Blur live (Foto: Lawrence Watson)
Musiker unter sich
Wessen Kritik an eurer Musik ist euch wichtig und wessen Bewertungen sind euch egal?
p:lot: Kritik ist wichtig, nichts ist egal. Man kann eigentlich nichts Besseres tun, als grundsätzlich zuzuhören.
Christoph: Ich bevorzuge Kritik von Leuten, die nicht so viel mit Musik zu tun haben, weil sie einfach unbefangener sind und sich nicht an technischen Details aufhalten. Letzten Endes sind das auch die Menschen, die deine Musik hören.
Lutz: Jegliche Kritik ist sehr wichtig. Wenn ich ein Konzert gebe, dann spiele ich nicht nur für mich. Es interessiert mich also sehr, wie es ankommt. Ich spiele zum Beispiel besser, wenn ich merke, dass es dem Publikum gefällt.
Welche Motivation steckt hinter eurer Musik, und welches Ziel verfolgt ihr?
Christoph: Wenn ich einen Song schreibe oder eine Idee festhalte, schaffe ich etwas, das mir gefällt oder mich in irgendeiner Art ausdrückt. Ich weiß, dass ich meine Zeit sinnvoll eingesetzt habe. Das allein motiviert mich. Das Ziel, das ich mit meiner Musik verfolge, ist, mich jeden Tag weiter zu motivieren.
Lutz: Manchmal habe ich ein bestimmtes Etwas in mir, das ich unbedingt versuchen möchte auszudrücken. Es kann ein Gefühl sein, eine Farbe, ein Groove … Bei einer Komposition versuche ich es so zu gestalten, dass es für alle Musiker Spaß macht und gleichzeitig gut klingt. Das ist die Hauptmotivation.
p:lot: Ich glaube daran, dass Leidenschaft grundsätzlich geteilt werden muss. Das allein ist ja die Basis jeder Kunst und Kultur. Man synchronisiert sich mit seiner Umwelt. Das ist in der Disco so, das ist im klassischen Konzert nicht anders. Man schwingt auf einer Welle. So ist Musik, so sind wir. Wir haben gerade tolle Projekte in Arbeit – eine Filmmusik, ein neues Album. Das Team hat sich deutlich vergrößert. Diese Perspektiven sind Ziel genug.

p:lot existiert bereits seit 1997, allerdings eher als Studioprojekt von Alexander Freund und Andreas Kaufmann. Erst als 2002 Ben Argandona als fester Schlagzeuger dazukommt, entwickelt sich p:lot zur (Live-)Band weiter. Auf einem Konzert im Jahr 2004 wurde die Band von Wolfgang Rohde entdeckt, der ihr einen Vertrag seines Labels Goldene Zeiten anbot. Als Reaktion auf die strukturelle Wandlung innerhalb der Musikindustrie hat die Band beschlossen, selbst als Label zu fungieren. Am 13. Februar 2009 traten P:lot für das Bundesland Saarland beim Bundesvision Song Contest 2009 an und belegten den 14. Platz.
Wie weit würdet ihr euch bei der Produktion einer CD vom Label reinreden lassen?
p:lot: „Reinreden" ist so negativ behaftet. Man muss sich grundsätzlich klarmachen, dass die Leute in dieser Branche alle wegen ihrer ursprünglichen Begeisterung für Musik tätig sind. Grundsätzlich sollte man aber einfach wissen, was man will. Wir haben das letzte Album in kompletter Eigenregie veröffentlicht, allerdings ohne jede „Plattenfirmen sind doof"-Attitüde – es war alles so im Fluss, es ging voran. Es gab keinen Grund, etwas zu ändern. Die nächste Runde werden wir nun mit Unterstützung eines Majors angehen. Dafür werden wir aber deutlich mehr Musik machen können.
Christoph: Labels haben es heutzutage wirklich schwer, große Ausgaben für neue und unbekannte Künstler zu rechtfertigen. Gleichzeitig ist es für sie nicht mehr so leicht, ihre Produkte erfolgreich auf dem Markt zu positionieren. Vielleicht weil sie ihren Markt nicht mehr kennen. Trotzdem gibt es auch interessante Entwicklungen, wie etwa die Entstehung von Netlabels, die zum größten Teil auf ehrenamtliche Mitarbeiter, kostenlose Promotion und digitalen Vertrieb setzen. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich für mich die Bindung an ein klassisches Label als nicht erstrebenswert.
Lutz: Grundsätzlich ist Freiheit am wichtigsten, um sich künstlerisch zu entfalten. Wenn ein Label sich ins Werk einmischt, dann stimmt da etwas nicht im Vertrauen zu dem Musiker. Es gilt aber auch, wie mit allem, das Prinzip: geben und nehmen. Wenn ein Label unglaublich viel Geld investiert, kann ich verstehen, wenn es das eine oder andere zu melden hat. Bestimmte Grenzen sollte man aber früh genug aufzeigen. Kommunikation mit dem Label ist in der Hinsicht am wichtigsten.
Wie habt ihr anfangs versucht bekannt zu werden, und was macht ihr nun, um euch zu promoten?
Christoph: Meine ersten Gehversuche in der Öffentlichkeit waren eher unfreiwillig. Ich brachte (einen ziemlich schlechten) Rapsong mit in die Schule, der zahlreiche Halbstarke aus der Gegend thematisierte. Er geriet natürlich in die falschen Hände und verbreitete sich ziemlich schnell in den angrenzenden Orten. Okay, ich musste ein paar Monate bestimmte Plätze meiden, aber ich war begeistert, wie einfach und schnell man Aufmerksamkeit erzeugen und für sich nutzen konnte. Das erste Konzert war ziemlich voll, und ein paar der ehemals Beleidigten feierten sogar mit!
Lutz: Viel spielen. Und vor allem immer 100 Prozent geben. Qualität setzt sich durch. Gerade im Musikgeschäft wird unheimlich viel Energie in die „Verpackung“ investiert. Das hält sich nie lange. Die Musik muss im Vordergrund stehen und nicht der Bekanntheitsgrad.
p:lot: Wir haben immer weitergemacht. Und das machen wir jetzt auch. Wenn du deine Leidenschaft in die Welt trägst, lernst du Freunde kennen, so bekommst du Hilfe, so wird über dich gesprochen.
Glaubt ihr, dass es dank Casting-Shows, MySpace und YouTube einfacher geworden ist, als guter Musiker oder Band entdeckt und bekannt zu werden?
p:lot: Einfacher ist es nicht, aber man kann kreativ sein – das zahlt sich immer aus. Eine Casting-Show ist sicherlich keine größere Chance als jeder andere Weg auch.
Lutz: Das Internet bietet tolle Möglichkeiten. Der einzige Nachteil ist, dass viel weniger CDs gekauft werden. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich Qualität immer durchsetzt, auch im Internet. Casting-Shows dagegen haben ja nicht viel mit Musik zu tun, das ist eher in den Bereich „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ einzuordnen.
Christoph: Gute Musiker und Bands profitieren von den Möglichkeiten genauso wie diejenigen, die über solche Plattformen ihren ersten Anreiz erhalten, selbst Musik zu machen. Möchtegern-Künstler hin oder her: In den Top 100 sieht das doch auch nicht anders aus.

Christoph Grimm ist 26 Jahre alt, studierter Diplom-Medienökonom und kommt aus Köln. Er ist Mitgründer eines Internet-Start-ups, wo er unter anderem mit seiner Musik für virales Marketing verantwortlich ist. Seinen bisher größten Erfolg verzeichnete er mit dem „Early Adopter Song“, der sich in der deutschen und internationalen Blogszene (u.a. Techcrunch, Basic Thinking und Gründerszene) schlagartig verbreitete. Neben der Arbeit verbringt er nahezu jede freie Minute mit Musik – alleine vor dem Rechner oder mit Freunden im Proberaum.
Habt ihr schon mal an einem Casting bzw. Wettbewerb teilgenommen?
p:lot: Wir haben in diesem Jahr beim Bundesvision Songcontest von Stefan Raab mitgemacht.
Lutz: Ja, ich habe mit Three Fall beim Futuresounds-Wettbewerb der Leverkusener Jazztage teilgenommen. Wir haben den ersten Platz gemacht. Darüber haben wir uns sehr gefreut.
Nach welchen Kriterien habt ihr euch damals entschlossen, bei diesen Wettbewerben mitzumachen? Was würde eine Teilnahme eurerseits komplett ausschließen?
p:lot: Es muss die Musik an sich im Vordergrund stehen. Kein voyeuristisches Gaffen von menschlichen Verirrungen, da glänzt so manches Format mit einer geradezu unmoralischen Verantwortungslosigkeit. Es ist doch einfach eine Unverschämtheit, jemanden zu empfangen, um ihn dann bloßzustellen. Stefan Raab und alle beim Contest haben uns damals von Anfang an deutlich spüren lassen, dass sie uns gern dabei haben wollten. Da war Respekt! Wir konnten uns und unsere Idee präsentieren, unseren Auftritt zu 100% auf uns zuschneiden. Das hat viel Spaß gemacht.
Lutz: Ja, man darf sich nicht ausgenutzt fühlen. Daher muss der Veranstalter für einen professionellen Rahmen sorgen. Es soll nicht ums Gewinnen oder Verlieren gehen. Die Bands müssen das Gefühl haben, Teil einer spannenden, niveauvollen Veranstaltung zu sein.
Vorausgesetzt, ihr werdet eines Tages sehr berühmt. Was würdet ihr trotz plötzlichen Ruhmes niemals aufgeben?
p:lot: Da ist nichts aufzugeben. Die Musik bestimmt jetzt zu 100% unser Leben, und das wird auch so bleiben.
Lutz: Ich werde mein ganzes Leben zu Borussia Mönchengladbach stehen.
Mit welchem Adjektiv würdet ihr das heutige Musikbusiness beschreiben?
p:lot: Suchend
Christoph: Süß.
Lutz: Zögernd.

Lutz Streun, 1982 in Südafrika geboren, ist Saxophonist, Bass Klarinettist und Gründer des Trios Three Fall (neue CD, siehe S.42), das 2008 den Futuresounds-Wettbewerb der Leverkusener Jazztage gewann und im November im Vorprogramm von Nils Petter Molvaer zu hören war. Lutz Streun spielt in deutschlandweiten Ensembles,wie z.B. Lautstark!4, Firefunkers, LET Trio und Taurinta.Im Oktober tourte er mit shortfilmlivemusic durch Osteuropa. Er absolvierte sein Saxophonstudium an der Musikhochschulein Arnheim, NL (ArtEZ). Mittlerweile pendelt er zwischen Köln und Berlin.
Wie entstehen musikalische Innovationen? Wäre das eine Herausforderung für euch, mal was komplett Neues zu machen?
Lutz: Auf jeden Fall! Mein Leben als Musiker ist vom Suchen geprägt.
p:lot: Innovation entsteht beim Experimentieren. Dabei ist es wichtig, nicht das „Neue" zu suchen, sondern es in den vielen Variationen zu „finden". Am Ende heißt es also: Viel machen, ständig arbeiten, spielen, aufnehmen.
Christoph: Ich erinnere mich noch, wie ein Musiklehrer mich mit der Einstellung genervt hat, dass seit der Klassik alles getan wurde, was in der Musik möglich ist. Wie viel Veränderung letztlich nötig ist, um es als etwas Neues zu bezeichnen, ist wohl jedem selbst überlassen.
Wie sieht die Zukunft der Musik aus?
Lutz: Die Musik wird immer eine gigantische Rolle spielen. Musik ist absolut und unantastbar. Irgendwann ersticken wir in unserem Materialismus. All das kann die Musik nicht aufhalten, da ihre Schwingungen allgegenwärtig sind.
Christoph: Die Zukunft der Musik sieht blendend aus. Egal, wie sie sich als Wirtschaftsgut entwickeln wird, ist es von größerer Bedeutung zu sehen, dass heutzutage immer mehr Menschen die Möglichkeit geboten wird, Musik zu hören und auch selbst Musik zu machen.
Hättet ihr lieber vor 20 oder 30 Jahren gelebt, rein musikalisch betrachtet?
p:lot: Nein. Es ist, wie es ist.
Christoph: Viele sagen, dass sie mit der heutigen Musik nicht so viel anfangen können, oder sie vertreten die Meinung, dass es früher leichter war, etwas Neues oder einen Hit zu schaffen. Ich denke vielmehr, dass man viel von den alten Sachen lernen kann. Das Gegebene ist doch immer die Inspiration für was Neues.
Lutz: Jimi Hendrix, John Coltrane und Bob Marley hätte ich schon sehr gerne mal live gesehen. Ich bin aber auch sehr zufrieden mit der Musik, die ich hier und jetzt zu hören bekomme. Man spricht derzeit von einer Krise, das nervt natürlich, aber auch das wird sich schon wieder einpendeln. Falls es sich nicht einpendelt, dann wird es früher oder später größere Veränderungen geben, was ich eigentlich auch spannend und sinnvoll finde.
Was könnte eure Liebe zur Musik und zum Musikmachen zerstören?
p:lot: Außer körperlichen Gebrechen wohl nichts.
Lutz: Gar nichts.
Habt ihr schon mal ans Aufgeben gedacht?
p:lot: Nein.
Lutz: Ja, aber es war eine Laune. Um sein Instrument wirklich zu beherrschen, muss man viele harte Momente durchstehen. Diese Momente gibt es immer noch bei mir, aber ich kann zurückblicken und sehen, dass es sich lohnt, dranzubleiben.
Was war euer bislang schönstes Erlebnis als Musiker?
p:lot: Die vielen guten Bekanntschaften machen mich persönlich besonders glücklich. Hätte ich zu Schulzeiten gewusst, dass es solche Leute gibt, hätte ich alles etwas entspannter gesehen.
Lutz: Der Gewinn des Futuresounds-Wettbewerbs war etwas ganz Besonderes. Die schönsten Momente sind aber die, bei denen man das Gefühl hat, eins mit der Musik zu sein!
Manager unter sich
Wie verschafft ihr euch einen Überblick über die News im Musikgeschehen? Und wie wird man auf neue Talente aufmerksam?
Daniel: In der Regel über mein Netzwerk. Dies besteht aus Managern, Produzenten, Verlegern, Bookern, Musikern, Scouts, Anwälten, Medienleuten etc. Manchmal sitze ich auch in Jurys bei Bandförderungsprogrammen bzw. Wettbewerben.
Peter: Ich lese Fachmagazine wie „Musikwoche“ und „Musikmarkt“, diverse Musikmagazine wie „Intro“ und „Musikexpress“ sowie verschiedene Musikblogs und internationale Musikportale.
Gehören zur Arbeit auch regelmäßige Konzertbesuche gerade in kleinen Clubs?
Daniel: Auf jeden Fall. Hier sieht man doch erst die wahre „Essenz“ einer Band.

Daniel Standke ist seit Ende 2005 als A&R Manager beim Tonträgerunternehmen EMI Music in Köln tätig und zuständig für Künstler wie Samy Deluxe, Alexander Ryback, Pohlmann sowie die Newcomer-Acts Auletta, Bakkushan und Das Gezeichnete Ich. „Artist Development ist das, was mir am meisten Spaß macht. Hierbei geht es nicht darum, neue Acts zu designen, sondern das künstlerische Kapital eines Künstlers zu erkennen und dies der Welt zu beweisen.“
Nutzt ihr auch Portale wie MySpace oder YouTube, um Entdeckungen zu machen?
Daniel: Selbstverständlich. Hier können sich Acts unkompliziert und ohne größere finanzielle Aufwendungen der Welt – und somit auch mir – präsentieren. Der Inhalt zählt. Und man sieht direkt die Reaktionen bzw. Nicht-Reaktion der Konsumenten. Allerdings ist die Masse der dort angebotenen Inhalte bemerkenswert hoch. Man muss also unbedingt auffallen. Und das kann sich nicht nur auf die beiden genannten Plattformen beschränken.
Peter: Ja, ich stöbere auch täglich bei MySpace, YouTube und diversen Musikblogs und der wöchentlichen Liste der englischen „musicweek“ nach neuen, vielversprechenden Talenten.
Worin unterscheiden sich gute von schlechten Band-Wettbewerben?
Daniel: Gute Wettbewerbe geben Nachwuchskünstlern die Plattform, um sich zu präsentieren – und zwar vor Leuten, die sie weiterbringen könnten. Der Contest ist Nebensache, es geht darum, zu spielen, sich zu zeigen. Nur so kommt man weiter.
Worauf sollten junge Musiker achten, bevor sie an einem Wettbewerb teilnehmen?
Daniel: Es gilt, dieselben Sachen zu beachten wie vor jedem Konzert. Denn das ist es am Ende ja auch – ein Gig: Die Setlist muss stimmen, das Styling, der Entertainmentfaktor sollte so ausgewogen sein, dass man das Publikum unterhalten kann, ohne jedoch albern zu wirken etc. Und man sollte genug eigene Fans einladen. Eine „Army“, die Stimmung macht und der Band etwas gefühlte „Prominenz“ verleiht.
Sollte der Nachwuchs stärker gefördert werden, und wenn, wie?
Daniel: Ja natürlich. Es sollten einfach mehr Leute CDs von Newcomern kaufen oder auf deren Konzerte gehen und nicht immer nur Robbie Williams und Ich + Ich huldigen. Hierfür müssen sich neue Acts aber auch dem Mainstream-Publikum präsentieren können – denn das sucht nicht auf MySpace nach dem neuesten Musiktipp. Diese Leute lesen Zeitung, schauen fern und hören vor allem Radio. Doch insbesondere hier sieht es mit Newcomerförderung sehr mau aus.
Peter: Es ist immer wichtig, den Nachwuchs zu fördern, und es gibt ja auch viele gute Nachwuchsbands, die dies wert sind. Diese sollten nicht nur von den Plattenfirmen und Veranstaltern gefördert werden, sondern auch von etablierten Künstlern, die Hilfestellung geben können und eine Patenschaft übernehmen sollten für junge, noch unerfahrene Bands.

Peter Goebel macht sich nach jahrelanger Tätigkeit für BMG, Universal und Warner Music 2005 als PR-Berater und Presse-Promoter selbstständig und firmiert unter dem Namen Presse Peter. Neben der Erstellung eines individuellen Presse-Konzeptes berät er Künstler in allen Fragen, die deren Image betreffen, gibt Tipps im Umgang mit Journalisten, Interviewtraining und sorgt für die Promotion des Künstlers und seines Produktes in den bundesweiten Printmedien.
Was haltet ihr von Castingshows à la „DSDS“ oder „Popstars“?
Peter: Jedem Teilnehmer sollte klar sein, dass es hier nur um den schnellen Erfolg geht und man die Marke „Castingstar“ danach nie wieder los wird, egal, ob man zu den Gewinnern zählt oder nicht. Auf der anderen Seite gibt es heute wenig Möglichkeiten, gerade im TV, als Sänger aufzutreten, da es kaum noch Musiksendungen gibt. Wenn man sieht, wie viele junge Menschen als Berufsziel Popstar angeben, ist es schon erschreckend, wie die jungen Menschen dort verheizt werden. Trotzdem sind diese Formate sehr unterhaltsam und deswegen auch erfolgreich. Zum Glück entdeckt man auch viele gute Talente.
Welche Kriterien machen einen Musiker für euch interessant?
Daniel: Authentizität, außergewöhnliches Talent, Charisma, Fokussiertheit, Wille, Ehrgeiz, Fleiß, ausreichende handwerkliche (musikalische!) Fähigkeiten und das gewisse, nicht näher zu bezeichnende Etwas. Und man muss einfach zur richtigen Zeit das Richtige machen.
Peter: Ja, dem kann ich nur zustimmen. Unterstützend wirken ein Wiedererkennungswert, eine bestimmte Stimmfarbe, ein unverkennbarer Kleidungsstil oder ein besonderes Auftreten. Und bei allem muss er authentisch bleiben in dem, was er vermitteln möchte.
Welche Kriterien disqualifizieren einen aufstrebenden Künstler, bei euch unterzukommen?
Daniel: Feierabendmusiker, die es nicht wirklich wollen und sich auch so verhalten. Selbstüberschätzung.
Ist das Business härter geworden, und wenn ja, warum?
Daniel: Die Umsätze in der Musikindustrie haben sich in den letzten Jahren praktisch halbiert. Wenn kein Mensch mehr CDs kauft, sondern alles kopiert oder sich umsonst im Internet bedient, wie sollen dann junge Musiker gefördert werden? Wie soll man in sie investieren und hohe finanzielle Risiken dafür auf sich nehmen, wenn man über dieses Kapital schlicht und einfach nicht mehr im dafür ausreichenden Maße verfügt? Glauben Sie mir: Wenn keiner bereit ist, für Musik zu bezahlen, tut das der Kultur sicherlich nicht besonders gut.
Peter: Ja, die Umsätze der Plattenfirmen sind im Keller, und es wird immer schwieriger, neue Acts aufzubauen. Früher war es ja so, dass die Plattenfirmen neue Künstler aufgebaut haben, weil die Megastars so viel Umsatz eingespielt haben. Wenn die großen Künstler heute aber auch nicht mehr genug Alben verkaufen, so dass genug übrig bleibt, um Newcomer zu finanzieren, wird dies in Zukunft einfach immer weniger passieren.
Text & Recherche: Irma Wagner, Felix Jansen & Denny Seeber


