Scouting for Girls (Foto: Ellis Perinder)Scouting for Girls (Foto: Ellis Perinder)

Spätestens mit der Single „This Ain't a Love Song" sind Scouting for Girls auf dem europäischen Musik-Festland angekommen. Im Dezember kommen die Briten nach Köln. Felix Jansen sprach mit Frontmann Roy Stride über das aktuelle Album, Kindheitswünsche und die Ähnlichkeiten zwischen britischen und deutschen Fans.

Ihr habt dieses Jahr eure zweite LP veröffentlicht. Wo schreibt ihr eure Songs, im ruhigen Wald oder im Lärm der Großstadt?

Ach, mir ist das egal. Ich schreibe überall Musik, auf der Auto-Rückbank, im Tour-Bus, auf dem Hotelzimmer oder irgendwo, wo es leise ist. Das ist ja im Endeffekt Papier-Arbeit, da ist es egal, wo ich meine Ideen bekomme. Ich fange einfach an zu schreiben.


Der Albumtitel „Everybody Wants to Be on TV" spricht für sich. Was wolltest du werden, als du ein Kind warst? Ein Star oder doch eher Feuerwehrmann?

Früher wollte ich immer Pilot werden ... Aber als ich mit 14 angefangen habe, Gitarre zu spielen, wollte ich Musiker sein. Ich glaube aber nicht, um berühmt zu werden, sondern weil ich wirklich mein Leben der Musik widmen wollte. In einer Band sein, die Welt bereisen, Songs schreiben und Konzerte für die Leute geben ... Das war mein Traum, und ich bin glücklich, das jetzt tun zu können.


Warum hast du denn überhaupt beschlossen, Musik zu machen? Haben dir deine Eltern die Gitarre in die Hand gedrückt und dir befohlen zu spielen?

Irgendwie habe ich die Gitarre damals im Kleiderschrank meiner Mutter gefunden. In den 70ern hat sie Bass-Gitarre in einer Folk-Band gespielt ... Aber sie hat mich nie animiert Musik zu machen oder mir Unterricht gegeben. Allerdings waren wir eben zu der Zeit in der Schule, als der Britpop explodiert ist und Bands wie Blur oder Oasis fantastische Musik gemacht haben. Damals, 1996/97, war Musik einfach so aufregend und das Wichtigste in unserem Leben. Mit Greg, unserem Bassisten, war ich auf einem Konzert in Oxford, da sind alle die ganze Zeit rumgesprungen und vollkommen aus sich herausgegangen. Dieses Konzert war buchstäblich der Auslöser. Wir waren 16 und dachten nur: „Wir müssen das machen!"

Wie der Name schon sagt, ist „This Ain't a Love Song" eher ein trotziges als ein trauriges Lied ...

Ja, wobei ich es vielleicht nicht Trotz nennen würde. Ich versuche eher, Musik immer so positiv und ermutigend zu machen, wie es geht. Zumindest textlich ist das Lied ein bisschen wie Gloria Gaynors „I Will Survive". Einerseits handelt es von diesem großen Verlust und dann eben von dem Aufbruch, wenn du plötzlich an dem Punkt bist, an dem du merkst, dass alles wieder gut wird, dass du weitermachen musst und die Dinge wieder besser werden.

Eure Plattenfirma wollte eure Songs erst nicht auf den Markt bringen. Wie habt ihr reagiert?

Erst waren wir ein bisschen trotzig. Wir dachten, dass unsere Songs gut sind. Aber weil wir die Leute von der Plattenfirma schätzen, bin ich zurückgegangen und habe mir die Demos noch mal angehört. Da habe ich auch gemerkt, dass ich die Songs noch verbessern könnte. Trotzdem haben wir der Firma nicht in allem Recht gegeben. Zum Beispiel war das erste Lied der Demo „This Ain't a Love Song". Der Chef des Labels meinte, dass es sich nicht als Single eigne. Jetzt sieht man, wie erfolgreich das Stück ist.

Ihr seid Botschafter der Wohltätigkeitsorganisation „Wellchild". Gibt es eine Art sozialer oder politischer Verantwortung für Künstler?

Wir sind aktiv, weil wir in einer Position sind, in der wir einen Unterschied machen und Probleme aufzeigen können. Wir denken, dass es wichtig ist, für Dinge, an die man glaubt, aufzustehen und zu kämpfen, vor allem in der heutigen Spaßgesellschaft. Ich finde es gut, eine Meinung zu haben und die Sachen zu unterstützen, von denen man glaubt, dass sie es wert sind. Wir sind sehr glücklich, hier bei einer Sache aktiv zu sein

Ihr habt in Europa, den USA und Japan gespielt. Gibt es da konzerttechnisch einen Unterschied?

Ja, die englischen und deutschen Fans sind irgendwie die verrücktesten. Es ist sehr schön, für sie zu spielen, die sprühen nur so vor Energie. Wir hatten ein paar Konzerte in Amerika, aber da sind wir nicht wirklich bekannt ... In Japan ist es eine ganz andere Kultur. Dort hören die Leute der Musik nur gespannt zu und warten dann auf den nächsten Song. In Deutschland herrscht vielmehr so eine Party-Atmosphäre, und das mögen wir. Ich glaube, Deutsche und Engländer sind sich da sehr ähnlich. Sie wollen eine gute Zeit haben, trinken gerne ein Bier und lieben Musik. Es fühlt sich hier sehr an wie zu Hause.

Was vermisst du denn trotzdem, wenn du nicht in England bist?

Familie und Freunde vermisst man natürlich. Aber wir haben jetzt zehn Jahre als Band verbracht, und wir lieben es, zu reisen. Eine der besten Sachen in unserem Leben ist eben auch, dass wir die Länder, die wir bereisen, auf eine ganz andere Art kennenlernen, als wir es als Touristen würden. Wir arbeiten, wenn wir reisen, und dadurch treffen wir uns mit Leuten und lernen quasi den „echten Deutschen" kennen und sehen so viel mehr als Urlauber. Das ist das Tolle am Touren.

Was machst du, wenn du nicht gerade probst oder Songs schreibst?

Ach, ich mag vieles. Kricket zum Beispiel, und ich bin sehr überrascht, dass es das in Deutschland gar nicht gibt. Vor ein paar Tagen war ich bei einem Spiel. Als Zuschauer bedeutet das, sechs Stunden lang in der Sonne zu stehen und Bier zu trinken. Ich habe Greg gesagt, dass wir das nach Deutschland bringen sollten, das würden die Leute hier lieben. (lacht)

Im Dezember spielt ihr im Gloria. Habt ihr schon mal was von den Kölner Weihnachtsmärkten gehört?

Klar! Sind die dann schon geöffnet?

Ja, einen Glühwein könnt ihr also trinken.

Oh ja, das habe ich ganz vergessen. Das machen wir auf jeden Fall! Wir werden da sein, definitiv!

Scouting for Girls, 7.12., 20h, Gloria
Karten gibt es unter www.koelnticket.de