsrockenden Song „Made My Codes", greift dann doch noch eine mollige Hookline nach den Höhrerohren. Und wenn der junge Künstler schließlich mit klarem, zartem Gesang in den höchsten Tönen von „My Yvonne" schwärmt, hat sein unglaublich facetten- und einfallsreiches Erstlingswerk auch den Song, der den Namen Ballade wirklich verdient. Nach diesem Einstand werden zahlreiche Musikfans bald dem zweiten Werk von Jack Peñate entgegenfiebern. Das nächste Projekt wird allerdings wohl erst einmal folgendes sein: Bei Mutti ausziehen. -se