
Singer/Songwriter V2 Records (Universal)
Via Zeitmaschine entführte man den jungen Bob Dylan sowie Cat Stevens, als er noch Cat Stevens hieß, mischte ihre DNA und erschuf daraus drei Sänger und Liedermacher …so oder ähnlich müssen The Felice Brothers entstanden sein. Die drei ältesten von sieben Brüdern und ihr Bassist ziehen in einem alten US-Schulbus durch die Lande, haben immer an einer Stelle ihre Körpers Staub – und auch immer in der Stimme: Hier sind Reisende aus Leidenschaft, die ähnlich wie beispielsweise Arlo Guthrie in „Alice’s Restaurant“ das Herumziehen zelebrieren. Manchmal klingen sie wirklich wie Dylan („Roll an Arte“) oder Stevens („Your Belly in My Arms"), zuweilen erinnert der Gesang gar an die raue und brüchige Stimme des „Boss“ Bruce Springsteen zu „The Ghost of Tom Joad“-Zeiten. Mundharmonika, Akustikgitarren und Geigen erklingen natürlich en masse, wie es sich für folkbasierte Musik gehört. Trotz vertrauter Instrumentierung und altbewährten Songstrukturen klingen die elf Lieder allesamt frisch und neu, bedienen Stimmungen von fröhlich („T for Texas“) bis – natürlich – melancholisch (z.B. „Ballad of Lou the Welterweight“). Während der Aufnahme der wunderbaren Ballade „Hey Hey Revolver“ (Anspieltipp!) schlug ein Blitz ins Studio ein und verursachte einen digitalen Kratzer. Letzterer blieb auf der Platte, ebenso wie das auf den Blitz folgende Donnergrollen. Aus Prinzip ist diese Aufnahme ungeschliffen und ursprünglich – so ist die Geige auch mal verstimmt. Doch trotzdem oder gerade darum ist „Tonight at the Arizona“ eines der schönsten und intensivsten Akustik-Folk-Alben des Jahres. -ski
