© Mathias Bothor© Mathias Bothor

Die deutsche Rockband Selig hat sich vor zehn Jahren getrennt. Nun haben die fünf Jungs wieder zusammengefunden und sind mit ihrem Comebackalbum „Und endlich unendlich“ auf Tour. Denny Seeber sprach mit Schlagzeuger Stephan „Stoppel“ Eggert.

Wie fühlt es sich an, wieder als Teil von Selig auf der Bühne zu stehen?

Großartig! Wir alle sind überglücklich, wieder an unsere alten Zeiten anschließen zu können. Natürlich haben wir das Beste gehofft, dass es aber so gut klappt, damit hatte keiner gerechnet. Die Resonanz auf die Platte und die Konzerte freut uns wirklich riesig.

Konntet ihr euch schnell darauf einigen, in welche Richtung das neue Album gehen wird?

Das ging ganz automatisch. Offen gestanden, hatten wir nämlich gar keinen Plan und somit auch keine Zielsetzung in Richtung „Wie klingt Selig 2.0 mit neuen Einflüssen?“, sondern haben einfach gespielt, wie wir immer spielen. Jeder von uns hat  ja seinen eigenen Style. Daher klingen wir irgendwie immer noch wie in den 90ern. Natürlich könnte man uns jetzt vorwerfen, wir hätten uns musikalisch nicht weiterentwickelt, aber das war auch gar nicht unser Ziel. Wir wollten einfach ein Album machen, das wir auch selber gerne hören. Da freut es uns natürlich, dass jetzt die Leute, die unsere Musik schon früher mochten, es uns danken und sagen: „Wow, das klingt ja immer noch so, wie wir Selig in Erinnerung hatten.“

War es schwer, sich wieder zusammenzuraufen und eine Einheit zu werden?

Ja, war es! Das hat uns tatsächlich viel Zeit gekostet. Zum ersten Mal wieder zu fünft zusammengesetzt, haben wir uns vor ziemlich genau zwei Jahren. Dabei ging es eigentlich nur um eine Art Reflexion, was damals eigentlich schiefgelaufen ist. Allein diese Aufarbeitung hat Monate gedauert, war aber notwendig, da wir erst danach in der Lage waren, überhaupt wieder als Band zusammenzuarbeiten. Als wir diesen Punkt aber erreicht hatten und wieder gemeinsam im Proberaum saßen, das war ein magischer Moment. Die Atmosphäre war so, als hätten wir vor einer Woche unser letztes Konzert gegeben. Wir saßen da und dachten nur: „Okay, das war es also, was die  Leute damals durchdrehen ließ.“ Es hat so viel Spaß gemacht, dass wir dann auch sofort angefangen haben, neue Songs zu schreiben – und damit stand natürlich fest, dass wir eine neue Platte aufnehmen wollten.

Hat die Pause musikalisch etwas gebracht?

Schwer zu sagen. Wir alle haben in diesen Jahren weiterhin Musik gemacht und auch davon gelebt. Aber erst, als wir wieder angefangen haben, miteinander zu spielen, wurde uns klar, was uns in all den Jahren gefehlt hat und wie besonders das war, was wir da hatten. Wir haben das damals auf spätpubertäre Art gegen die Wand gefahren, ohne uns im Klaren zu sein, dass das wirklich etwas Kostbares war, wie man es nicht an jeder Ecke findet. All das wissen wir erst heute richtig zu schätzen.

Nervt es euch, ständig auf die alten Seligzeiten angesprochen zu werden?

Nein, das ist doch normal. Was mir, ehrlich gesagt, viel näher gegangen ist, passierte bei unserem ersten Konzert nach der Reunion. Ich sah ins Publikum und dachte: „Oh mein Gott, sind die alle alt!“ Im selben Moment ging mir auf, dass wir selber auch zehn Jahre älter geworden sind. Natürlich hat sich dieses Gefühl dann mit der Zeit wieder gegeben, aber es ist nicht wegzuleugnen, dass unser Publikum nicht mehr nur aus 14-jährigen Zahnspangenträgerinnen besteht, sondern mittlerweile sehr gemischt ist. Die heutige Jugend wird ja teilweise erst durch das aktuelle Album auf uns aufmerksam.

Wie werdet ihr das Kölner Publikum im E-Werk in euren Bann ziehen?

Das Ganze soll eine Art Trip werden. Das heißt, wir wollen nicht einfach Songs aneinanderreihen, sondern einen musikalischen Bogen spannen und das Publikum mit auf eine Reise nehmen.

Sei ehrlich, habt ihr mit ausverkauftem Haus in Köln gerechnet?

Doch, schon. Aus Gründen, die wir selber nicht ganz durchschauen, ist Köln seit jeher eine unserer Hochburgen. Somit lief der Vorverkauf von Anfang an super und das Konzert war so schnell ausverkauft, dass es jetzt sogar am 14.9. noch einen Zusatztermin gibt.

Verbindest du eigentlich etwas Bestimmtes mit Köln – eventuell noch aus den „alten Zeiten“?

Allerdings. Ich glaube, Köln ist die Stadt in Deutschland, die ich am häufigsten besucht habe, sogar noch häufiger als Berlin. Das hat sich so ergeben, weil viele meiner alten Schulfreunde damals zum Studium nach Köln gezogen und dann größtenteils auch dort hängen geblieben sind. Man kann also wirklich sagen, ich habe eine recht enge Beziehung zu dieser Stadt und kenne sie sehr gut.

Wie vermeidet ihr Lagerkoller während eurer Tour?

Zunächst haben wir alle noch eigene Projekte, die wir parallel auch weiterhin verfolgen. Außerdem haben wir in der Zwischenzeit Familien gegründet – insgesamt bringen wir’s auf zwölf Kinder, denen wir gerade während der Schulferien auch Zeit widmen – daran wird nicht gerüttelt. Insofern ist die Gefahr eines Lagerkollers gar nicht mehr so gegeben wie in früheren Zeiten.

Selig: Und endlich unendlich, Universal; Live: 14.9., 20h, Live Music Hall & 30.9., E-Werk (ausverkauft), Karten unter www.koelnticket.de oder 0221-28 01

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