Made in New Orleans

Trombone Shorty vereint Funk, Jazz, Rock und HipHop.

Verve/Universal Music, VÖ: 10.9.

Funk Fast hätte man meinen können, Troy Andrews alias Trombone Shorty hege eine Abneigung gegenüber dem deutschen Musikmarkt und „Backatown" werde den Weg in die hiesigen Plattenläden nie mehr finden. In Frankreich und England ist die CD schließlich schon seit Monaten auf dem Markt. Jetzt scheint der in New Orleans geborene Multiinstrumentalist seine vermeintliche Antipathie zum Glück überwunden zu haben, denn nach dem Motto „besser spät als nie" ist die Platte endlich auch hier erhältlich. Und schon nach wenigen Takten wird klar: Das Warten hat sich gelohnt! Schier unbändig ist die Kraft, die der Fusion aus Funk, Jazz, Rock und HipHop innewohnt, ungemein packend die in jedem der 14 Songs spürbare Spielfreude von Shorty und seiner Band. Ihm gelingt es im perfekten Maße, einerseits an seinem Jazz-Hintergrund festzuhalten und andererseits neuartige Elemente in seine Musik aufzunehmen. So kommt mit „Hurricane Season", einem Song, in dem die Musiker ihre Freude am Spiel wortwörtlich herausschreien, ein eher traditionelles New-Orleans-Brass-Stück im Stile etwa der Rebirth Brass Band aus den Boxen, bei „Suburbia" ertönt hingegen eine furiose Melange, die man wohl am besten als „Hard-Rock-Polka" bezeichnet. Auch „The Cure" baut auf einem rockigen Gitarren-Riff auf, über das Shorty dann mit unnachahmlich kräftigem Sound ein Posaunen-Solo schmettert, welches sein stürmisches Finale in einer Bläser-Kollektiv-Improvisation findet. Neben diesen Instrumental-Songs gibt es auch immer wieder Lieder, in denen Andrews sein Gesangstalent unter Beweis stellt. Vor allem „Right to Complain" überzeugt mit starkem Text und tollem Arrangement, das fast ein wenig an alte Chicago-Zeiten erinnert. Auch eine Ähnlichkeit zu Lenny Kravitz fällt auf, was nicht zuletzt daran liegt, dass dieser als Gast selbst zum Mikro greift. Neben ihm gehören auch Bono und „The Edge" von U2 zu Shortys prominenter Fanschar. Als die beiden den damals Zwölfjährigen erstmals auf der Bühne sahen, tanzten sie vor Begeisterung sogar auf den Tischen. Bevor man sich aber im Oktober auch selbst von Shortys Live-Qualitäten überzeugen kann, lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch im nächstgelegenen Plattenladen. Auf „Backatown" sollte man nicht noch länger warten! -flx

Live: 24.10., Stadtgarten